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Vereine und Verbände

Procap Interlaken-Oberhasli: Grosse Mehrheit für Fusion

Die 80. und voraussichlich letzte Hauptversammlung von Procap, Sektion Interlaken-Oberhasli des Schweizerischen Invalidenverbandes, unterstützte die Fusion aller Berner Sektionen zu einem kantonalen Verein. Erster Kantonalpräsident wird Grossrat Christoph Ammann aus Meiringen.

Die Grossräte Emil von Allmen (links) und Christoph Ammann (rechts) setzten sich an der Hauptversammlung der Procap-Sektion Interlaken-Oberhasli erfolgreich für die Fusion zu einem bernischen Verein des Schweizerischen Invalidenverbandes ein. (Bild Marie-Louise Abegglen)

Historischer Moment für Procap Interlaken-Oberhasli am Samstag im Hotel Beausite in Unterseen: Die 80. Hauptversammlung stimmte unter dem Präsidium von Grossrat Emil von Allmen der Fusion der fünf deutschsprachigen Sektionen im Kanton Bern auf 1. Januar 2009 zu. Somit wird die eigene Sektion auf Ende Jahr aufgelöst. Voraussetzung ist allerdings, dass eine Mehrheit der fünf Sektionen Bern und Biel-Seeland, Emmental, Interlaken-Oberhasli, Oberaargau und Thun für die Fusion ist.
Marie-Louise Abegglen, Bönigen
Die Kürzung der Subvention durch das Bundesamt für Sozialversicherung an die Berner Sektionen im Betrag von jährlich 50 000 Franken hat die Reorganisation ausgelöst. Durch eine engere Zusammenarbeit im administrativen und organisatorischen Bereich sollen Synergien besser genutzt und Kosten gespart werden.

Ammann wird Kantonalpräsident
Am 19. Januar 2008 gründeten Vorstandsmitglieder aller Sektionen unter Vorbehalt einen neuen kantonalen Verein und wählten den Vorstand sowie den Meiringer Grossrat Christoph Amman zum ersten Kantonalpräsident. Marie-Louise Abegglen-Michel aus Bönigen wird die Region Interlaken-Oberhasli im Vorstand vertreten. Durch die Fusion entsteht ein kantonaler Verein mit weit über 2000 Mitgliedern und einem Vermögen von 1,5 Millionen Franken. Der Jahresumsatz wird etwa eine Million Franken betragen und in die sechs vollen Stellen werden sich mehr als zehn Personen teilen. Der Schweizerische Invalidenverband Procap ist mit 20 000 Mitgliedern in derzeit noch 54 regionalen Sektionen die grösste Selbsthilfeorganisation der Schweiz im Behindertenbereich. Beratung in allen Fragen der Sozialversicherung, Sozialberatung und Hilfe vor Ort, Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten, Freizeitprogramme und gesellige Anlässe, Besuchs- und Assistenzdienste gehören unter anderem zu den Angeboten. Diese werden auch im neuen Kantonalverein weitergeführt und die Beratungsstellen für Sozialversicherungen in Thun, Bern und Burgdorf bleiben bestehen. Die zentrale Geschäftsstelle wird sich in Bern befinden.

Antrag zurückgezogen
Neben einer stattlichen Anzahl Gästen und Gemeindedelegierten nahmen von 220 stimmberechtigten Sektionsmitgliedern deren 50 an der Hauptversammlung von Procap Interlaken-Oberhasli teil. Zur Fusion wurden Bedenken geäussert: «Wird unsere grosse Familie auseinanderfallen?» Nein, versicherten Emil von Allmen und Christoph Ammann und betonten, die hiesige Kontaktstelle bleibe bestehen und werde die bewährten Mitgliederanlässe und die Mitgliederbetreuung wie bisher weiter führen. Ein Teilnehmer aus dem Oberhasli verlangte, der Fusion nur zuzustimmen, wenn die Durchführung der Mitgliederversammlungen abwechslungsweise in den Regionen stattfinde. Die beiden Grossräte vermochten den Votanten zu überzeugen, der Fusion ohne Vorbehalte zuzustimmen, dem neuen Vorstand zu vertrauen und den Antrag zurück zu ziehen. Die Hauptversammlung stimmte schliesslich der Fusion mit 45 Stimmen bei 5 Enthaltungen zu. Ablehnende Sektionen würden in Schwierigkeiten geraten, keine Beiträge des Bundes mehr bekommen und die Betreuung von Procap Schweiz würde wegfallen.

«Riesenüberraschung»
Emil von Allmen konnte mit einer «Riesenüberraschung» aufwarten: «Wir konnten erben.» Ein langjähriges Mitglied hat der Sektion Interlaken-Oberhasli sein Vermögen von mehr als 100 000 Franken vermacht. Das Glück ist allerdings kurz, denn das Geld geht mit der Fusion an den Kantonalverein. Das Legat besserte aber die Jahresrechnung auf; sie schloss bei Ausgaben von 70 379 Franken mit einem Gewinn von 93 783 Franken ab. In seinem Jahresbericht erwähnte von Allmen gut gelungene Aktivitäten wie den Jahresausflug, das Benefizkonzert mit Francine Jordi, die Adventsfeier, das Lotto in Meiringen und jenes vom Kiwanisklub Interlaken, die Markt- und Informationsstände auf dem Bödeli, die Jasstreffen in Beatenberg, das Sport- und Gesundheitsturnen, die Schwimmgruppe, den Spieltag mit anderen Sektionen und die Anlässe der von Sandra Hänggi geleiteten Frauengruppe.

Diskriminierung ist «chic»
Heute sei es in Politik und Wirtschaft «chic» und salonfähig, unsolidarisch und wenig mitmenschlich zu sein, sagte Esther Gingold, Mitglied der Geschäftsleitung von Procap Schweiz, in ihrer fulminanten Grussbotschaft. Leute, die nicht voll leistungsfähig seien, würden oft pauschal als Scheininvalide bezeichnet und ohne zu zögern an den Rand gedrängt. So werde anhand von Einzelfällen eine ganze Gruppe von Menschen diskriminiert. Bei Procap aber werde Menschlichkeit und Solidarität noch gelebt, betonte sie und lobte die Freiwilligen, die während des Jahres und auch am Samstag in Einsatz standen. Dank diesem Engagement und den grosszügigen Sponsoren kam es am Nachmittag zu einem Lotto mit schönen Preisen, und die einheimische Formation «Spys u Trank» sorgte für die musikalische Bereicherung und heitere Einlagen.
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