Hier endet die Spur, von da weg geht es über 40 Meter über die Fluh hinaus: Weitab der gesicherten Skipisten stürzte ein Snowboardfahrer über die Tschingelwand hinunter. (Bild Bruno Petroni)
Die 100 Gäste auf der Sonnenterrasse der Schilthornhütte hielten den Atem an: Am gegenüber liegenden Hang zwischen Birg und dem neuen Riggli-Sessellift auf 2600 Meter über Meer fuhr ein Snowboarder durch den Tiefschnee in Richtung Tschingelwand, das 50 Meter hohe Felsband hoch über dem Blumental. Und er stoppte nicht, sondern flog ungebremst 40 Meter in den Abgrund. Das extrem steile Schneefeld unter der Tschingelwand dürfte ihm das Leben gerettet haben: Nach einer 100 Meter langen Rutschpartie durch diesen Schneehang kam er schliesslich zum Stillstand.
Snowboard ohne Bindung
Air-Glaciers-Chefpilot Adolf Litzer, der zur gleichen Zeit im benachbarten Engital eine verunfallte Skifahrerin zwecks Transport ins Spital in seinen Helikopter lud, wurde in der Folge von der alarmierten Air-Glaciers-Zentrale per Funk angewiesen, schnell mal «ännet dem Zwillingsfelsen» nachzuschauen: «Dort sah ich dass der in die Tiefe gestürzte Mann etwa 100 Meter unterhalb seines im Schnee steckenden Snowboards etwas orientierungslos im Tiefschnee herumstapfte. Offenbar wurde ihm bei der Landung von der Wucht die Bindung vom Brett gerissen. Und Blutflecken im Schnee waren auch auszumachen.»
Nur leichte Hirnerschütterung
Litzler liess kurzerhand den an Bord befindlichen Arzt Moritz Dau schwebend aussteigen. Der stellvertretende Pistenrettungschef Toni von Allmen wurde als Verstärkung ebenfalls zum Unfallplatz geflogen. Schliesslich wurde der 28jährige Argentinier vom Rettungshelikopter der Air-Glaciers geborgen und mit einer leichten Hirnerschütterung in Spitalpflege gebracht. Er konnte das Spital am selben Abend wieder verlassen.
Bruno Petroni, freier Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Ob der im Berner Oberland arbeitende Argentinier diesen kühnen Sprung über die 50 Meter hohe Wand absichtlich wagte oder nicht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Nur eines ist sicher: «Er folgte geradeaus einer Spur, die in den Abgrund führt; diese werden von den sogenannten Speedflyern gezogen», bestätigt Peter Bühler, Leiter Wintersport bei den Schilthornbahnen. Speedflying ist eine neue Sportart und eine Mischung zwischen Freeride-Skifahren, Gleit- und Fallschirmflug.
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