Der Intercityexpress «Interlaken». (Bilder Dora Schmid-Zürcher) pd/ds. Mit dem neuen Fahrplan verbinden ab Sonntag täglich fünf ICE-Zugpaare Interlaken mit verschiedenen deutschen Grossstädten wie Frankfurt und Berlin. Das sind nach SBB-Angaben drei Züge mehr als bisher. «Ab heute ist ein schneller ICE-Zug als Botschafter für das Berner Oberland und Interlaken in Europa unterwegs», sagte Paul Blumenthal, Leiter SBB-Personenverkehr, bei der Zugstaufe im Bahnhof Interlaken-Ost. Zusammen mit Nikolaus Breuel, Vorstandsvorsitzender Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB), und Interlakens Gemeindepräsident Urs Graf taufte Blumenthal den Intercityexpress (ICE) «Interlaken». Dieser werde künftig auf der Strecke Berlin–Frankfurt–Interlaken Reisende bequem zwischen zahlreichen deutschen Städten und von dort via Basel und Bern ins Berner Oberland transportieren.
Der Interlakner Gemeindepräsident Urs Graf tauft den ICE «Interlaken».
Ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 werden es nach SBB-Angaben neu täglich zehn Züge sein – je fünf pro Richtung, die Interlaken mit Frankfurt beziehungsweise Berlin verbinden. Derzeit verbänden drei Züge Deutschland mit Interlaken, vier führen von Interlaken nach Deutschland: «Neben der Inbetriebnahme der Lötschberg-Basislinie steht Interlaken im Zentrum des Fahrplanwechsels vom Sonntag. Interlaken-Ost wird neu zum Vollknoten und entwickelt sich damit zu einer wichtigen Verkehrsdrehscheibe für den Schweizer Schienenverkehr.» Dank optimierter Fahrzeiten und Anschlüsse verkürze sich die Reisezeit aus Basel, Zürich oder Bern in die Jungfrauregion um bis zu 18 Minuten: «Wer mit der Bahn nach Grindelwald oder in die übrigen Ferienorte im Jungfraugebiet fährt, kann dank des neuen Fahrplans gut eine halbe Stunde länger auf der Piste verweilen und die Oberländer Alpenluft geniessen», sagte Blumenthal. Zwar verliere Interlaken aus fahrplantechnischen Gründen wegen des Vollknotens vorübergehend die direkten Züge nach Zürich; die Fahrzeit nach Zürich – mit Umsteigen am gleichen Bahnsteig in Bern – verkürze sich dennoch um fünf bis sieben Minuten gegenüber heute.
Die drei Taufpaten des ICE «Interlaken». Von links nach rechts: Nikolaus Breuel (DB), der Interlakner Gemeindepräsident Urs Graf und Paul Blumenthal (SBB).
In den letzten Jahren hätten SBB und DB das Bahnangebot aus Deutschland direkt nach Interlaken in enger Zusammenarbeit kontinuierlich ausgebaut, verlautete im weiteren. Die Passagierzahlen entwickelten sich erfreulich. Die Schweiz ist laut Nikolaus Breuel der wichtigste Auslandsmarkt für die Deutsche Bahn: «Mehr als vier Millionen Kunden nutzten 2006 unsere Züge zwischen beiden Ländern. Das sind fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.» Die Verbindungen seien sowohl für Geschäftsreisende als auch für Touristen sehr attraktiv: «Deshalb investieren wir massiv in den Bahnverkehr zwischen beiden Ländern. Allein für 60 Millionen Euro modernisieren wir alle 19 ICE-Züge, die Deutschland und die Schweiz miteinander verbinden.»
Die Taufe einer ICE-Kombination auf den Namen Interlaken erfülle ihn stellvertretend für die ganze Bevölkerung von Interlaken mit grossem Stolz, erklärte der Interlakner Gemeindepräsident Urs Graf in einer kurzen Rede. Nach Basel und Zürich sei Interlaken erst der dritte Ort in der Schweiz, der Namensgeber einer ICE-Kombination sein dürfe: «Der Alpensteinbock, unser Wappentier, wird fortan die weiten Wälder Brandenburgs im 300-km/h-Tempo durchqueren, den Bahnhof Zoo links liegen lassen und sich stolz im neuen Hauptbahnhof von Berlin praesentieren dürfen. Und das Erstaunliche, aber auch Erfreuliche: Er wird nach seinen Streifzügen durch Deutschland immer wieder pünktlich und zuverlässig zurück in seine Heimat finden. Und er wird viele tausend Gäste aus nah und fern mitbringen, die bei uns jederzeit herzlich willkommen sind. Einige der Gäste werden sich vielleicht wundern, weshalb ein so übersichtlicher Ort wie Interlaken einen West- und einen Ostbahnhof hat und weshalb in Interlaken das Bahntrasse zweimal den Fluss, die Aare, quert. Unseren deutschen Freunden sei die Ursache dafür kurz erklärt: im Jahr 1872 wurde von der Schiffstation in Därligen am Thunersee, wo die Gäste aus ganz Europa von Thun her kommend ankamen, in nur sieben Monaten mit Hilfe von 500 Italienern eine Schiene in der Länge von 4,3 Kilometer bis zum heutigen Westbahnhof gebaut. Zwei Jahre später verlängerte man dann das Trassee bis zum Ostbahnhof und weiter nach Bönigen an den Brienzersee und um die Idee einer Schiffverbindung zwischen dem Thuner und Brienzersee endgültig zu begraben, führt die Strecke zweimal über die Aare – ein Schildbürgerstreich, der das damalige Rivalenspiel zwischen Schiff und Bahn deutlich zeigt und für Interlaken bis zum heutigen Tag ein enormes Verkehrsproblem geschaffen hat. Schön, dass in unseren Tagen Probleme ganzheitlicher gelöst werden!»
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