Fredi Abegglen ist in zehn Tagen an der Jungfrau-Stafette der Chef auf dem Aletschgletscher. (Bild Bruno Petroni)
«Normalerweise haben wir hier im Mai bis zu zehn Meter Schnee über den Spalten»: Der Grindelwalder Bergführer Christian Bleuer muss es wissen – er war neun Jahre lang Hüttenwart in der Konkordiahütte, auf dem felsigen Adlerhorst hoch über dem Aletschgletscher auf 2850 Meter über Normalnull. Er und sein Bergführerkamerad Fredi Abegglen waren am Samstag, zwei Wochen vor dem grossen Rennen durch die Schweiz, auf Rekognoszierungstour für die bevorstehende sechste Austragung der Jungfrau-Stafette auf dem Gletscher. Dabei fuhren sie die gesamte, 16 Kilometer lange Wettkampfstrecke für die Skifahrer und Gletscherläufer im Bereich zwischen dem Jungfraujoch und dem Märjelensee ab. «Die Stafette sollte jetzt gerade stattfinden; die Verhältnisse sind ideal, der Schnee pickelhart und trotzdem griffig», schwärmte Fredi Abegglen, der für die Skiläufer verantwortlich zeichnet: «Die Skirennläufer können sich schon jetzt auf eine rasante Abfahrt über den Jungfraufirn freuen.»
Im Laufschritt über das Eis
Bleuer und Abegglen werden in zehn Tagen die Chefs auf dem Gletscher sein. Dann nämlich wird südlich des Jungfraujochs einiges los sein: Ab neun Uhr morgens werden 43 alte Flugzeuge über das Jungfraujoch gleiten und unter dem Stollenausgang ein Stafettenband abwerfen, das von einem Skifahrer ergriffen und acht Kilometer weit über den Jungfraufirn bis unter den Konkordiaplatz gefahren wird. Dort wird der «Bändel» an einen Gletscherläufer übergeben, der mit Nagel-Laufschuhen am östlichen Rand des Aletschgletschers entlang in Richtung Eggishorn laufen wird.
Bruno Petroni, freier Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Die beiden Sicherheitschefs werden am 2. Juni auf die Mithilfe von 12 Gebirgsspezialisten der Armee und 15 Bergführerkollegen zählen können. «Ausserdem wird der Flugverkehr der Stafette von einem Luftverkehrsleiter von Skyguide auf dem Jungfraujoch überwacht und koordiniert», sagt Fredi Abegglen. Temperaturen entscheiden
«Momentan sieht es so aus, als könnten wir die Stafette wie geplant zusammenhängend gestalten», gibt sich Fredi Abegglen zuversichtlich: «Nun hoffen wir einfach auf tiefe Temperaturen. Sobald zu wenig Schnee über den Gletscherspalten im südlichen Bereich des Konkordiaplatzes liegt, wird es sehr schwierig.»
Übergabeort bleibt offen
Mit der Sondierstange eruierten die beiden erfahrenen Bergführer am Samstag in diesem Bereich auf 2700 Meter über Meer eine Neuschneedecke von knapp zwei Metern. Normalerweise ist diese im Mai bis zu fünf Mal so dick. «Immerhin, die Schneefälle an Auffahrt haben die Situation da oben entscheidend verbessert», sagt Christian Bleuer, der für die Sicherheit der Athleten auf der Laufstrecke über das Gletschereis verantwortlich ist. «Wo dann die Übergabestelle von den Skifahrern zu den Gletscherläufern schliesslich sein wird, bleibt bis zum Vorabend der Jungfrau-Stafette unsicher», sagt Abegglen. Und: «Das ist wie bei einer Hochgebirgstour. Da muss man in jeder Situaton kurzfristig reagieren und sich den Wetterbedingungen anpassen können.»
Jungfraubahnen sportlich unterwegs
Gegründet vom damaligen Wengener Kurdirektor Othmar Gurtner, fand die Jungfrau-Stafette von 1931 bis 1939 fünf Mal statt und genoss eine riesige Medienpräsenz. Das abenteuerliche Rennen über 530 Kilometer führte in 13 Teilstrecken von Zürich via Jungfraujoch nach Fiesch, Lausanne und zurück nach Zürich. Jedes Team bestand aus einem Läufer, Radfahrer, Flugzeugpiloten, Skiabfahrer, Motorradfahrer, Sportwagenpiloten und Sportlern aus anderen Disziplinen. Im Jahr 1939 stellte der Skiklub Wengen mit 7:17 Stunden den noch heute gültigen Rekord auf. Der Zweite Weltkrieg stoppte die Weiterführung dieser Stafette. Mit Oberländer Sportlern
Heute wird die Stafette dem Zeitalter entsprechend ergänzt durch Gleitschirmflieger und Downhillbiker. Schirmherr der Veranstaltung ist Altbundesrat Adolf Ogi. Am Rennen beteiligen sich unter anderem die Oberländer Athleten Ueli Kestenholz, Kari Eisenhut, Karin Appenzeller, Martina Schild und der Walliser Ex-Skiweltmeister Pirmin Zurbriggen. Die Jungfraubahnen stellen eines der 43 Teams. Direktor Walter Steuri wird als Bergläufer aufs Eggishorn eingesetzt, Controllingchef und Marathon-Schweizermeister Christoph Seiler als Schlussläufer.
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