Ein unscheinbarer Eingang zu einer speziellen Festung im Hondrichhügel oberhalb von Spiez. (Bilder FVH/Hubacher)
Etliche der geladenen Gäste und Anwohner staunten nicht schlecht, als sie am Samstag im Rahmen eines Tages der offenen Türe einen Rundgang durch die Festung Hondrich machen durften. Da es sich dabei um eine Feuerleitstelle und nicht um ein bewaffnetes Artilleriewerk handelt, war die grosse Anlage im oberen Teil des Hondrichhügels auch kaum bekannt. Solche Führungsanlagen wurden und werden vom Militär meist strenger als Waffenstellungen gehütet. «Wir wollten jetzt bewusst als erstes den Hondricher die Gelegenheit geben, die Geheimnisse hinter den Felswänden kennen zulernen», erklärte Hansueli Frei, der Präsident des Festungsvereins Hondrich den Gästen bei einem Apero. Dieses fand im gläsernen Gewächshaus des Inforama statt, quasi als Gegensatz zur anschliessenden gemeinsamen Besichtigung des Felsenwerkes. Nach dem Spaziergang durch den Wald zum höher gelegenen Festungseingang geht es über Treppen in den Unterkunfts- und Bürobereich. Dort wurden die Daten für die Geschütze der umliegenden Artilleriewerke (zum Beispiel in Wimmis, Beatenberg oder Faulensee) berechnet.
Hans Rudolf Schneider, Thierachern
Diese Büros sind wie Häuser in die roh ausgebrochene Felskavernen hineingebaut worden. Ein über 300 Meter langer Verbindungsgang zieht sich anschliessend längs durch den Hondrichhügel, er verbindet die verschiedenen Beobachtungsposten im Fels. «Die Anlage ist in einem guten Zustand. Und wir haben im Sinn, diese mit der aktiven Arbeit durch die Vereinsmitglieder auch so zu erhalten. Fehlende Ausrüstung wird nach Möglichkeit wiederbeschafft», blickt Hansueli Frei nach vorn. Innert kurzer Zeit haben sich bereits rund 30 Mitglieder zusammengefunden.
Der Hauptsstollen der Anlage mit dem Decknamen «Heinrich» ist über 300 Meter lang.
Die Geschichte der Anlage
Wie erste Nachforschungen in diversen Archiven ergab, wurde die Anlage in den Jahren 1941 bis 1943 erstellt. Das Felsenwerk war von Anfang an als Kommandoanlage, als Regimentskommandoposten geplant und erstellt worden. Neben dem Unterkunfts- und Bürotrakt sind auf mehreren Etagen vier Doppelbeobachtungsposten mit Blick Richtung Thunersee/Simmental ausgebrochen worden. Dazu kamen etliche Funknischen, um die Feuerbefehle auch an die umliegenden Artilleriewerke (Wimmis, Beatenberg, Faulensee) und mobilen Geschützbatterien weitergeben zu können.
Die Küche der Festung Hondrich, einer ehemaligen Feuerleitstelle für die Artillerie rund um den Thunersee.
Derzeit dient die Anlage in erster Linie als Vereinslokal. Sie gehört zwei Privatpersonen, der Verein stellt den Betrieb sicher. Die Festung kann auf Anfrage besichtigt werden, was sicher auch touristisch als Anziehungspunkt interessant ist – auch in Kombination mit dem Festungsmuseum Faulensee. «Vorgesehen ist auch, einen nicht genutzten Teil der verzweigten Festung für Fledermäuse zu öffnen», so Frei. Die über 50 Jahre alte Festung in Hondrich hat also eine spannende, aber nicht mehr ganz so geheimnisvolle Zukunft vor sich.
Kontakt für Führungen. Vereinspräsident Hansueli Frei
(Telefon 079 336 86 35), jeweils Dienstag und Donnerstag von 9.00 bis 11.00 Uhr. – Mail: stollenfuchs@bluewin.ch – Informationen im Internet unter www.festung-oberland.ch  Vereinfachter Plan der Anlage A1956 «Heinrich« im Hondrichhügel. (Bild zvg/hsf)
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