| Interlaken: «Spatenstich» für Backpackers-Erweiterungsbau
Die Kapazität der «Backpackers Villa Sonnenhof» in Interlaken soll mit einem im April 2009 fertiggestellten und betriebsbereiten Erweiterungsbau auf rund 180 Betten verdoppelt werden. Laut detailliertem Kostenvoranschlag wird mit Baukosten von 4,6 Millionen Franken gerechnet.
Fotomontage mit der bestehenden Backpackers Villa Sonnenhof (links) und dem geplanten Erweiterungsbau (Mitte). (Bild zvg)
ds. Die Bauarbeiten begannen am Mittwochnachmittag 26. März 2008 mit dem von Sonnenhof-Gastgeber David Bühler auf einem Bagger ausgeführten «Spatenstich». Erstellt wird der Erweiterungsbau laut Medieninformationen vom Verein Zentrum Artos. Der im «Minergie-Standard» geplante Erweiterungsbau – kontrollierte Raumbelüftung mit Wärmerückgewinnung, solare Warmwasseraufbereitung und so weiter – soll der Backpackers Villa vom Verein Zentrum Artos als Bauherr vermietet werden. Mit dem Neubau soll soll auch «ein klares Zeichen für einen nachhaltigen Tourismus» gesetzt werden. Die Bauherrschaft, der Verein Zentrum Artos kommt nach Angaben an einer Medienorientierung am Rande des Spatenstichs für die Baukosten von 4,6 Millionen Franken auf und der Verein Backpackers Villa Sonnenhof zahle eine Viertelmillion Franken an die Einrichtung. Die Vereine Backpackers Villa Sonnenhof und Zentrum Artos sind laut einer Mediendokumentation selbständige Werke der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz (www.meth.ch).
Der «Spatenstich» wurde durch Sonnenhof-Gastgeber David Bühler, mit einem Bagger ausgeführt. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)
Kapazitätsgrenze erreicht
Weil der Beherbergungsbetrieb an der Alpenstrasse 16 an seine Kapazitätsgrenze gestossen sei, habe sich der Vorstand der Backpackers Villa Sonnenhof entschieden, ein Projekt für eine Betriebserweiterung zu erstellen, verlautete im einzelnen. Geplant seien eine Verdoppelung der Bettenkapazität auf zirka 180 Betten, neu 15 (Familien-) Zimmer mit vier/sechs Betten und elf Doppelzimmer (alle Zimmer mit Dusche und WC), die Erstellung einer Eingangshalle mit Réception und Bistro, zusätzliche Räume für Gruppen (inklusive separater Gruppenküche) sowie Betriebsleiterwohnung und Personalstudios.
Vorgesehen sei mit der Realisierung des Erweiterungsbaus auch die bisher sechs Hundertprozentstellen auf elf Stellen aufzustocken. Der schon bisher im Sonnenhof stationierte Adventure-Anbieter «Chill Out Paragliding» soll neu in 50 Quadratmeter grossen Räume im ersten Stock des Erweiterungsbaus untergebracht werden, wo die Betreiber durch eine grosse Fensterfront wie von einem Tower aus den Landeplatz auf der Höhematte sowie den Startbereich der Gleitschirmflieger beobachten könnten.
Spatenstich-Gruppenbild: Von links nach rechts Artos-Leiterehepaar Markus und Lea Hafner, Catherin Quirin, Stellvertreterin Backpackers Villa Sonnenhof, das Sonnenhof-Gastgeberehepaar Marianne und David Bühler, dazwischen Architekt Martin Althaus vom Interlakner Architekturbüro L2A.
Die Preise sollen mit 37 bis 65 Franken pro Person weiterhin im tiefen Bereich liegen, war im weiteren an der Medienorientierung zu erfahren. In diesen Preisen seien neben Übernachtung und Frühstück auch die Bettwäsche, freie Benützung der Selbstkocherküche sowie verschiedene Gratisleistungen wie Internetzugang, Eintritt ins Hallen- und Freibad Bödeli, Minigolf, Ortsbus und Parkplatz enthalten. In den letzten Jahren habe sich die Beliebtheit der Backpackers Villa kontinuierlich gesteigert und heute würden rund 22 000 Logiernächte verzeichnet, was eine Auslastung von über 75 Prozent bedeute: «Während den Sommermonaten sind wir praktisch durchgehend zu 100 Prozent ausgelastet und müssen täglich viele Gäste abweisen. Wir sind damit an den Kapazitätsgrenzen angelangt und liegen auch weit über dem Schnitt der Schweizer Hotellerie.»
Marktchancen
Verschiedene Studien gingen davon aus, verlautet im weiteren dass das Wachstum in der Schweizer Hotellerie im Spitzenbereich (fünf Sterne, Wellness und so weiter) sowie in der Niedrigpreis-Hotellerie stattfinden werde. Eine von Interlaken Tourismus veröffentlichte Studie erwähne den Backpacker- und Adventure-Bereich als «USP Nr. 1». Mit USP sei «Unique Selling proposition» gemeint und damit werde das «Alleinstellungsmerkmal» eines Angebots bezeichnet, mit dem es sich deutlich von der Konkurrenz abhebe. Die Studie erwarte bis im Jahre 2011 in diesem Bereich eine Zunahme von 100 000 Logiernächten: «Mit unserem Neubau könnten wir maximal ein Fünftel davon abdecken.» An der Medienorientierung wurde darauf hingewiesen, die Altersstrukturen bewegten sich hauptsächlich zwischen 18 und 28 Jahren. Vermehrt seien aber Familien Gäste der Villa Sonnenhof: «Stärkstes Gästesegment sind zurzeit mit zirka 40 Prozent Südkoraner.»
Ein Haus mit Geschichte
Das Haus Sonnenhof wurde laut Mediendokumentation vor bald 200 Jahren als «Chalet de la Jungfrau» neben dem heutigen Grand-Hotel Victoria-Jungfrau gebaut und sei somit einer der ersten Beherbergungsbetriebe in Interlaken gewesen: «Um das Jahr 1880 wurde das Haus an den heutigen Standort auf die Südseite der Höhematte gezügelt, wo es unter den Namen ‹Pension Ruheland›, ‹Meadow Lodge› und ‹Hotel Quisisana› viele Kurgäste beherbergte. Von 1932 bis 1996 diente das Haus als ‹Altersheim Sonnenhof›. Seit 1960 gehört die Liegenschaft dem Verein Zentrum Artos. Mit ihrem Altersheim-Neubau wurde der Sonnenhof frei und eine Spurgruppe gelangte zum Schluss, dass die Liegenschaft ideal geeignet sei als Jugendhotel. Der Verein Zentrum Artos wollte ein solches aber nicht selber betreiben und gelangte deshalb an das Jugendwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Dieses initiierte eine Projektgruppe, welche ein Betriebskonzept und eine Trägerschaft aufbaute. Im Mai 1998 kehrte mit der Backpackers Villa neues Leben im Sonnenhof ein. Der Verein Backpackers Villa Sonnenhof startete einen Herbergsbetrieb für junge Reisende aus aller Welt, welche sich etwas mehr gönnen wollen.»
Erweiterungsbau Backpackers Villa Sonnenhof. Termine. Baubeginn: 26. März.2008. Betriebseröffnung::1. April 2009. Die Bauarbeiten können mit einer Webcam live verfolgt werden: www.villa.ch/2009
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