«Klappe – und Action!»: Bei der Salzegg am Fusse der Eigernordwand laufen seit gestern Morgen die Dreharbeiten zum Kinofilm «Nordwand», der im Spätherbst 2008 in die Kinos kommt. (Bilder Bruno Petroni)
«‹Nordwand› ist eine deutsch-österreichisch-schweizerische Co-Produktion von Dor Film, Medien-Kontor, Triluna, Majestic und Lunaris, in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, dem ORF und dem Schweizer Fernsehen», sagt der Münchner Regisseur Philipp Stölzl. Im Spätsommer 2008 soll die Verfilmung um das tödliche Drama von 1936 in die Kinos kommen.
Dreharbeiten
im Bereich des Einstiegs zur Eigernordwand
«Du benimmst dich wie meine Mutter!» «Ich bin deine Mutter!» Dieser gehässige Dialog zwischen den beiden deutschen Bergsteigern Andi Hinterstoisser und Toni Kurz ist eine der zahlreichen Episoden, die in dieser Woche im Bereich des Einstiegs zur Eigernordwand gedreht werden. Bayerische Gemütlichkeit und Wiener Charme hingegen beherrschen seit Montag 21. Mai 2007 die Szene im Bereich der Salzegg unter der Kleinen Scheidegg hinter den Kulissen: Ein 40köpfiges Filmteam aus Deutschland und Österreich arbeitet für den Kinofilm «Nordwand». Für ihre Sicherheit im steilen Gelände am Fusse der Eigernordwand sind vier Grindelwalder Bergführer unter der Leitung von Fredi Abegglen verantwortlich: «Wenn nämlich im steilen Hang unmittelbar bei der Nordwand einer dieser zumeist nicht gerade berggängigen Filmemacher samt teurer Filmkamera ins Rutschen gerät, kann es sonst sehr schnell teuer werden», weiss Fredi Abegglen.
Zweite Drehwoche am Eiger
Bereits letzten Herbst drehten Regisseur Philipp Stölzl, Kameramann Kolja Brandt und Regieassistent Andy Lang am Genfer Pfeiler in der westlichsten Ecke der Nordwand die Bergsteigerszenen, damals unterstützt von bergerfahrenen Berner Oberländern: Unter anderem stellten sich damals während der Dreharbeiten Spitzenalpinist Stephan Siegrist als Double und in der Rolle von Andi Hinterstoisser sowie der Unterseener Fotograf Thomas Ulrich als assistierender Kameraoperateur zur Verfügung.
Der deutsche Schauspieler Florian Lukas dreht als Andi Hinterstoisser am Eiger.
Per Velo in die Schweiz
In dieser Woche nun arbeiten die «richtigen» Schauspieler, Florian Lukas (als Andi Hinterstoisser) und Benno Fürmann (Toni Kurz) persönlich am Set. Die zwei 34jährigen Berliner sind bekannt aus diversen deutschen Spielfilmen. Aufnahmen handeln von der Anreise der beiden deutschen Bergsteiger per Fahrrad, und den Einstieg in die Nordwand, die zu jener Zeit noch unbestiegen war.
Beliebte Bergkulissen
Schon zum dritten Mal in acht Monaten ist ein Filmteam in der schattigen Nordwand des Eigers mit Dreharbeiten beschäftigt. Und auch diesmal handeln die Filmaufnahmen vom dramatischsten Bergdrama der Eigergeschichte von 1936, das sich bei einem Erstbesteigungsversuch ereignete und eine deutsch-österreichische Viererseilschaft das Leben kostete. Die Bergsequenzen zu «Nordwand» wurden Ende September des letzten Jahres gegenüber des Rotstocks am sogenannten Genfer Pfeiler gedreht. Vor zwei Monaten drehte ein britisches Filmteam bei der Salzegg ein Doku-Drama für den TV-Sender Channel 4. Der einheimische Dres Abegglen, der Berner Roger Schäli und zwei Walliser waren die Protagonisten in den Kletterszenen.
Bruno Petroni, freier Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Und eben erst am Wochenende endeten die Dreharbeiten zum «Golden Compass», einer Fantasie-Saga mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig auf dem unteren Grindelwaldgletscher. Im östlichen Berner Oberland wurden letztes Jahr ausserdem «Wenn der Berg ruft» (Werzisboden) und «Wilhelm Tell» (Kuhmatte/Beatenberg) gedreht.
Das wirkliche Drama liegt 71 Jahre zurück
Am 22. Juli 1936 ereignete sich in der Eigernordwand ein unvergessliches Bergsteigerdrama, bei welchem die drei Alpinisten Andreas Hinterstoisser, Willy Angerer und Eduard Rainer abstürzten. Nur ihr Kamerad Toni Kurz überlebte das Unglück zunächst. Sein Seil war aber fünf Meter zu kurz, um bis zu den vom Stollenloch der Jungfraubahn herbeigeeilten Rettern unmittelbar unter ihm zu gelangen. Nach überlebter Nacht in dieser misslichen Situation und dem verzweifelten Versuch, mit seinen längst erfrorenen Fingern einen Knoten zu drehen, blieb Bergsteiger Toni Kurz schliesslich über den Köpfen seiner Retter stecken, weil sich der besagte Seilknoten im Karabinerhaken verklemmte. Wenig später dann starb Toni Kurz vor Erschöpfung vor den Augen seiner hilflosen Retter, nachdem er dem Rettungstrupp unter sich noch verzweifelt zugerufen hatte: «Ich kann nicht mehr!» Das legendäre Drama um Toni Kurz wühlte damals ganz Europa auf.
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