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Berner Oberland News – 12. Jahrgang
Samstag 17. März 2007
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Fischereistart in den Oberländer Flüssen

Am Freitagmorgen um sechs Uhr früh ging es los: Die Sperrfrist in den fliessenden Gewässern ist zu Ende. Und schon in den ersten Minuten ging in Unterseen eine Rekordforelle an Land.

Kaum waren fünf Minuten vergangen, zappelte bereits eine 65 Zentimeter lange Bachforelle an der Angel von Adrian von Gunten (rechts). Da musste schon sein Kollege Marc Weber mit dem Netz zu Hilfe eilen. (Bilder Bruno Petroni)

Für die Freunde der Fischerei ist der 16. März so etwas wie Weihnachten: Um sechs Uhr morgens endet dann nämlich die fünfeinhalb Monat dauernde Sperrfrist für die fliessenden Gewässer. Schon um halb fünf Uhr traf sich der harte Kern im Restaurant Steinbock in Unterseen zum traditionellen Suppenessen: «Chabissuppe», bemerkt der Steffisburger Marc Weber. Er war gerade damit beschäftigt, seine Angelrute in Bereitschaft zu bringen. Es war ja schliesslich schon Viertel vor sechs Uhr. Die kleine Umwälzpumpe seines Fisch-Chessis surrte auch schon. Auch Webers jüngere Kollegen, Adrian von Gunten und Sascha Michel standen vor dem «Steinbock».

Präsentiert stolz seinen «Riesenapparat»: Der 17jährige Fischer Adrian von Gunten holte binnen fünf Minuten zwei grosse Fische aus der Aare.

«Ein Riesenapparat»

Punkt sechs Uhr warfen die drei Fischer ihre Angeln unter dem alten Schlachthaus in die Aare aus. Und – man fasste es nicht – keine Minute verging, da zog Marc Weber bereits eine 40-Zentimeter-Forelle aus dem Wasser. Bei Adrian von Gunten zappelte fast gleichzeitig eine 37er am andern Ende der Schnur. Doch es kam noch fetter: Um fünf Minuten nach sechs Uhr bog sich die Angelrute des 17jährigen Druckerstiftes bedrohlich: «Läck, das ist ein Riesenapparat!» Und zwar so gross, dass die Bachforelle zu zweit aus der Aare gehievt werden musste. Jubel: «Schon letztes Jahr hatte ich am Eröffnungstag den grössten Fisch. Der war genau gleich gross, nämlich 65 Zentimeter.»

Zu klares Wasser
Auch weiter oben, beim Bödelibad standen die Fischer erwartungsfroh. Aber die Tiere bissen hier nicht so recht. Der Spiezer Daniel Hänni und sein Freund Johann von Gunten aus Sigriswil wussten auch warum: «Das Wasser ist hier zu klar. Wir bleiben aber trotzdem noch eine oder zwei Stunden, dann gehen wir mit dem Boot auf den See weiterfischen. Aber es ist Ehrensache, dass wir zu Beginn des ‹Vatertages› mit dabei sind.»
Bruno Petroni, freier Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Hans Roth als Leiter des Fischerei-Aufsichtskreises I erinnerte sich noch an Zeiten «wo sich die Fischer am 16. März morgens um sechs Uhr noch fast auf die Füsse getreten sind; es hat schon stark abgenommen.» Steinbock-Wirt Alfred Tschanz glaubte, dass das Wetter zu schön war: «Es hat schon extrem wenig Fischer diesmal.»

Nur noch halb so viele Patente
Fischen ist nur mit Patent gestattet. In jedem Gewässer ist ausserdem eine andere Mindestgrösse der gefangenen Fische zu beachten. Hans Roth weiss alles über Fische: «Die Seeforelle schwimmt niemals in ein anderes Gewässer und kehrt bei Geschlechtsreife immer zu ihrem Geburtsort zurück.» Roth ist seit 36 Jahren Kreisleiter des Aufsichtskreises I des bernischen Fischereiinspektorates. Als Bewilligungsbehörde und in polizeilicher Funktion beaufsichtigt er gemeinsam mit 13 freiwilligen Helfern die Gewässer der Amtsbezirke Interlaken und Oberhasli: «In den nächsten 14 Tagen darf nur mit Monats- und Jahrespatent gefischt werden. Und das Mindestmass der Fische ist einzuhalten. In der Lütschine sind dies beispielsweise 24 Zentimeter, in der Aare 28 Zentimeter.» Das sogenannte Freiangeln ohne Patent ist nur vom Seeufer aus mit einer Rute, Zapfen und einem einfachen Angelhaken erlaubt. Für die Fischerei auf dem See, an und auf fliessenden Gewässern ist ein Fischerpatent erforderlich. Dieses kann beim zuständigen Regierungsstatthalteramt erstanden werden. Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren benötigen ebenfalls ein Patent und müssen zudem in Begleitung einer mindestens 16 Jahre alten Begleitung sein, welche ebenfalls Inhaber eines Fischerpatents ist. In allen sieben Amtsbezirken des Berner Oberlandes ist in den letzten 15 Jahren ein Rückgang der Patentausstellungen um die Hälfte zu verzeichnen. Am meisten Patente verkaufte im letzten Jahr das Regierungsstatthalteramt Thun mit 812 Bewilligungen. Im ganzen Berner Oberland werden jährlich rund 2500 Fischerpatente ausgestellt.
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