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Berner Oberland News – 13. Jahrgang
Samstag 15. August 2009
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Seit Mitte Oktober 2008 ist es zu zeitweiligen Unterbrüchen in der aktuellen Berichterstattung der Berner Oberland News gekommen. Der Grund: Die im Sommer 2006 transplantierte Lunge von Beo-News-Herausgeber Peter Schmid zeigt Abstossreaktionen und muss im Universitätsspital Zürich entsprechend therapiert werden.



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Schynige Platte: Die Universität auf der Alpweide

Die Schynige Platte eignet sich nicht nur als Ausflugsziel, sondern auch für Lehre und Forschung. Aktuelle Projekte untersuchen den Einfluss von Klimawandel und landwirtschaftlicher Nutzung auf die Artenvielfalt. So hat die Abteilung für Pflanzenökologie der Universität Bern diesen Sommer wieder eine einwöchige Exkursion auf die Schynige Platte durchgeführt.

Einzelne Pflanzen sind als Keimlinge oder im blütenlosen Zustand selbst für Fachleute nicht leicht zu bestimmen. Vorne in der linken Bildhälfte die Biologiestudentin Christine Heiniger (Bild zvg)

pd/bns. Auf der Exkursion übten 15 Studenten – vom Zweitsemesterstudenten bis zur Doktorandin – an praktischen Beispielen, selber realistische kleinere Forschungsprojekte zu planen, auszuführen und zu präsentieren. Daneben nahmen die Studenten Standorte seltener Pflanzen für das Zentrum des Datenverbundnetzes der Schweizer Flora auf und leisteten so schon einen Beitrag zur Erweiterung der Datengrundlage für die Forschung. Die Arbeit bedingt Ausdauer. Neben Purpurenzian, Arnika und Glockenblumen, die auch Laien schon von weitem auffallen, können auf einem Quadratmeter leicht über 40 weitere Blütenpflanzen vorkommen. «Besonders schwierig sind die Blätter von Goldpippau und Milchkräutern auseinander zu halten», sagt die Biologiestudentin Christine Heiniger. Und auch über die Identität von noch nicht oder nicht mehr blühenden Gräsern können selbst Fachleute heftig diskutieren.

Spätfolgen erforscht
Die Bestimmungsarbeit wiederholen Christine Heiniger und ihre freiwilligen Helfer – Studenten und Mitglieder von botanischen Vereinen – diesen Sommer 340 Mal: Aus so vielen unterschiedlichen Teilflächen besteht die Versuchsweide, die zwischen 1930 und 1934 als alpwirtschaftlicher Düngerversuch angelegt wurde und auf der heute langfristige Entwicklungen in Lebensräumen an der Waldgrenze erforscht werden.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Abteilung Pflanzenökologie an der Universität Bern untersucht Christine Heiniger, wie sich die einzelnen Pflanzenarten und die Artenzusammensetzung in den letzten 80 Jahren entwickelt haben, und welches Gewicht dabei verschiedene natürliche und menschliche Einflüsse hatten.
Bis heute sieht man Unterschiede zwischen den Flächen, die in der Zwischenkriegszeit unterschiedlich gedüngt wurden. «Die Düngeffekte werden aber möglicherweise von anderen Einflüssen überlagert», erläutert Heiniger, die deshalb auch Bodentiefe, Bewirtschaftung und Klimawandel in ihre Arbeitshypothesen einbezieht.

Was sagt der Klappertopf?
«Beim Vergleich mit alten Daten fällt mir zum Beispiel auf, dass der Klappertopf heute auf vielen Flächen häufig ist, während er früher auf allen Flächen fehlte.» Bedeutet das nun, dass der Klappertopf wegen des wärmeren Klimas an der Waldgrenze häufiger geworden ist? Oder sind es doch Spätfolgen der Düngung? Viel naheliegender scheint Heiniger in diesem Fall die Erklärung, dass die Versuchsweide seit vielen Jahren nicht mehr im Hochsommer beweidet, sondern im Spätsommer gemäht wird. «So kann sich der Klappertopf als einjährige Pflanze, die recht spät versamt, viel besser ausbreiten.»

Festlegen kann sich die Biologiestudentin aber erst, wenn sie alle Daten systematisch verglichen und eine Interpretation gefunden hat, die das Gesamtbild schlüssig erklärt. Die Aufnahmen, die diesen Sommer von der Versuchsweide durchgeführt werden, dienen nicht nur Heinigers Arbeit, sondern führen zugleich die im Jahr 1930 begonnenen Datenreihen von der Schynigen Platte weiter und füttern gesamtschweizerische botanische Datenbanken – Grundlagen, auf die viele andere Forscher zurückgreifen können.

Klimaforschung
Für die Klimaforschung ergänzt eine Arbeitsgruppe um Patrick Kuss, Assistent an der Abteilung für Pflanzenökologie der Universität Bern, die Langzeitdaten von der Versuchsweide mit einem eigenen Experiment. Dazu hat sie zwischen Gündlischwand und Schynige Platte vier Versuchsgärten mit gleicher Exposition im Abstand von je 400 Höhenmetern angelegt.

«Mit 100 Meter Höhenzunahme fällt die Temperatur um etwa 0,6 Grad», erläutert Kuss. «So nehmen die Höhenunterschiede zwischen unseren Gärten die für die Schweiz prognostizierte Klimaerwärmung der nächsten Jahrzehnte von bis zu zwei bis drei Grad vorweg.» Untersucht wird, wie sich die Erwärmung, aber auch unterschiedliche Niederschläge und Nährstoffeinträge auf die Entwicklung von Pflanzengemeinschaften auswirken: Bleiben sie stabil, oder verschieben sich die Entwicklungen der einzelnen Arten mit der Höhe und den Jahreszeiten in unterschiedlicher Weise – und was bedeutet es, wenn eine Pflanzenart früher blühen sollte? Könnten zum Beispiel Bienen oder andere Bestäuber damit umgehen? Oder geraten Pflanzen- und Tiergemeinschaften, die sich im Laufe einer langen, gemeinsamen Evolution aneinander angepasst haben, in Schwierigkeiten? Erste Antworten aus den «Höhengärten» erwartet die Arbeitsgruppe für das Jahr 2010.

Die Untersuchungen auf der alten Versuchsweide der Schynigen Platte und in den neuen Höhengärten sind Teil der Arbeiten, mit denen das Team der Abteilung Pflanzenökologie unter Leitung von Professor Markus Fischer die Folgen von Klimawandel und Veränderungen menschlicher Bodennutzung auf die Entwicklung von Pflanzengemeinschaften und Pflanzenarten erforschen. Die Pflanzenökologen arbeiten dabei unter anderem eng mit dem Oeschger-Zentrum für die interdisziplinäre Klimaforschung zusammen.

Die Versuchsweide Schynige Platte
Zwischen 1930 und 1934 legte Werner Lüdi, Privatdozent an der Universität Bern, auf der Alp Iselten, nahe dem botanischen Alpengarten Schynige Platte, eine Versuchsweide mit 340 Versuchsflächen von je einem Quadratmeter (plus Pufferzonen) an. Mit unterschiedlichen Düngerarten und -mengen sowie unterschiedlichen Bearbeitungsmethoden versuchte Lüdi, aus der für viele Alpen typischen, mageren Borstgrasweide eine ertragreichere Milchkrautweide zu machen. Mit einzelnen Düngern hatte Lüdi Erfolg: Auf diesen Flächen wurde tatsächlich mehr Futter von besserer Qualität geerntet.

Was in der Zwischenkriegszeit als Versuch im Geiste der «Anbauschlacht» begann, dient heute der Erforschung der Artenvielfalt und ihrer Beeinflussung durch den Menschen. Denn Anfang der 1970er Jahre bemerkte Otto Hegg, wissenschaftlicher Leiter des Alpengartens und damals Professor für Geobotanik an der Universität Bern, dass die Folgen der alten Düngversuche immer noch sichtbar waren – einzelne Quadratmeter waren von den Kühen intensiv abgeweidet, andere gar nicht.
Wiederholte botanische Aufnahmen der Versuchsflächen ab dem Jahr 1970 bestätigten den ersten Eindruck: Die Eingriffe aus der Zwischenkriegszeit wirken bis heute in der Artenzusammensetzung der Pflanzengesellschaften nach.

Also drehte Hegg die Zielrichtung der Forschung um. Nicht die höhere Produktivität stand in den folgenden Forschungsarbeiten im Zentrum, sondern die Artenzusammensetzung der Vegetation. Die Hauptfragen waren jetzt: Welche Arten hatte die Düngung zum Verschwinden gebracht, und welche vermehrten sich? Wie lange dauerte es, bis die verschwundenen Arten wieder zurückkehrten? Wie wirkten die verschiedenen Dünger auf die einzelnen Arten? Und was bedeuten diese Veränderungen für den Naturschutz? Heute liefert diese Forschung wichtige Beiträge zu verschiedenen aktuellen Fragen – vom Klimawandel bis zur Erhaltung einer vielfältigen Kulturlandschaft und nachhaltigen Landwirtschaft.

Die Forschungsbedingungen auf der Schynige Platte sind einzigartig. Denn weltweit gibt es nur einen bis heute systematisch dokumentierten Düngversuch, der noch älter ist – die 153jährige Versuchsanlage Rothamsted in der Nähe von London; und für den Bereich der Waldgrenze ist die «Lüdi-Weide» der älteste brauchbare Versuch überhaupt.

Ausbildung auf der Schynigen Platte
Das Fach Pflanzenökologie umfasst alles, was Pflanzen beeinflusst: Von Geologie, Relief, Klima und anderen Einflüssen der unbelebten Umwelt über die Wechselwirkung von Pflanzen mit anderen Pflanzen, mit Tieren, Pilzen oder diversen Einzellern – etwa mit Bodenorganismen, Parasiten und Bestäubern – bis hin zu den Einflüssen der menschlichen Nutzung. Und sie untersucht, wie sich einzelne Pflanzenarten oder ganze Pflanzengemeinschaften im Laufe der Zeit entwickeln.

Wichtige Themen im Alpenraum sind derzeit etwa der Rückgang artenreicher landwirtschaftliche Flächen, deren Nutzung entweder intensiviert oder ganz aufgegeben wird, oder die Frage, wie kleine, isolierte Pflanzenvorkommen mit ihrem kleinen Erbgutreservoir überleben können – ein Problem, das früher vor allem Pflanzenarten in den stark fragmentierten Lebensräumen des Gebirges lösen mussten und das nun auch zunehmend Arten im intensiv bewirtschafteten und zersiedelten Flachland betrifft.

Grössere Alpen mit vielfältigen Lebensräumen bieten für die praktische Ausbildung im Feld in all diesen Bereichen ideale Bedingungen. Auf der Schynigen Platte kommt die Vielfalt möglicher Methoden dazu: Studenten können nicht nur beobachten und vergleichen, sondern dank dem botanischen Alpengarten samt Labor und Versuchsweide auch experimentell arbeiten.

Alpengarten 2009. Öffnungszeiten: täglich 8.30 bis 18.00 Uhr. Eintritt frei. Führungen nach Voranmeldung 50 Franken pro Gruppe (ab 20 Personen wird eine Gruppe geteilt). Telefon 033 822 28 35. Anfahrt per Bahn (Interlaken Ost-) Wilderswil–Schynige Platte: Fahrzeit ab Wilderswil 50 Minuten www.jungfraubahn.ch / Weitere Informationen unter www.alpengarten.ch
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