Harte Arbeit im Trümmerfeld: Die Bergführer Adrian Deuschle (links) und Martin Schürmann sammelten in diesen Tagen gemeinsam mit ihren Kameraden mehr als die Hälfte des zerschellten Tornado-Kampfjets auf dem Breitlauenengletscher ein. (Bilder: Bruno Petroni) Montagmorgen am obersten Rand des Breitlauenengletschers, knapp 3300 Meter über Meer: Hier im Schatten der mächtigen Nordwand des Mittaghorns (3895 Meter über Normalnull)steht das Thermometer nahe am Gefrierpunkt. Unweit oberhalb in der Vertikale ist das schwarze Loch in der Felswand zu sehen – der Einschlagkrater des Tornado-Kampfjets, der letzten Donnerstag hier zerschellt ist. Der Schnee des steilen Hanges ist pickelhart gefroren. Gegenüber liegen weit unten im Tal Gimmelwald und Mürren idyllisch in der Frühlingssonne.
Die Bergführer Martin Schürmann (links) und Toni von Allmen (rechts).
Unter Dauerbeschuss
Zehn Männer – unter ihnen zwei Flugunfallexperten der deutschen Luftwaffe – haben aber keine Zeit für diese Idylle, sie sind mit dem Einsammeln von Flugzeugtrümmern beschäftigt: Abertausende von Trümmern: Scharfkantige Rumpfteile, Glas, Elektronikteile, Isoliermaterial, kilometerweise Kabel und Kabelstränge liegen und stecken im Schnee. Sogar zuunterst im Gletscherschrund am Fusse der Felswand sind zahllose Kleinteile auszumachen. «Achtung Stein!» Pausenlos kommen aus der 700 Meter hohen Felswand Steine, Eisbrocken und Trümmerteile geflogen. Und je länger der Tag dauert, um so häufiger, denn bei diesen warmen Temperaturen wird es in jeder Nordwand ungemütlich.
Nachräumung im Herbst
Bereits am Samstag wurden die grössten Wrackteile des vor fünf Tagen zerschellten Tornado-Kampfjets ins Tal geflogen. Mühsame Kleinarbeit: In einem halben Dutzend Rotationen flog Air-Glaciers-Pilot Sepp Galliker die gesammelten Teile in Säcke und Netze verpackt nach Lauterbrunnen hinunter.
Bruno Petroni, freier Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Bisher wurde gut die Hälfte des 15 Tonnen schweren Tornado-Jets geborgen: «Den Rest werden wir in einer Nachräumung im Spätsommer noch einsammeln, wenn es ausgeapert hat», sagt Unfallplatzkoordinator Fritz Teuscher. Fritz Teuscher ist Unfallplatzkommandant und hat bei den Aufräumungsarbeiten nach dem Tornado-Unfall vom letzten Donnerstag das Sagen.
«Explosiver» Schleudersitz?
Zwei Knacknüsse stecken aber noch am obersten Rand des Breitlauenengletschers, direkt unter der Nordwand: Da wäre mal ein Schleudersitz, bei welchem die deutschen Untersuchungsexperten vermuten, dass noch eine Zündpatrone «scharf» ist und somit natürlich nicht einfach ins Tal gebracht werden darf. Fritz Teuscher: «Am Dienstag reisen deshalb noch drei Spezialisten der deutschen Luftwaffe an, um dieses letzte grosse Teil des Kampfjets genauestens zu untersuchen.»
Schwergewicht tief im Schnee
50 Meter weiter oben hat die Räumungsequipe ein Riesenteil aus dem Schnee gegraben, das sich auch mit vereinten Kräften kein bisschen rührt. Auf Grund der starken Verformung des fünf Meter langen Stücks ist nicht mal der deutsche Untersuchungsexperte Wolfgang Schmotz sicher ob es ein Stück des Tragflächentanks ist oder nicht. Dieses Stück werden wir später mit einem starken Helikopter heraus holen», sagt Platzkoordinator Fritz Teuscher..
Noch diese Woche «Und dann vermissen wir halt noch immer das SPS-System», murmelte gestern ein deutscher Untersuchungsspezialist seinem Kollegen zu, als er sich unbeobachtet fühlte. Darüber, um was es sich dabei handelt, wollte aber niemand Auskunft geben. Es dürfte sich dabei um ein System zur Verringerung der Anfluggeschwindigkeit und der Aufsetzgeschwindigkeit handeln. In dieser Woche soll noch der bei der Rettung des überlebenden Insassen gekappte, in der Felswand hängende Notschirm mit einer Longline-Bergung eingeholt. Dann dürfte es für die nächsten Wochen wieder ruhiger werden an der Mittaghorn-Nordwand.
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