Paul Brunner (links) vom Gartenteam mit Studenten der Universität Bern. (Bilder zvg)
pd/bns. Viele Pflanzen würden noch so gerne auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Böden wachsen und wichen nur auf sauren Silikatboden aus, weil im Kalk die Konkurrenz zu stark sei: 14 Studenten standen laut einer Medienmitteilung kürzlich mit ihren Lehrern am künstlich angelegten Urgesteinsfeld (Silikat) im Alpengarten und diskutierten, warum die für diesen Standort typischen Pflanzen zum Teil auch ringsherum auf den natürlichen Kalkböden der Schynige Platte blühen und gedeihen. «Aber warum wachsen dann manche Pflanzen üppiger, seit wir das vom Staub aus der Umgebung ‹verkalkte› Urgestein vor drei Jahren durch neues Urgestein von der Furka ersetzten?» gab Paul Brunner vom Gartenteam zu bedenken. «Manche Arten kommen mit Kalk wirklich nicht zurecht», meinte Patrick Kuss, Assistent am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern, der die Arbeitswoche auf der Schynige Platte organisiert hatte. Kalkhaltiges Wasser binde zum Beispiel Eisen, das dann bestimmten Pflanzen als Nährstoff fehle. Daneben müssten sich auch nicht alle örtlichen Varietäten einer Art gleich verhalten.
Das Edelweiss blüht gegenwärtig auf der mageren Blaugrashalde.
«Ich wusste gar nicht, dass es auf der Schynige Platte einen botanischen Garten für Schweizer Alpenpflanzen gibt», meinte ein Student aus der Ostschweiz später beim Gespräch im warmen Labor des Alpengartens. Dabei eigne sich der Alpengarten gut für den Biologieunterricht: «Das sollte bei den Schulen in der Schweiz bekannter gemacht werden.» Ein anderer angehender Botaniker äusserte auch schon eine Idee, wie sich das umsetzen liesse: Studierende aus naturwissenschaftlichen und pädagogischen Fächern könnten zu verschiedenen Themen – etwa zur Förderung oder Bedrohung bestimmter Pflanzengesellschaften durch unterschiedliche Arten der Landnutzung – Programme ausarbeiten, mit denen Schulklassen im Alpengarten Pflanzen kennen lernen und ökologische Zusammenhänge erforschen könnten.
Vielfalt sehen und verstehen
Wie aktuell das Wissen über solche Zusammenhänge ist, zeigte laut der Medienmitteilung Markus Fischer auf, der Anfang Jahr auf den Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Universität Bern berufen wurde und zu dessen Forschungsschwerpunkten Pflanzen in den Alpen gehören: «An der Arbeitswoche von Mitte Juli präsentierte er Forschungsergebnisse des eben abgeschlossenen Nationalfondsprogramms 48 über ‹Biodiversität in den Alpen›. Er wies darauf hin, dass der grösste Artenreichtum in obersten Höhenlagen zu finden ist – und gerade dort werden artenreiche Standorte wie etwa die Wildheumäder am stärksten von der Aufgabe der arbeitsintensiven Bewirtschaftung und von der Zunahme des Waldes bedroht.» Fazit der Forscher: Die biologische Vielfalt wäre zu retten, wenn lokal angepasste landwirtschaftliche Nutzungen gezielt gefördert würden. Dazu müssten Direktzahlungen nicht unbedingt erhöht, aber besser auf die lokalen Wirtschaftsweisen zugeschnitten werden. So bliebe auch den Bauern mehr unternehmerischer Spielraum. «Eine solche Politik bedingt ein Verständnis für die Grundlagen der biologischen Vielfalt», meinte Fischer. «Und die Schynige Platte mit dem Alpengarten und der ganzen Umgebung ist ein aussergewöhnlich guter Ort, um Vielfalt zu präsentieren – in all ihren Dimensionen, von der Artenvielfalt über die Vielfalt der Standorte und Nutzungsweisen bis zur Landschaft mit ihren geologischen und klimatischen Besonderheiten.»
Alpengarten Schynige Platte
Der botanische Alpengarten Schynige Platte liegt auf 2000 Metern über Meer. Er wurde im Jahr 1927 gegründet, von Anfang an mit dem Ziel, dem Tourismus, der Forschung und dem Naturschutz zu dienen. Seine gegenwärtig 600 Pflanzenarten – Bergblumen, Sträucher und Farne aus dem ganzen Schweizer Alpenraum – werden möglichst in den Verbänden gezeigt, in denen sie natürlicherweise vorkommen. Einige der heute 15 Pflanzengesellschaften waren schon vor der Gründung des Alpengartens durch das Zusammenspiel von Natur und Alpwirtschaft entstanden, andere wurden künstlich angelegt. Gegenwärtig trägt der Garten seinen üppigsten Flor. Ein Viertel der 600 Arten steht in Blüte; besonders farbenprächtig zeigen sich die magere Blaugrashalde oder die etwas «fettere» Milchkrautweide. Ab Anfang August folgt die grosse Zeit der Mannstreu, des Rittersporns und anderer Hochstauden.
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