Positiver Entscheid für vier Naturparks im Kanton Bern
Das Bundesamt für Umwelt gibt grünes Licht für insgesamt neun im Januar 2008 eingereichte Parkprojekte, darunter vier Naturparks im Kanton Bern: Thunersee-Hohgant, Diemtigtal, Gantrisch und Chasseral. Damit können die Trägerschaften mit der Errichtung der Pärke von nationaler Bedeutung beginnen.
Hochmoor auf der Lombachalp, im Hintergrund der Hohgant (2197 Meter über Normalnull). (Archivbild Peter Schmid)
pd/bns. Der Kanton Bern zeigt sich in einer Medienmitteilung erfreut über den positiven Bundesentscheid: «Etwas getrübt wird die Erfolgsbilanz der Berner Pärke durch die finanziellen Beiträge, mit denen sich der Bund am Aufbau der Pärke beteiligen will.» Das Angebot des Bundes sei zum Teil deutlich tiefer, als erwartet . Dies werde zur Folge haben, dass die Pärke nicht alle der geplanten Projekte termingerecht umsetzen könnten. Von den Kürzungen betroffen seien allerdings nicht nur die Berner Pärke, sondern alle zehn Parkkandidaten, die Anfang Jahr ihr Gesuch beim Bund eingereicht hatten.
Beginn der Verhandlungen über Programmvereinbarungen
Ebenfalls entschieden hat das Bundesamt für Umwelt (Bafu) laut einer Medienmitteilung über das Angebot für die globale Finanzhilfe des Bundes für die Pärke. Es hat den Kantonen mitgeteilt, wie viel Unterstützung sie für die Jahre 2008 bis 2011 höchstens erwarten könnten: «Die Angebote liegen zwischen 0,28 und 1,42 Millionen Franken pro Parkprojekt.» Gesamthaft stelle der Bund für die neun Parkprojekte während vier Jahren (2008 bis 2011) 7,4 Millionen Franken bereit. Massgebend für das Ausmass der Bundesbeteiligung seien die Leistungen, welche die Parkträgerschaft erbringe: «Die definitive Beteiligung des Bundes sowie die von den Parkträgerschaften und den Kantonen erbrachten Leistungen werden nun in den Verhandlungen über die mehrjährigen Programmvereinbarungen mit den Kantonen erarbeitet.» Die Verhandlungen sollen bis Ende Oktober abgeschlossen und die Ergebnisse im Bundesblatt publiziert werden.
«Sorgfältig analysieren»
«Zusammen mit den Parkträgerschaften wird der Kanton nun die Entscheide und die Prüfberichte des Bundes sorgfältig analysieren, bevor bis Ende Jahr die Programmvereinbarungen mit dem Bund zum Aufbau der Pärke abgeschlossen werden», verlautet in dem Communiqé der Berner Regierung: «In diesen Vereinbarungen wird geregelt, mit welchen Beiträgen Bund und Kanton die einzelnen Pärke in den nächsten Jahren unterstützen und welche der geplanten Massnahmen prioritär umgesetzt werden sollen. Der Kanton kann maximal einen Drittel der Kosten des Aufbaus und des Betriebs eines Parks übernehmen. Der Rest muss vom Bund, den Parkgemeinden und den Parkträgerschaft selber aufgebracht werden. Bereits im Herbst 2006 hat der Grosse Rat des Kantons Bern für die Periode 2007 bis 2010 einen Rahmenkredit von 6,4 Millionen Franken zur Förderung der künftigen Pärke von nationaler Bedeutung bewilligt.»
Während einer zweijährigen Aufbauphase in den Jahren 2008 und 2009 soll sich in allen Parkgemeinden auch das Stimmvolk beziehungsweise das Gemeindeparlament zu den künftigen Leitlinien der Pärke äussern können, verlautet im weiteren: «Im Hinblick auf diesen nächsten Meilenstein ist der positive Entscheid des Bundes zweifellos ein wichtiges Signal.» Der bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor, Regierungsrat Christoph Neuhaus zeigt sich in der Medienmitteilung überzeugt, dass das Bundeslabel «Park von nationaler Bedeutung» sowohl für die Bevölkerung und die regionale Wirtschaft als auch für Natur und Landschaft in den Parkregionen grosse Chancen biete. Neuhaus gehe davon aus, dass die Bevölkerung in den Parkgemeinden diese Chancen sehe und der Schaffung der Pärke mit grossem Mehr zustimmen werde.
«Mehr Engagement für Natur und Landschaft nötig»
Mit dem positiven Bescheid des Bundesamtes für Umwelt an neun Parkprojekte vom 2. September 2008 entstehe erfreulich schnell ein Netz von neuen Naturpärken in der Schweiz, schreibt die Naturschutzorganisation Pro Natura in einer Stellungnahme: «Die Leistung der Pärke für Natur und Landschaft genügt aber noch nicht. Sie muss bis zur Verleihung der Parklabel noch deutlich nachgebessert werden. Pro Natura erwartet von den Pärken einen relevanten Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz. Ein solcher ist auch im Interesse der Pärke selber, sichert er doch deren Glaubwürdigkeit.» Pro Natura habe sich im Vorfeld selber ein Bild der eingereichten Parkprojekte gemacht: «Sie hat Potential und interessante Ansätze in allen Projekten gefunden und anerkennt die grossen Vorarbeiten, die in den Regionen geleistet worden sind. Alle Parkprojekte tun aber noch zu wenig für Natur und Landschaft. Die Naturwerte und deren Schutz müssen das zentrale Element eines regionalen Naturparkes oder eines Naturerlebnisparkes sein. Ist dies nicht der Fall, verkommen die nationalen Labels zu reiner Wirtschaftsförderung mit Naturschutzgeldern und die Pärke als Gütesiegel werden unglaubwürdig. Das darf nicht sein. Damit dies nicht eintritt, muss in den Parkbudgets bis zur Label-Verleihung mehr Geld für Natur- und Landschaftsschutzprojekte reserviert werden.» Und das Bundesamt für Umwelt müsse auf die Natur in Naturpärken pochen. Pro-Natura-Zentralsekretär Otto Sieber: «Das Bundesamt für Umwelt muss die Latte im Natur- und Landschaftsschutz in Pärken hoch legen, sonst verliert das Label an Wert. Es ist im Interesse aller Pärke, gute Leistungen zu bringen.»
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