sth/bns. Zwei Klausursitzungen führe der Thuner Gemeinderat jedes Jahr durch, wird in einer Medienmitteilung erinnert: «Eine im Frühsommer auf dem Diemtigbergli ob Diemtigen und eine gegen Ende Jahr im Kemmeribodenbad im Emmental. An der zweitägigen Klausur im Gasthaus «Diemtigbergli» am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche nahm sich die Stadtregierung wiederum Zeit, unter Beizug von Kaderangehörigen der Stadtverwaltung sowie externen Experten aktuelle Schwerpunktthemen und Richtungsentscheide zu diskutieren. Wie üblich, wurden noch keine abschliessenden Beschlüsse gefasst. Diesmal standen folgende Themen im Zentrum:
Stadtmarketing. Seit Anfang 2004 ist der Verein Stadtmarketing Thun mit der Stadt Thun und vier Partnern (TTO, IGT, Parkhaus Thun AG, Thun Expo) aktiv. In dieser Zeit hat sich gezeigt, dass die finanziellen und personellen Ressourcen mit einem Jahresbudget von rund 100 000 Franken an Marketingmitteln, einer 50-Prozent-Geschäftsstelle und ehrenamtlichen Projektleiter/-innen zu knapp, die Zuständigkeiten teilweise unklar, gewisse Tätigkeiten sich überschneidend und die Organisationsabläufe nicht optimal sind. Zudem muss die Akzeptanz bei der Wirtschaft, im Stadtrat und in der Öffentlichkeit noch verbessert werden. Sowohl aus Sicht der Geschäftsleitung des Stadtmarketings wie auch des Gemeinderates ist jetzt Handlungsbedarf gegeben. Bereits vor der Klausur von dieser Woche hat der Gemeinderat das Modell Biel, dessen Stadtmarketing als verwaltungsinterne Stelle mit einem deutlich höheren Jahresbudget konzipiert ist, eingehend analysiert. Auf dem Diemtigbergli wurde nun eine neue Projektorganisation, die Integration in die Verwaltung, die Schaffung eines politisch breit abgestützten Beirates sowie die Prioritäten der umzusetzenden Projekte diskutiert. Nach den Sommerferien wird der Gemeinderat einen Terminplan zum weiteren Vorgehen beschliessen. Über die Neuorganisation und zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen wird der Stadtrat frühestens in der zweiten Jahreshälfte beschliessen können. Bevor dem Stadtmarketing zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, kann bis auf weiteres nur der Status Quo beibehalten werden.
Zusätzliche familienergänzende Angebote. Nicht zuletzt weil der Kanton Bern in den Schulen Blockzeiten einführen will, wurden die Gemeinden aufgefordert, bis 2009 die erforderlichen Tagesschulstrukturen aufzubauen. Es geht um jene Kinder und Jugendlichen, die ausserhalb der Unterrichtszeit teilweise ohne Betreuung auskommen müssen. Gemäss einer Erhebung der Berner Fachhochschule für Soziales decken die in Thun vorhandenen öffentlichen und privaten Angebote an Aufgabenhilfen, Mittagstischen, Schülerhorten, Kinderkrippen, Tageseltern und Kindertagesstätten nur rund 40 Prozent des Bedarfs. Geprüft wird nun eine Ergänzung der sieben Schülerhorte in Thun mit Mittagstischen und teilweise erweiterten Betriebszeiten im Sinne eines pragmatischen Weges zu einer Verbesserung des Gesamtangebotes in Richtung von weiteren Tagesschulen. Auch die Koordination aller Angebote, wie sie nach der Kemmeriboden-Klausur 2005 beschlossen wurde, wird weiter verfolgt. Ende dieses Jahres soll ein Vorgehens- und Terminplan vorliegen.
Jugendberatung und Frühintervention. Jugendfachleute stellen fest, dass es in der Region Thun-Oberland für Jugendliche, die ‹quer im Leben stehen›, rein beratende Institutionen und stationäre Angebote, aber nichts dazwischen gibt. Vor allem fehlt es an geeigneten Notunterbringungsmöglichkeiten und Angeboten, die Kindern und Jugendlichen eine Tagesstruktur ermöglichen. Der Gemeinderat diskutierte nun, ob und wie gemeinsam mit privaten Anbietern und Nachbargemeinden sowie mit Unterstützung des Kantons regionale Lösungen gefunden werden könnten. Ziel ist es, etwa für Anfang 2009 eine regionale Fachstelle für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Der Gemeinderat erteilte der Direktion Soziales den Auftrag, bis Ende Juni eine mögliche Projektorganisation und ein Vorgehenskonzept vorzuschlagen.
Stadtentwicklung. Im Jahr 1999 in Kraft gesetzt und 2000 teilrevidiert, ist der Richtplan Stadtentwicklung http://thun.platforms.ch/richtplan/) ein mittel- bis längerfristiges Führungsintrument des Gemeinderates. Er enthält in genauen, thematisch geordneten Beschreibungen Ziele und Vorhaben, welche für die erwünschte, vor allem siedlungsbezogene Entwicklung der Stadt der jeweils nächsten 15 Jahre von Bedeutung sind. Heute, nach der Halbzeit von acht Jahren, hat sich der Gemeinderat, unter Berücksichtigung der Legislaturziele, wieder mit Grundsatzfragen zum Richtplan befasst. Dabei hat er festgestellt, dass die Zielsetzung ‹Thun im Aufbruch›, das über der ganzen Planung stand, zu einem guten Teil umgesetzt worden ist. Die Diskussion ergab, dass der Richtplan Stadtentwicklung künftig weniger, aber politisch gewichtigere Projekte enthalten und ‹schlanker› gestaltet werden soll. Zudem soll er besser auf die für vier Jahre geltenden Legislaturziele sowie die jeweiligen Aufgaben- und Finanzpläne abgestimmt werden. Damit sollen die Funktionen der verschiedenen strategischen Führungsinstrumente klarer definiert werden. Vor den Sommerferien wird der Gemeinderat einen Vorgehensplan mit Terminen beschliessen. In einem ersten Schritt wird er die inhaltlichen Leitplanken für die Revision setzen.
Aufgabenverzichtsplanung. Eine sowohl politisch heikle als auch fachlich anspruchsvolle Aufgabe hat der Gemeinderat mit der Umsetzung der Motion ‹Klare Verzichtsplanung statt lineares Sparen›, die der Stadtrat am 16. Februar 2007 einstimmig überwiesen hat, gefasst. Die Stadtregierung hat nun die Rahmenbedingungen, die Hauptziele, die Projektorganisation und das weitere Vorgehen im Grundsatz festgelegt. Noch vor den Sommerferien werden die Kaderkonferenz, die Stadtratsmitglieder und die Medien orientiert, danach wird mit den Fraktionspräsidentinnen und Fraktionspräsidenten die konkrete Vorgehensweise festgelegt.»
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