pd/bns. Der Thuner Gemeinderat schliesst sich laut Petitionsantwort einer entsprechenden Forderung von Fachleuten an: «Denn bei ungehinderter Vermehrung müssten die schwarzen Schwäne nach geltendem Recht eines Tages eingefangen und dezimiert werden. Die «Freunde der Schwarzen Schwäne» zeigen sich von der Antwort des Gemeinderates enttäuscht. «Jetzt liegt der Ball beim Kanton, der zu einem Runden Tisch eingeladen hat», heisst es in einer Medienmitteilung.
Die Medienmitteilung der «Freunde der Schwarzen Schwäne» im Wortlaut
Schwarzschwäne auf dem Thunersee – die Antwort auf die Petition mit 5858 Unterschriften ist eingetroffen: Der Gemeinderat von Thun erachtet den Status quo mit zehn bis zwölf Tieren als vertretbare Lösung. Jetzt liegt der Ball beim
Kanton, der zu einem Runden Tisch eingeladen hat.
Im Oktober haben wir, die «Freunde der Schwarzen Schwäne», dem Gemeinderat von Thun eine Petition mit 5858 Unterschriften eingereicht, die im Zeitraum von knapp acht Wochen zustande gekommen ist. Das Anliegen der Petition ist, die heute bestehende Begrenzung der seit über 15 Jahren auf dem Thunersee lebenden Schwarzschwäne auf zehn bis zwölf Tiere und das heute gehandhabte Anstechen aller Eier in freier Natur durch eine tolerantere Lösung zu ersetzen. Mit anderen Worten, dass sich die Schwarzschwäne auf dem Thunersee unbegrenzt vermehren können respektive dass ihre Eier im selben Verhältnis angestochen werden wie diejenigen der weissen Höckerschwäne.
Nun hat der Gemeinderat auf die Petition geantwortet. Er erachtet die zwischen dem Züchter Markus Krebser und dem kantonalen Jagdinspektorat im November 2004 getroffene Vereinbarung als eine gute und für alle Parteien vertretbare Lösung. Dies auch deshalb, weil er verhindern will, dass namhafte Organisationen, sollten sie auf das geltende Recht beharren, einen rigorosen Vollzug fordern: «Dies würde bedeuten, dass alle Schwarzschwäne eingefangen und dezimiert werden müssten – und eine solche Notmassnahme würde weder durch die Petitionäre noch durch den Gemeinderat begrüsst», schreibt er in der Antwort.
Die «Freunde der Schwarzen Schwäne» sind über diese Antwort enttäuscht. «Wir finden diese Haltung nicht mutig und hätten zumindest erwartet, dass sich der Gemeinderat gegenüber den knapp 6000 Personen insofern verpflichtet gefühlt hätte, als dass er zum Beispiel auf Zusehen hin eine höhere Begrenzung vorgeschlagen hätte», sagt Petitionsvertreterin Renate Gloor. Als nächste Instanz hat das kantonale Jagdinspektorat zu einem runden Tisch im Februar eingeladen. Daran teilnehmen werden 19 Personen, darunter Vertreter des eidgenössischen Jagdinspektorates, Wildhüter, diverse Tierschutzorganisationen, Pro Natura, die Schweizerische Vogelwarte, Markus Krebser sowie drei Petitionsvertreter. «Wir werden nun zusammen mit Fachleuten einen Vorschlag ausarbeiten, den wir dem kantonalen Jagdinspektorat als Diskussionsbasis für dieses Treffen zustellen», erklärt Renate Gloor das weitere Vorgehen und sagt: «Wir fühlen uns den knapp 6000 Personen und auch den übrigen Schwarzschwänen, die in anderen Regionen in der Schweiz leben, gegenüber verpflichtet, uns an diesem Treffen für eine tolerantere Vereinbarung als den Status quo einzusetzen.»
Die Antwort des Thuner Gemeinderates
Die von Stadtpräsident Hans-Ueli von Allmen mitunterzeichnete Antwort des Thuner Gemeinderates an die durch Renate Gloor vertretenen «Freunde der Schwarzen Schwäne» im Wortlaut:
Am 5. Oktober 2007 haben Sie bei der Stadtkanzlei Thun die Petition für die schwarzen Schwäne auf dem Thunersee eingereicht. Das Ziel der Eingabe ist, dass die Schwarzschwäne in Zukunft nicht mehr beschränkt auf zehn Exemplare auf dem Thunersee leben können. Weiter soll das Anstechen der Eier so gehandhabt werden wie bei den Höckerschwänen. Der Gemeinderat hat die Direktion Sicherheit mit der Bearbeitung des Anliegens beauftragt.Wie Ihnen bekannt ist, hat der Vorsteher der Direktion Sicherheit mit den verschiedenen Interessenvertretern am 12. November 2007 die unterschiedlichen Gesichtspunkte zum Thema diskutiert und eine Auslegeordnung der Problematik vorgenommen. Namentlich wurde auch die Rechtslage noch einmal erläutert.
Der Gemeinderat teilt zwar die Meinung der Petitionäre, dass die schwarzen Schwäne auf dem Thunersee sowohl für die einheimische Bevölkerung als auch für Touristen eine Attraktion darstellen. Es ist auch unbestritten, dass viele Leute diese Tiere im unteren Thunerseebecken sehen und sich daran erfreuen möchten. Auf der anderen Seite fordern einige namhafte Organisationen jedoch einen rigorosen Vollzug des geltenden Rechts, um die einheimische Artenvielfalt nicht zu gefährden.
Dieser Forderung von Fachleuten schliesst sich der Gemeinderat an. Denn bei ungehinderter Vermehrung müssten die schwarzen Schwäne nach geltendem Recht eines Tages eingefangen
und dezimiert werden. Eine solche Notmassnahme würde weder durch Sie als Petitionäre noch durch den Gemeinderat begrüsst. Aus diesem Grund kommt er zum Schluss, dass die zwischen Markus Krebser und dem kantonalen Jagdinspektorat im November 2004 getroffene Vereinbarung, wonach zehn bis zwölf schwarze Schwäne toleriert werden sollen, eine gute und für alle Parteien vertretbare Lösung darstellt. Bei dieser Gelegenheit weisen wir darauf hin, dass der kantonale Jagdinspektor demnächst alle Akteure an einen runden Tisch zum Thema schwarze Schwäne einladen wird. Wir ermuntern Sie, diese Einladung wahrzunehmen und Ihre Anliegen auch auf dieser Ebene einzubringen.
|