| Thun: Kinocenter-Projekt im Selveareal gescheitert
Für die Halle 6 im Thuner Selveareal sucht der Gemeinderat neue Nutzer. Der Grund: Die Initianten des bisher favorisierten «Kinocenters Thun» rechnen heute mit wesentlich höheren Realisierungskosten als bisher und haben ihr Mietzinsangebot an die Stadt Thun um über zwei Drittel reduziert. Dies will der Gemeinderat nicht akzeptieren. Er schreibt die Liegenschaft nun schweizweit aus.
sth/bns. Im März 2007 habe der Thuner Gemeinderat in einem Grundsatzentscheid beschlossen, das Angebot und das Konzept des Kinounternehmers Walter Loosli für ein Multiplex-Kino in der alten Industriehalle 6 im Selveareal anzunehmen und weiter zu verfolgen, wird in einer Medienmitteilung erinnert. Zu diesem Zweck hätten Private eine Aktiengesellschaft gründen wollen: «Geplant waren nach den damaligen Schätzungen Investitionen von über vier Millionen Franken. Wie Loosli und die Investorengruppe der Stadt nun aber mitteilten, zeigten ihre detaillierten Berechnungen gegenüber bisher wesentlich höhere Investitions- und Abschreibungskosten für das Projekt ‹Kinocenter Thun›.» Ihr neues Mietzinsangebot liege nun um mehr als zwei Drittel unter der seinerzeitigen Verhandlungsbasis: «Damit können die Zinsen des seinerzeitigen Kaufes der Halle durch die Stadt und der späteren Investitionskosten nicht gedeckt werden, obwohl Coop als vorübergehender Nutzer – während des Neubaus des Heim- und Hobbymarktes an der Schulstrasse – die Sanierung der denkmalgeschützten Liegenschaft unentgeltlich vornahm. Im Gegenzug musste Coop seinerseits keinen Mietzins bezahlen.»
Die Kinocenter-Initianten machten nun geltend, heisst es in der Medienmitteilung, «dass der Einbau von Kinos sehr hohe Investitionen für eine fast vollständig neue Gebäudehülle erfordern würde». Diese müssten in kurzer Zeit abgeschrieben werden: «Für den Gemeinderat seinerseits erschwerend ist, dass die teuren Einbauten am Ende der Mietdauer des Kinoprojekts nicht wiederverwendet werden könnten und demzufolge für die Stadt praktisch wertlos wären.»
Der Gemeinderat müsse deshalb des Vorhaben «Kinocenter Thun» als gescheitert erklären, heisst es in der Medienmitteilung: «Er hat das Amt für Stadtliegenschaften beauftragt, eine neue, schweizweite Ausschreibung vorzunehmen. Neu wird das Nutzungsspektrum erweitert. Nach wie vor gesucht werden Nutzungen, von denen die breite Öffentlichkeit profitieren kann – die Halle soll öffentlich zugänglich bleiben. Kulturelle Nutzungen sind weiterhin sehr erwünscht.
«Winkelbau» zu Halle 6 verkauft
Demgegenüber kann der Gemeinderat laut der Medienmitteilung zum Anbau der Halle 6, zum sogenannten Winkelbau, Fortschritte melden: Dieses Gebäude an der Scheibenstrasse 8 sei an den in Thun wohnhaften Architekten Heinz Brügger verkauft worden. Die Liegenschaft, in der bis vor kurzem das Dancing «Orvis» war, soll mit Kultur-, Wohn- und Dienstleistungsnutzungen sowie als Architekturbüro der Brügger Architekten AG, heute noch in Spiez, wiederbelebt werden. Das vierstöckige Gebäude samt Umschwung belege eine Fläche von 1883 Quadratmeter. Das Bauvorhaben löse ein Investitionsvolumen von mindestens zwei Millionen Franken aus. Die geplanten Nutzungen entsprächen der rechtsgültigen Überbauungsordnung: «Das Vorhaben von Heinz Brügger beziehungsweise der Brügger Architekten AG trägt zur Attraktivierung des Selveareals, das seit kurzem neu überbaut wird, bei. Damit entspricht es einem Legislaturziel des Thuner Gemeinderates.»
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