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Thun: Multimedialer Weltraumvortrag mit Bruno Stanek

Der Weltraumexperte, Mathematiker und Astrosoftwareautor Bruno Stanek hält am Freitagabend 23. November 2007 in Thun einen Vortrag zum aktuellen Stand in der internationalen Raumfahrt. Stanek geht ausführlich auf die Rückkehr zum Mond und die aktuellen Missionen zum Mars ein.

«Der Mensch geht gerne an einen Ort zurück, an welchen er gute Erinnerungen hat»: Der Raumfahrtexperte Bruno Stanek referiert am Freitag im Hotel Freienhof in Thun über Aktuelles zur Raumfahrt. (Bild Bruno Petroni)

Sein Gesicht kennt in der Schweiz – von den Teenagern vielleicht abgesehen – jeder. Seine kompetenten Moderationen bei den Apollo- und Shuttlemissionen zogen den hintersten Banausen aus seiner Ecke ans TV-Gerät. Und so präzise wie seine Erklärungen damals über den Sender gingen, so unmissverständlich äussert sich Bruno Stanek heute als Buchautor über Lügen, Betrügereien und Irrtümer. Erstmals seit zwei Jahren macht der beliebte Raumfahrtspezialist wieder im Berner Oberland Halt: Am Freitagabend 23. November 2007 orientiert Stanek im Hotel Freienhof Thun öffentlich über die Entwicklung in der Raumfahrt und blickt in deren Zukunft.

«700 Jahre Käse und Föhn haben gewirkt»
Der heute 64jährige Bruno Stanek ist Doktor der Mathematik. Bereits im Alter von 25 Jahren wurde er durch die Livesendungen während der Apollo-Missionen der NASA zum Mond bekannt. Er stellte während zwanzig Jahren eine eigene Ärzte-Software her und produziert und vertreibt seine stets aktualisierten elektronischen Raumfahrt- und Planetenlexika.
Bruno Petroni, Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Als Autor von kritischen und bisweilen auch satirischen Sachbüchern, darunter «Wie viel Irrtum braucht der Mensch?» und «Sparer leben gefährlich» (sechs Auflagen). nimmt er immer wieder mit Vorliebe die Panikmacher und Initianten haltloser Kritiken der Welt, aber auch Helvetiens, aufs Korn: «Denn 700 Jahre Käse und Föhn sind nicht ganz spurlos an unserem Volk vorbeigegangen.»

Gespräch mit Bruno Stanek
Bruno Stanek, lang ist es her seit dem 21. Juni 1969, als Sie die ganze Nation ins Mondlandefieber versetzten. Wann macht der Mensch die nächsten Schritte auf dem Mond? – In zwölf Jahren werden die Mondflüge wieder aufgenommen, und eine Basis an einem Mondpol errichtet. Nächstes Jahr lässt man dort einen Satelliten in den Mond einschlagen. Wenn die dadurch ausgelöste Dampfwolke Wasserdampf enthält, können damit später Sauerstoff und Wasserstoff genutzt werden.

Der nächste Schritt würde dann wohl die Eroberung des Mars sein. – Da ist tatsächlich einiges im Gang. Die derzeitigen grossen Erfolge mit den Marsmissionen lassen erahnen, dass der Mensch eines Tages zu einer Zivilisation werden wird, die in Kolonien im ganzen Sonnensystem wohnt. Bemannte Marsflüge finden kaum vor dem Jahr 2030 statt, wenn wir alle Religionen überleben, sicher aber in den nächsten fünfzig Jahren. Falls wir in hundert Jahren noch nicht auf dem roten Planeten sind, haben wir versagt. Wenn wir uns nicht anstrengen und auf unserem Wohlstand ausruhen, bleibt uns nur noch eine Rückentwicklung auf Steinzeitniveau.

Leben auf Mond und Mars klingt aber nicht sehr verlockend und lebensfreundlich. – Zu Beginn der Evolution konnte der Mensch auch nur in warmen Gefilden leben. Dann entdeckte er das Bärenfell und konnte sich den Polen nähern. Der Mensch macht also nichts anderes als seine Lebensbedingungen immer und immer wieder seinen Bedürfnissen anzupassen. So hätte noch vor wenigen Jahrzehnten keiner geglaubt, dass es in den Wüsten von Dubai oder Las Vegas angenehmes und luxuriöses Leben geben kann. Ähnlich wird das auch auf einem benachbarten Planeten aussehen. Wie in modernen Hotelanlagen. Der Mars liegt flugzeitlich nicht weiter weg als die Südsee für die Seefahrer vor dreihundert Jahren.

Der Nutzen der Raumfahrt wird aber immer wieder von gewissen Kreisen in Frage gestellt. – Ihre Nutzen sind längst bewiesen. Die technische Entwicklung auf der Erde wäre ohne sie niemals so rasch verlaufen. Laut Untersuchungen beidseitig des Atlantiks fliesst jeder in die Raumfahrt investierte Dollar oder Euro vierfach in die eigene Wirtschaft zurück.

Mit dem Älterwerden scheinen Sie kein Problem zu haben. Sie haben sich abgesehen von den paar weissen Haaren kaum verändert. – Vielleicht weil ich regelmässig schlafe, genug trinke und auf Käse und Schoggi verzichte – in der Schweiz quasi eine Gotteslästerung. Ich bin mit einem wenig risikofreudigen Betriebssystem ausgestattet, wandere aber sehr gerne. Leider leide ich unter einem permanenten Ohrgeräusch und zum Glück immer seltener an Kopfweh, teils auch vom vielen Arbeiten an den Computern. Wäre ich Briefträger geworden, wäre ich vielleicht noch gesünder.

Sie treten in diesem Herbstin Eigenregie nur gerade in Arth – Ihrem Wohnort – in Solothurn und in Thun auf. Wieso gerade in Thun? – Schon in früheren Jahren hatte ich im Freienhof und anderen Thuner Lokalitäten immer volle Säle. Das Berner Oberländer Publikum ist selbstbewusst und kritisch, traut sich auch, etwas zu fragen. Und der Mensch geht gerne an einen Ort zurück, an welchen er gute Erinnerungen hat. Das ist bei mir nicht anders.

Was dürfen wir an Ihrem Vortragsabend vom Freitag erwarten? – Ich werde unter anderem erklären, warum die bemannte Internationale Raumstation ISS eine Art Sackgasse wurde, wieso die Argumente der Mondlandungs-Verleugner reinen Lug und Trug verbreiten und wie die Besiedelung des Mondes in den nächsten fünfzig Jahren vor sich gehen wird. Dazu gibt es einige Leckerbissen aus der jüngsten Planetenforschung.

Sicher stossen Sie im Rahmen Ihrer Beschäfigung mit dem Weltall auch auf philosophische Fragen. Wie sieht das Universum beispielsweise jenseits der bekannten 15 Milliarden Lichtjahre aus? – Da muss und will ich passen. Man weiss es auch nicht, und es gehen einem in aller Demut die Erklärungen aus. Aber ich bin der Meinung, dass wir zuerst das kleine Einmaleins unseres Planetensystems beherrschen und die Welt vom Mikro- bis zum Makroskopischen verstehen lernen sollten. Wenn uns das eines Tages gelingt, bleiben gar nicht mehr so viele Fragen offen.

Weltraumvortrag mit Bruno Stanek. Freitag 23. November 2007 im Hotel Freienhof in Thun. Saalöffnung um 19.00 Uhr und in der ersten Dreiviertelstunde ein Vorprogramm mit neuen oder weiterhin beliebten Videos zur aktuellen Weltraumfahrt und ihren Resultaten, für die sonst zu wenig Zeit bei Vorträgen ist. Gegen 20:15 Uhr folgt das eigentliche Referat mit Aktualitäten und über den momentanen Stand der Entwicklung des kommenden Raumtransportsystems und die geplante Wiederaufnahme von Mondflügen im nächsten Jahrzehnt. Wie üblich am Rande auch Verkauf der Publikationen von Bruno Stanek. Ein Getränkebuffet für die abendfüllende Veranstaltung im Hotel vor dem Referat und in der Pause.
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