Alpengarten-Präsident Denis Forter (Mitte) präsentiert im blühenden Garten seinen Nachfolger Peter Wenger (links) und die neu in den Vorstand gewählte Nicole Liniger (rechts). (Bilder zvg)
pd/bns. «Mit der wissenschaftlich fundierten Pflege und Präsentation von einheimischen Pflanzen war der Alpengarten Schynige Platte ein Naturparadies mit Gütesiegel, lange bevor man von Qualitätssicherung zu sprechen begann», sagte der neue Vereinspräsident Peter Wenger am Samstag im prächtig blühenden Alpengarten. Der langjährige Medienverantwortliche der Jungfraubahnen weiss, wovon er spricht, war doch die Werbung für die Tourismusdestination Schynige Platte Teil seiner Arbeit. Dass er selber an die Zukunft des botanischen Alpengartens glaubt, bewies Wenger, als er am Samstag die Wahl zum neuen Präsidenten des Trägervereins annahm. In seiner Antrittsrede versprach Wenger, die bewährte Partnerschaft zwischen Tourismus und Wissenschaft weiterzuführen. Das gleiche gelte für die Partnerschaft mit den Nachbarn – mit der Schynige-Platte-Bahn, dem Hotel und der Bergschaft Iselten, auf deren Boden der Alpengarten liegt. «Auf Schynige Platte ist die Saison kurz; da müssen alle am gleichen Strick ziehen, wenn sie die knappe Zeit gut nutzen wollen.»
Narzissenblütige Anemonen (Anemone narcissiflora).
«Nachhaltigkeit» sichtbar gemacht
Das Interesse der Wissenschaft bestätigte Markus Fischer, Professor für Pflanzenökologie an der Universität Bern. «Der Alpengarten hat früh erkannt, dass die biologische Vielfalt mit der Vielfalt der traditionellen landwirtschaftlichen Nutzungen zusammenhängt – und dass beides zugleich eine wichtige Grundlage des Tourismus ist.» Im Garten lasse sich deshalb Studierenden gut vermitteln, was «ökologische Vielfalt» und «nachhaltige Nutzung» bedeuten.
Bergvogt Ernst Herzog aus Wilderswil wundert sich nicht über Bedeutung des Alpengartens: «Die Nutzung der Alp Iselten ist seit dem Jahr 1261 urkundlich belegt; das ist die früheste Erwähnung einer Berner Alp überhaupt. Und bis heute wurde nie ein Gramm Dünger von ausserhalb zugeführt. Das nennt man wohl nachhaltige Nutzung.» Die guten Wünsche für die Zukunft des Alpengartens und der gesamten Alp bekräftigte der auf Iselten angestellte Senn Alex Winter mit einem Obwaldner Alpsegen.
Gartenpflegewerk liegt vor
Otto Hegg, langjähriger wissenschaftlicher Leiter des Alpengartens inventarisierte im Jahr 2006 zusammen mit Verena Hegg 56 der 68 Gartenquartiere vollständig. Daneben arbeiteten sie die schriftlichen Dokumentationen der letzten 80 Jahre auf entwickelten Zielvorgaben für die verschiedenen Pflanzengesellschaften, in denen die 600 Blütenpflanzen- und Farnarten im Alpengarten präsentiert werden. Auf dieser Grundlage entwickelten sie in einer Arbeitsgruppe zusammen mit den Gärtnerinnen und unter dem Vorsitz des gärtnerischen Leiters Rudolf Zaugg das neue «Gartenpflegewerk». Das Handbuch dient dem Gartenteam und dem Vorstand künftig als Grundlage für die Pflege und den Unterhalt des Alpengartens.
Zu den grösseren Unterhaltsarbeiten im Alpengarten gehörten letztes Jahr ein Einsatz der Lehrlinge von der Gartenbauschule Öschberg, die unter anderem Teile der Kalkschutthalde erneuerten, und die Installation von Steinschlagnetzen über dem Rundweg. Die 67 380 Franken für die Netze bezahlte der Alpengarten aus dem Eigenkapital. Das Betriebsdefizit, das sich bei 136 539 Franken Ertrag auf 64 769 Franken belief, wurde aus dem Ertrag der Dr.-Werner-Schmid-Stiftung gedeckt. In 104 Betriebstagen und trotz einem verregneten August zählte der Alpengarten 2006 26 855 Besucher.
Wahlen
Verabschiedet wurden nach je 25 Jahren Vorstandsarbeit Hans-Ulrich Reist und Peter Möri sowie nach 12 Jahren Denis Forter. In Forters Zeit als Vereinspräsident fielen unter anderem die Einrichtung der elektronischen Pflanzen-Datenbank, etliche bauliche Sanierungen und der Abschluss eines 99jährigen Nutzungsvertrags mit der Bergschaft Iselten. Neu in den Vorstand gewählt wurden Nicole Liniger von Wilderswil Tourismus und der Botaniker Andreas Grünig vom Agroscope Reckenholz.
Der Alpengarten Schynige Platte
Der botanische Alpengarten Schynige Platte liegt auf 2000 Meter über Meer. Seine gegenwärtig genau 600 Pflanzenarten – Bergblumen, Sträucher und Farne aus dem ganzen Schweizer Alpenraum – werden möglichst in den Verbänden gezeigt, in denen sie natürlicherweise vorkommen. Einige der heute 15 Pflanzengesellschaften waren schon vor der Gründung des Alpengartens durch das Zusammenspiel von Natur und Alpwirtschaft entstanden, andere wurden künstlich angelegt. Gegenwärtig blühen gut 200 Arten, vom Himmelsherold und anderen kleinen Felsenpolstern bis zu den Alpenreben und den narzissenblütigen Anemonen mit ihren üppigen, grossen Blüten. Vom Alpengarten mitbetreut wird eine benachbarte, im Jahr 1930 als Düngeversuch angelegte Versuchsweide, die heute vor allem für den Umweltschutz interessante Resultate liefert. Im Jahr 2006 Publizierte ein interdisziplinäres Team in der Zeitschrift «Ecology» Forschungsresultate zu Langzeitwirkungen kurzzeitiger Eingriffe auf alpinen Rasen. Einblick in diese Forschung gibt auch eine im Jahr 2006 modernisierte Ausstellung im Eingangsgebäude des Alpengartens.
Alpengarten 2007. Öffnungszeiten täglich 7.30 bis 18.00 Uhr. Eintritt Erwachsene vier Franken, Kinder/Studenten ein Franken, Gästekarte/Gruppen ab sechs Personen drei Franken. Führungen nach Voranmeldung: 50 Franken pro Gruppe (ab 20 Personen wird eine Gruppe geteilt). – Anfahrt per Bahn (Interlaken Ost–) Wilderswil–Schynige Platte: Fahrzeit ab Wilderswil 50 Minuten (www.jungfraubahn.ch). – Weitere Informationen unter www.alpengarten.ch / Telefon 033 822 28 35.
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