Was einst als vielversprechende neue Lampentechnologie gefeiert wurde, ist nun längst auf den Verkaufsregalen und soll sogar bald alle Konsumenten zwingen, mit den Versprechungen von damals glücklich zu werden. Es sei eine energiesparende Gas-Entladungslampe mit praktisch gleichem Licht wie eine Glühlampe und ohne die Nachteile der bisherigen Birnen und Röhren. So hiess es. Was im massiven Sockel dieser teuren Leuchten verborgen war, schien niemanden zu interessieren. Inzwischen versteht man selbst als gewöhnlicher Benützer, dass die Erzeugung einer Hochfrequenz um 40 Kilohertz aus den 50 Hertz unseres Netzstromes, um hinterher das Leuchtgas in den gefalteten Glasröhrchen zu möglichst kaltem Licht anzuregen, auch nicht ganz ohne Abwärme funktioniert.
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Bruno Stanek
Mit freundlicher Genehmigung des Autors: Der Weltraumexperte, Mathematiker und Astrosoftwareautor Bruno Stanek schreibt im Schwyzer «Boten der Urschweiz» mehrmals einen solchen Beitrag im «Carte-Blanche-Bote-Forum». |
Als erstes lernten wir, dass die neuen Lampen fünfmal effizienter seien. Die Energiesparlampen bräuchten nur «ein paar Sekunden», bis sie ihre volle Leuchtkraft erreichen würden, aber es sei ein Aberglaube, dass der Umrechnungsfaktor fünf nicht stimmen würde. Also wechselte ich bei zwei Deckenlampen erst einmal die eine gegen eine mit Energiespar-Label aus und sparte mir die zweite mit Glühfaden noch so lange, bis sie selber kaputt ging. Zuvor aber gab sie noch lange ihr Bestes und leuchtete vielleicht deshalb einfach sichtbar heller als ihre Hi-Tech-Konkurrenz! Um nun das Büro nicht noch finsterer werden zu lassen, wählte ich beim zweiten Ersatz eine mit 20 statt 12 Watt. Ich würde nun während zehnmal längerer Zeit aller Burnout-Sorgen enthoben sein. Irgendwie kam es aber anders.
War es der Sparteufel, der einem dazu verführte, die billigsten Energiesparlampen zu kaufen? Immer mehr Lampen im Haus wurden ersetzt, obwohl noch immer Glühfaden-Vorräte in den Schubladen lagerten. Zum Glück! So war es nie ein Problem, wenn ein bereits defekt gekauftes Exemplar erst am nächsten Samstag im Supermarkt ausgetauscht werden konnte, weil man ja ausser Strom auch noch Benzin sparen will. Dann geschah bald wieder etwas Unmögliches: ein solcher 10 000-Stunden-Dauerleuchter gab den Geist schon längst vor seinem AHV-Alter auf! Zufall? Nach der dritten hegte ich allerdings einen anderen Verdacht: irgendein Wärmestau lässt die Birne in der Fassung zu heiss werden. Wie ist es möglich, dass der schwere Keramik-Sockel mit nur 12 bis 20 Watt ebenso heiss werden kann wie früher die alte Lampe mit 60 Watt? An der für mindestens 60 Watt dimensionierten Lampe konnte es nicht legen, dass trotzdem eine recht ähnliche Gleichgewichtstemperatur erreicht wurde! Sorgen diese neuen Lampen also durch ihre Konstruktion selber dafür, dass sie ihre theoretische Lebensdauer gar nie erreichen? Ich darf gar nicht daran denken, dass eine seinerzeit handelsübliche 100-Watt-Birne im Estrich erst nach 25 Jahren ersetzt werden musste, bei einer geschätzten Betriebsdauer von rund 1000 Stunden.
Wie kann man in einem mit Thermostat regulierten Haus im Winter überhaupt Energie sparen? Jede gelöschte Lampe bewirkt einfach, dass sich die Heizung um so viele Watt höher schaltet. Sparen ist also wirklich eine vertrackte Sache. Wenn die Lebensdauer der Energiesparlampen ebenfalls absichtlich begrenzt wird, dann ist der Spareffekt bald ganz dahin! 1000 Stunden einer herkömmlichen 60-Watt-Glühbirne kosten bei 15 Rappen pro Kilowattstunde nämlich 9 Franken, und da müssen die neuen Leuchten einiges länger halten, als ich das schon beobachtet habe!
Braucht es da noch zusätzliche Hiobsbotschaften, um die Konsumenten definitiv zu verunsichern? «Energiesparlampen sind Sondermüll – wegen bis zu fünf Milligramm Quecksilber pro Stück.» Das mag ja noch angehen – sogar Solarzellen sind Sondermüll, auch wenn das nicht gerne gesagt wird. «Höherer Energieaufwand für die Herstellung!» sollte die Götter schon eher aufscheuchen. Erst recht müsste der «Elektrosmog» der Sparlampen Sorgen machen, denn kopfnahe Leselampen im Wattbereich kommen neben den Handys im Milliwattbereich gar nicht gut weg.
Keine Sorge! Jede Schildbürgerei ist gut, wenn sie die Wirtschaft ankurbelt, und dazu gehören auch kontraproduktive Sparmassnahmen. Falls sie der Bürger nicht freiwillig mitmacht, dann gibt es ja Verbote, und die seien schon im Anmarsch. Passen Sie also auf mit den auf Vorrat gehamsterten Glühfadenlampen, sonst gelten Sie nach Klimaleugner bald auch noch als Sparleugner! Nun, immer noch lieber als eine Sparleuchte. |