Präsentation eines Modellversuchs an der Hochschule für Technik in Rapperswil (Kanton St. Gallen). (Bild zvg)
pd/bns. Künftig sollen die Siedlungsgebiete von Wilderswil, Matten und Interlaken besser vor Hochwasser geschützt werden, heisst es in einer Medienmitteilung. Nach dem Hochwasser vom August 2005 seien verschiedene Massnahmen unter anderem auf Stufe Schwellengemeinde und Gemeinden eingeleitet worden: «Die Berner Oberland-Bahnen AG (BOB) leistet ihrerseits einen Beitrag, indem die BOB-Brücke über die Lütschine bei Wilderswil in eine Druckbrücke umgewandelt werden soll.» Im Auftrag der BOB sei eine Massnahmenstudie für die Brücke erstellt worden, heisst es im weiteren: «Im Rahmen der Versuche zeigte sich, dass nur eine Druckbrücke die Anforderungen erfüllt. Sie ist sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus betrieblichen Gründen einer Hubbrücke vorzuziehen.» Allein der Umbau der BOB-Brücke zu einer Druckbrücke würde aber noch nicht reichen. Gleichzeitig müsse die Fachwerkbrücke der Schynige-Platte-Bahn permanent um rund zwei Meter angehoben werden: «Bei der BOB-Brücke werden weiter auf der Oberwasserseite Leitbleche installiert, um Schwemmholz und sonstiges Geschwemmsel durchzuleiten. Damit wird auch der Verklausungsgefahr (Verstopfung) entgegengewirkt. Zudem werden die Widerlagerbereiche mit einem Kolkschutz (Kolk: lokale Erosion der Flusssohle) versehen.» Eine Hubbrücke liesse sich wegen des grossen Gewichts der Brücke und wegen der zahlreichen Werkleitungs- und Fahrleitungsanpassungen (Glasfaser, Starkstrom) nur mit einem unvernünftig hohen Aufwand realisieren. Deshalb sei in der Folge für die BOB-Brücke das Projekt einer Druckbrücke weiterverfolgt worden. Die Gesamtkosten dürften sich nach BOB-Angaben nach ersten Schätzungen auf rund 1,5 Millionen Franken belaufen. Auf gegen 1,1 Millionen Franken belaufe sich der Umbau der BOB-Brücke in eine Druckbrücke und auf rund 400 000 Franken würden die Kosten für die Brücke der Schynige-Platte-Bahn geschätzt.
Je höher der Wasserstand desto stärker der Abfluss
Bei einer Druckbrücke wird laut der Medienmitteilung das Ufer bis zur Oberkante Brückenrand erhöht und flussaufwärts mit einem «Staukragen» ergänzt: «Kommt nun mehr Wasser oder wird Geschiebe unter der Brücke abgelagert, so kommt es oberhalb der Brücke zu einem Aufstau. Damit erhöht sich der Wasserdruck, die Geschwindigkeit nimmt zu und dadurch kann mehr Wasser durchfliessen. Geschiebe kann so freigespült werden. Es gilt: Je höher der Wasserstand desto stärker ist der Abfluss.» Modellversuche an der Hochschule für Technik in Rapperswil (Kanton St. Gallen) hätten gezeigt, dass die BOB-Brücke als Druckbrücke Abflussspitzen von bis 350 Kubikmeter in der Sekunde ableiten könne. Zum Vergleich: «Beim Hochwasser im August 2005 flossen Spitzen von 220 bis 240 Kubikmeter in der Sekunde durch. Das Siedlungsgebiet wird durch die Schwellengemeinde Bödeli-Süd mit Erhöhung und Verstärkung des linksufrigen Hochwasserschutzdammes geschützt. Der rechtsufrige Schutzdamm wird nicht erhöht. Gemäss Wasserbauplanung ist vorgesehen, dass der rechtsufrige Kulturlandbereich als Überschwemmungsgebiet ausgeschieden wird.»
Modellversuch in Rapperswil besichtigt
Ein erstes Mal hatten sich laut der Medienmitteilung am 29. August Behördenvertreter über die Modellversuche mit einer BOB-Druckbrücke an der Hochschule für Technik in Rapperswil informiert: «Sie konnten sich so am Modell vor Ort ein Bild der Funktionsweise und der Vorteile machen, die eine Druckbrücke mit sich bringt.» Am Samstag 27. Oktober 2007 hätten die BOB nun auch die interessierte Bevölkerung von Wilderswil zu einem Augenschein nach Rapperswil eingeladen: «Rund 50 Personen nahmen an der Orientierung teil.»
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