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Freitag 6. April 2007
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Schulprojekt «Extrem» der Jugendarbeit Bödeli

700 Oberstufenschüler von Interlaken und Umgebung haben in dieser Woche einen extremen Tag» erlebt: Am Dienstag wurde ihnen ungefiltert die extreme Realität des Lebens vorgeführt – von der Ernährung über Rassismus und Suchtmittel bis hin zum Extremsport.

Die Angst überwunden: Oberstufenschülerin Jasmin Abegglen lässt sich 17 Meter tief vom Schulhaus Matten abseilen. (Bilder Bruno Petroni)

Nach dem Mord an Marcel von Allmen in Unterseen durch eine rechtsextreme Gruppierung vor sechs Jahren war die Gruppe Brücken» als Arbeitsgruppe der Region Interlaken gegründet worden. Die Gruppe führte damals mit Erfolg ein erstes Schulprojekt zum Thema Gewalt durch. Jetzt organisierte die «Arbeitsgruppe Brücken» der Jugendarbeit Bödeli gemeinsam mit den Oberstufenschulen einen Informations- und Erlebnistag zum Thema Extremismus.

So erhielten die 700 beteiligten Schüler am Dienstag Einblick in die Realität von finanziell verschuldeten Jugendlichen oder in den Rassismus. Extreme Ernährung, hohes Tempo im Strassenverkehr und die oft fatale Wirkung von Suchtmitteln waren weitere Themen, welche den Jugendlichen durch Fachleute vor Augen geführt wurden. Das Projekt wird unterstützt durch den Migros Kulturprozent, die Pro Juventute, den Berner Jugendtag und den Eduard-Ruchti-Fonds.

Jugendarbeitleiterin Andrea Schärmeli zeigte 700 Schülern die verschiedensten extremen Seiten des Lebens auf.

«Wenn die Ambulanz kommt»

Die Gemeinden Bönigen, Interlaken, Matten, Ringgenberg, Unterseen und Wilderswil boten ihren Oberstufenschülern an sechs verschiedenen Austragungsorten erstmals Einblick in verschiedene Grenzbereiche des Lebens: Politischer Extremismus, Ernährung und Gesundheit, Konsum und Geld, Tempo und Risiko im Strassenverkehr, Extremsport sowie Suchtmittel. Bei letzterem beispielsweise berichteten Rettungssanitäter unter dem Motto «Spätestens wenn die Ambulanz kommt, ist die Party zu Ende» über ihre Arbeit.

Die Angst überwinden
Das Herz in der Hose und mit schlotternden Knien stieg sie zum Sims des Giebelfensters im Schulhaus Matten, 17 Meter über dem Pausenplatz: Den Klettergurt umgeschnallt und von Outdoorspezialistin Conny Zimmerli am Seil gesichert überwand die Böniger Oberstufenschülerin Jasmin Abegglen schliesslich ihre Angst und lehnte sich in die gähnende Leere über die äussere Schulhauswand hinaus. Stolz kam sie Sekunden später beim Mentaltrainer Walter Ammann im Parterre unten an.
Bruno Petroni, freier Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Vergessen waren die bangen Momente, wo es schon einiger Überredungskunst bedurfte, bis sich Jasmin Abegglen schliesslich den entscheidenden «Mupf» gab. Auch die zwölfjährige Annabelle Ruef aus Matten war enorm aufgeregt, obwohl sie bereits Klettererfahrung aufwies. Die meisten ihrer Mitschüler konnten sich auch überwinden, sich über die hohe Aussenwand des Schulhauses abseilen zu lassen.

«Aus Fremdbestimmung lösen»
Der unter anderem für den FC Thun tätige Mentaltrainer Walter Ammann arbeitet seit 35 Jahren mit Jugendlichen zusammen und weiss: «Es ist immer wieder das mentale Problem, das die Menschen an der Persönlichkeitsentwicklung hindert; die meisten leben in Fremdbestimmung.» Sich einmal aus luftiger Höhe abseilen lassen und sich dabei über Mut, Zweifel und Ängste Gedanken zu machen, sei ein erster Schritt zum eigenen Ich. Für die Sicherheit der Schüler sorgte am Dienstag Bergführer Samuel Zeller.

Vom anderen» Leben
Von einem Leben am ständigen Limit erzählte den Schülern in einem anderen Workshop der Basejumper Ueli Gegenschatz. Der Appenzeller gehört mit knapp 5000 Basejumps zu den erfahrensten Piloten der Welt: «Ich habe echt den Plausch, hier zu stehen und euch von einem anderen Leben erzählen zu dürfen. Einem spannenden Leben, wo eine Fehlentscheidung aber mit dem Tod enden kann.» Als Versicherungsberater kennt Gegenschatz auch das «normale» Leben. Er erzählte den Schülern von seiner Gefühlswelt zwischen diesen zwei Leben und von seinen Ängsten.

Angetrunkenheit simuliert
Mit sogenannten Rauschbrillen konnten die Schüler auch das Fahren auf einem Skateboard in angetrunkenem Zustand simulieren. Die Inhalte der Workshops wurden in Zusammenarbeit mit Fachleuten und Instututionen aus den jeweiligen Gebieten erarbeitet. So beteiligten sich die Polizei, Suchtberatungsstellen, Rettungsdienste, Ernährungsberater und Extremsportler an diesem Informationstag.
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