Ein vom Biber gefällter Baum.
aid/bns. Das Biberkonzept soll laut einer Medienmitteilung einerseits die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung des in der Schweiz geschützten Tiers schaffen und andererseits gebe es auch Anweisungen zum Umgang mit Biberschäden: «Im Winter 2007/2008 werden die Biberbestände mit einem gesamtschweizerischen Monitoring besser erfasst.» Nachdem der Biber einst in der ganzen Schweiz weit verbreitet war, wurde er laut einer Mediendokumentation im 19. Jahrhundert fast vollständig ausgerottet: «Der wertvolle Pelz war der Hauptgrund für die Jagd auf den Biber. Ab dem Jahr 1950 wurde er wieder angesiedelt und steht seit 1962 unter Schutz. Zwischen 1963 und 1974 wurden auch in den Nachbarkantonen Neuenburg und Waadt wieder Biber ausgesetzt. Ein Teil davon eroberte nach und nach Lebensräume im Kanton Bern. Anfang des neuen Jahrtausends hat sich das seit 1962 in der Schweiz geschützte Tier im Bernbiet auch entlang grösserer Flüsse etabliert.»
Wegen der Ausbreitung des Bibers brauche es Massnahmen für einen nachhaltigen Umgang mit dieser Tierart, verlautet dazu im weiteren: «Handlungsbedarf besteht einerseits bei der Aufwertung der Lebensräume für den Biber und beim Schutz seiner Anlagen und Bauten. Andererseits sollen Biberschäden in der Land- und Forstwirtschaft so weit wie möglich verhindert werden. Das Konzept Biber Bern ist ein Instrument, um das Zusammenleben von Menschen und geschützten Tieren in den dicht besiedelten Gebieten des Kantons Bern zu ermöglichen. Erarbeitet wurde es vom Jagdinspektorat des Kantons Bern und von Pro Natura des Kantons Bern. Das Konzept setzt voraus, dass die Menschen die Existenz der Biber anerkennen, aber auch die Nutzungsbedürfnisse besonders betroffener Kreise der Bevölkerung, beispielsweise der Forst- und Landwirtschaft, respektiert und berücksichtigt werden.»
«Bisher nur einzelne Konflikte mit Bibern»
Im Konzept seien aufgrund des Lebensraumpotentials und aufgrund von Abklärungen im Feld für Biber geeignete Gewässer ausgeschieden worden, geht aus der Dokumentation im weiteren hervor: «Entsprechende Koordinationsblätter sind praktische Vollzugshilfen für die Ausarbeitung von konkreten, lokalen Aktionsplänen für den Erhalt, für die Förderung oder für die Einschränkung des Bibers entlang dieser Gewässer. Das Konzept fördert auch die natürliche Ausbreitung der Biber in geeignete, noch unbesiedelte Gebiete.» Bisher seien im Kanton Bern nur einzelne Konflikte mit Bibern aufgetreten: «Falls die Schäden trotz vorbeugender Massnahmen zunehmen sollten, sind gemäss Konzept die Wildhüter die ersten Kontaktpersonen. Sie beraten und helfen den Geschädigten vor Ort. Bei grösseren Schäden nimmt die Kerngruppe Biber eine Schadenanalyse vor. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern des Jagdinspektorates, der Biberschutzstelle Schweiz, von Pro Natura und einem Vertreter der Kommission für Jagd und Wildtierschutz. Sollten die Schäden das tragbare Mass überschreiten und Verhütungsmassnahmen nicht zum Ziel führen, können Biber umgesiedelt oder allenfalls abgeschossen werden. In solchen Fällen berät die Kerngruppe Biber die Volkswirtschaftsdirektion. Diese stellt gegebenenfalls einen entsprechenden Antrag an das Bafu (Bundesamt für Umwelt).»
Der Biber könne durch seine Tätigkeiten – zum Beispiel Kanal- und Dammbau, Fällen von Bäumen – seinen Lebensraum massgeblich gestalten, heisst es im weiteren: «Er ist auch ein Sympathieträger für den Schutz von natürlichen Fliessgewässern und Seeufern (insbesondere Auen). Wo sich der Biber an unsere Kulturlandschaft anpasst, muss mit einem gewissen Konfliktpotential für die Land- und Forstwirtschaft gerechnet werden. Biber können durch ihre Grabaktivität Schäden an Uferdämmen oder mit ihren Dämmen Überschwemmungen verursachen Häufige Probleme im Zusammenhang mit dem Biber sind das ‹Einbrechen› von Flurwegen, Frassschäden an Feldfrüchten, Obstbäumen und Nutzholzpflanzen. Gelegentlich kann auch ein Rückstauen bei Infrastrukturen durch den Dammbau von Bibern zu Problemen führen. Gemäss dem Konzept Biber Schweiz werden durch den Bund nur eindeutige Biberschäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen vergütet.»
Die Geschichte des Bibers im Kanton Bern
Einst sei der Biber in der ganzen Schweiz weit verbreitet gewesen, wird in der Dokumentation erinnert: «Im 19. Jahrhundert wurde er wegen seines wertvollen Pelzes jedoch fast vollständig ausgerottet. Nicht weniger gefragt war das sogenannte Bibergeil: Das Sekret, mit dem Biber ihr Revier markieren, galt als Wundermittel gegen ziemlich alle Krankheiten. Beliebt war auch das schmackhafte Fleisch des Bibers. Ab 1950 wurde er wieder angesiedelt und steht seit 1962 unter Schutz.» Die Berner Bibervorkommen gingen auf die Aussetzungen in den Nachbarkantonen Neuenburg und Waadt zwischen 1963 und 1974 zurück: «Der Bestand blieb während 20 Jahren stabil, obwohl im Kanton Neuenburg 1984 weitere Tiere ausgesetzt wurden. Eine eigentliche Neubesiedlung von Gebieten entlang der grösseren Flüsse erfolgte in den neunziger Jahren. Biber wanderten einerseits von Solothurn her der Aare westwärts folgend ins Bernbiet und andererseits vermutlich vom Zihlkanal durch den Bielersee in die unterhalb von Biel gelegenen Gewässer. Auf diesem Weg erfolgte ein Zusammenschluss mit den solothurnischen Biberbeständen. Anfang des neuen Jahrtausends etablierte sich der Biber im Bernbiet entlang grösserer Flüsse, indem er Burgen und vereinzelt sogar Dämme errichtete und auch in kleinere Seitenflüsse einwanderte. Die Biberbesiedlungen oberhalb der Wohlensee-Staumauer und im Gebiet der Aarelandschaft zwischen Thun und Bern gehen vermutlich auf entwichene Tiere aus dem Tierpark Dählhölzli infolge Hochwasser im Mai 1999 und im Mai 2000 zurück. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch Biber von unterhalb des Wohlensees aareaufwärts gewandert sind.»
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