Könnte das «Grosse Höchhus» Standort der «Stevensburc» gewesen sein? (Bilder zvg)
aid/bns. Das «Grosse Höchhus» in Steffisburg ist laut einer Medienmitteilung einer der wenigen ländlichen Herrensitze aus dem Spätmittelalter, die im Kanton Bern erhalten sind. Das Haus, das sich im Besitz der «Stiftung Höchhus Steffisburg» befindet, soll bis im Frühjahr 2008 umfassend restauriert werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf 4,75 Millionen Franken. Seit Oktober 2006 laufen im Zusammenhang mit der Restaurierung Untersuchungen des archäologischen Dienstes des Kantons Bern und der kantonalen Denkmalpflege. Dabei ergaben sich bedeutende neue Erkenntnisse zur Geschichte des «Grossen Höchhuses» und der Gemeinde Steffisburg. Könnte das «Grosse Höchhus» Standort der «Stevensburc» gewesen sein? Als älteste archäologische Spuren wurden eine Steinreihe, wohl der Sockel eines hölzernen Gebäudes, und eine Schicht mit vielen Knochen (Speiseabfälle) gefunden. Das Alter dieser Funde ist noch nicht genau bekannt. Die Siedlungsreste dürften jedoch vor dem 13. Jahrhundert entstanden sein. Dabei könnte es sich um die letzten Spuren einer hölzernen Burg handeln, die mit der im Jahr 1133 erstmals genannten «Stevensburc» identisch sein könnten. Jünger sind die rund 1,5 Meter dicken Mauerfundamente. Diese Mauerreste tragen heute die Ost- die West- und die Südmauer des «Höchhuses». Rekonstruieren lässt sich auch eine Mauer, die einen Hof umschliesst. An diese Mauer stossen zwei Steingebäude, ein grösseres Haus im Norden, an der Stelle des «Kleinen Höchhuses», und ein kleineres, vielleicht turmartiges Haus in der Südwestecke. Diese Baureste sind wohl ins 13. Jahrhundert zu datieren und als Adelsburg zu interpretieren. Im Lauf des Spätmittelalters wurden das Steinhaus im Norden abgebrochen und der Südteil des Burghofes überbaut: Der Kubus des heutigen «Höchhuses» entstand, allerdings noch mit anderen Innenniveaus und einem zweiten Obergeschoss aus Fachwerk. Um das Jahr 1526 fand ein umfassender Umbau statt, durch den das heutige Gebäude entstand. Man kernte den Bau aus, verlegte neue Geschossanlagen, errichtete das zweite Obergeschoss neu in Stein und setzte das heute noch bestehende Dachwerk auf. Aus dieser Zeit stammen auch die hölzernen Stuben im ersten und zweiten Obergeschoss.
Im Keller findet sich Mauerwerk aus dem 13. Jahrhundert – handelt es sich dabei um die Ringmauer einer Burg?
Im Erdgeschoss fanden sich unerwartet die Reste eines Töpferofens, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts betrieben wurde. In diesem wurden Blumentöpfe, aber auch verziertes Kaffeegeschirr und tönerne Tabakspfeifen hergestellt. Der Ofen ist für die Schweiz eine seltene Besonderheit. Nur wenige Exemplare sind bis heute erhalten geblieben. Der Ofen von Steffisburg und der letzte vollständig erhaltene Ofen aus Heimberg sind erhaltenswerte technische Kulturdenkmale und Zeugen einer inzwischen weitgehend verlorenen Handwerkstradition.
Tag der offenen Tür. Am Samstag 3. März 2007 von 10 bis 17 Uhr stellen die Fachleute des archäologischen Dienstes des Kantons Bern und der kantonalen Denkmalpflege ihre Forschungsergebnisse im Rahmen eines Tags der offenen Tür vor. Es finden geführte Rundgänge durch ausgewählte Bereiche im Höchhus statt. Besammlungsort ist der «Höchhuskeller».
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