Das vor vier Monaten in ein Gesundheitszentrum umstrukturierte frühere Spital Meiringen. (Archivbild Peter Schmid)
pd/bns. Die ersten Erfahrungen seit der Inbetriebnahme des Gesundheitszentrums seien gut, verlautete an der Medienorientierung des Verwaltungsrats sowie der Geschäftsleitung der Spitäler FMI AG (Spitalgruppe Frutigen, Meiringen und Interlaken) sowieder Ärzteschaft Oberhasli: «Die Operationszahlen in der Tageschirurgie entwickeln sich positiv. Leider ist die Auslastung der Postakutpflege bisher noch ungenügend. Nach wie vor wird in regelmässigen Gesprächen mit allen Beteiligten versucht, Probleme möglichst rasch zu erkennen und zu lösen und Verbesserungsmöglichkeiten auszuschöpfen.»
Das von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnete Gesundheitszentrum umfasse zurzeit auf zwei Stockwerken ein chirurgisches Ambulatorium, eine Tagesklinik für tageschirurgische Eingriffe, eine auch nachts betreute Station für Postakutpflege und Selbstzahler (Ferienbetten), Sprechstunden mit Fachspezialisten (nach Zuweisung des Hausarztes), die Administration, den Hausdienst und den technischen Dienst, chirurgisches Ambulatorium/Notfall: «Die beiden im Gesundheitszentrum Meiringen tätigen Chirurgen Christoph Schenk und Rainer Ackermann versehen einen Tagesdienst von 8.00 bis 20.00 Uhr über sieben Tage. Während dieser Zeit werden chirurgische Notfälle (Sportverletzungen, Schnittwunden, Quetschungen, Prellungen und Knochenbrüche und andere chirurgische Krankheitsbilder) versorgt, an ein bis drei Tagen werden ambulante Wahleingriffe durchgeführt.
Die Patienten werden entweder durch den Haus- oder Notfallarzt zugewiesen, oder melden sich direkt im Gesundheitszentrum. Ausserhalb der Öffnungszeiten des chirurgischen Ambulatoriums ist im Gesundheitszentrum kein Arzt anwesend, der ärztliche Notfalldienst wird durch die Hausärzte gewährleistet. Für medizinische Notfälle (Fieber, Herzprobleme, Atemnot, akute Verdauungsbeschwerden) wird bei Patienten, die sich am Tag oder in der Nacht im Gesundheitszentrum melden, der ärztliche Notfalldienst beigezogen.»
Postakutpflege
Im Gesundheitszentrum Meiringen werde neu eine Station für Postakutpflege geführt, war im weiteren zu erfahren. Hier könnten Patienten, die im FMI-Spital Interlaken oder in einem anderen Spital behandelt wurden, nach Abschluss der Akutphase bis zu ihrer Rückkehr nach Hause oder einem Übertritt in eine Rehabilitation gepflegt werden. Im Zentrum stehe dabei die Wiedererlangung der Selbständigkeit und Mobilität.
Bei Bedarf werde ein Physiotherapeut beigezogen: «Daneben führen unsere Fachleute Kurzinfusionen sowie Wundkontrollen oder Verbandwechsel durch.» Die Station sei auch nachts von diplomiertem Pflegepersonal betreut. Zwei Mal wöchentlich könnten die Patienten mit dem Arzt das weitere Vorgehen besprechen: «Die Einweisung erfolgt durch den Spitalarzt, die Kosten werden mit dem Aufenthalt im Akutspital verrechnet.»
Angeboten würden auf der Station für Postakutpflege auch Ferienbetten zur Entlastung von Angehörigen sowie Aufenthalte für Selbstzahler (tagsüber, nachts oder rund um die Uhr).
Sprechstunden mit Fachspezialisten: Die Spezialsprechstunden der Kardiologen und Orthopäden werden weitergeführt. Zu diesen Sprechstunden müssen die Patienten durch den Hausarzt zugewiesen werden. Die Röntgenabteilung funktioniere ebenfalls wie bisher, dank einer digitalen Röntgenanlage könnten die Aufnahmen direkt in Interlaken durch den Radiologen beurteilt werden. Am Mittwochmorgen komme wie bisher ein Radiologe für spezielle Untersuchungen nach Meiringen. Die Anmeldung erfolge durch die Hausärzte. Fachberatungen: Auf Zuweisung des Hausarztes würden im Gesundheitszentrum Meiringen zurzeit alle zwei Wochen Ernährungsberatungen durchgeführt: «Es sind Abklärungen im Gang, das Beratungsangebot zu erweitern.»
Nutzung der Räume
In absehbarer Zeit werde die Spitex Meiringen ihren bisherigen Stützpunkt ins neue Gesundheitszentrum Meiringen verlegen, verlautete im weiteren: «Für die Vermietung weiterer Räume sowie die generelle Weiterentwicklung des Gesundheitszentrums bestehen verschiedene Optionen. Abklärungen sind im Gang. So werden etwa in bezug auf den in absehbarer Zeit bevorstehenden Generationenwechsel bei den Oberhasler Hausärzten Möglichkeiten für Gemeinschaftspraxen mit gemeinsamer Infrastruktur diskutiert. Möglich ist etwa auch die Vermietung ganzer Raumeinheiten für andere Institutionen im Gesundheitswesen.»
Im Notfall
Erste Anlaufstelle in Notfällen ist laut Medieninformationen primär der Hausarzt, der diensthabende Oberhasler Notfallarzt oder die Notfallnummer 144: «Eine Ambulanz mit ausgebildeten Rettungssanitätern ist rund um die Uhr am Gesundheitszentrum Meiringen einsatzbereit. Der Rettungsdienst wird ebenfalls über die Nummer 144 aufgeboten. Patienten, die sich ausserhalb der Öffnungszeiten direkt ans Gesundheitszentrum wenden, werden hier von ausgebildetem Fachpersonal der Postakutpflege in Empfang genommen. Gemeinsam mit dem Hausarzt oder dem diensthabenden Notfallarzt wird das weitere Vorgehen abgesprochen. Aus Sicht der Hausärzte funktioniert die Zusammenarbeit bisher sehr gut.»
In einer Arbeitsgruppe mit den niedergelassenen Ärzten aus Brienz und dem Oberhasli wird laut den Informationen an einer optimalen Lösung für den Rettungsdienst gearbeitet: «Sicher ist, dass die Primärversorgung mit einem Rettungsfahrzeug wie bis anhin ab Meiringen sichergestellt ist. Die Spitäler FMI AG sowie die Ärzteschaft Oberhasli sind überzeugt, dass das Gesundheitszentrum Meiringen eine Chance darstellt, die medizinische Versorgung im geografisch weitläufigen Oberhasli zu gewährleisten. Es ist aber wichtig, dass das Gesundheitszentrum in der Öffentlichkeit wahrgenommen und auch in Anspruch genommen wird.»
Rückblick
Aufgrund der vergleichsweise wenigen Patienten und damit zu geringer Fallzahlen habe der Spitalstandort Meiringen seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, wurde in einem Rückblick erinnert: «Verstärkt wurden die Probleme durch den rasanten medizinischen Fortschritt, den deutlichen Rückgang der Aufenthaltsdauer, notwendige Investitionen in medizintechnische Geräte und die Einhaltung der neuen Standards der medizinischen Fachgesellschaften. Als problematisch erwies sich ferner die Einhaltung der Vorschriften des eidgenössischen Arbeitsgesetzes zur Gewährleistung des 24-Stunden-Dienstes durch kleine Teams. Die stark schwankenden und häufig niedrigen Patientenzahlen führten zu einer ungenügenden Auslastung einzelner Fachteams; die berufliche Tätigkeit wurde dadurch immer unattraktiver.»
Die Spitalgruppe FMI sei bis und mit 2006 in der Lage gewesen, intern zusätzliche finanzielle Mittel in der Grössenordnung von zirka anderthalb Millionen Franken pro Jahr zur Aufrechterhaltung des bestehenden Leistungsangebots in Meiringen zur Verfügung zu stellen: «Ende 2006 musste festgestellt werden, dass für das Rechnungsjahr 2007 gegenüber dem Vorjahr zirka eine Millionen Franken für den Betrieb fehlen, weil mit der Kantonalisierung der öffentlichen bernischen Spitäler neu zweckgebundene Mittel für Investitionen reserviert bleiben. Vor der Einführung des Spitalversorgungsgesetzes konnten diese auch für die Finanzierung des Betriebsaufwands verwendet werden. Auf ein entsprechendes Gesuch hin lehnte die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für die Aufrechterhaltung des Leistungsangebots in Meiringen ab. Sie bot aber Hand, ein Projekt zu finanzieren, das eine Umstrukturierung des Spitalstandorts Meiringen zu einem ambulanten und teilstationären Versorgungsstützpunkt vorsah, der zusammen mit dem Standort Interlaken die Versorgung der lokalen Bevölkerung ermöglicht. Der Verwaltungsrat der Spitäler FMI AG beschloss daher im Frühjahr 2007, den Akutbetrieb des Spitals auf die Jahresmitte hin einzustellen und ein Gesundheitszentrum aufzubauen. Dieser Entscheid wurde im März 2007 öffentlich kommuniziert.
Aussprachen mit Vertretern der politischen Behörden im Oberhasli, den Grossräten, dem Präsidenten der Oberhasli Landsgemeinde 2000 sowie den niedergelassenen Hausärzten zeigten, dass die Entwicklung im Spitalbereich einerseits bedauert, andererseits aber auch Verständnis für strukturelle Anpassungen aufgrund der neuen Rahmenbedingungen aufgebracht wird. Anerkannt wurden auch die Bemühungen der Spitäler FMI AG, innerhalb dieser Rahmenbedingungen für die lokale Bevölkerung ein möglichst attraktives und zukunftsgerichtetes Angebot aufrechtzuerhalten beziehungsweise zu schaffen.»
Mit grossem persönlichen Engagement aller Beteiligten seien die umfangreichen Vorarbeiten zur Organisation eines Gesundheitszentrums aufgenommen worden: «Parallel zum Tagesbetrieb erarbeitete ein intern gebildeter Koordinationsausschuss in Arbeitsgruppen zu verschiedenen Teilprojekten Abläufe und Lösungen.»
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