Neues Katastrophenhilfefahrzeug für das östliche Oberland
Mit Hauptstandort Unterseen ist das erste Katastrophenhilfefahrzeug («Kata») im Kanton Bern in Betrieb genommen worden. Der Einsatz des Fahrzeugs, eine Weiterentwicklung der bisherigen Katastrophenhilfeanhänger, ist vor allem in den Amtsbezirken Oberhasli und Interlaken vorgesehen, kann aber gegebenenfalls auch anderswo für die Erstversorgung von bis zu 35 Patienten eingesetzt werden.
Das neue Katastrophenhilfefahrzeug beim FMI-Spital Interlaken in Unterseen. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)
ds. Das neue Sonderfahrzeug ist nach Herstellerangaben vielseitig einsetzbar, sei es als Sanitätsposten oder als Einsatzmittel an nationalen Grossereignissen. Es diene den Rettungskräften als Materialdepot mit medizinisch technischem Hilfeleistungsmaterial sowie als Erstversorgungsstation. Das von der Tony Brändle AG, Wil, gebaute Katastrophenhilfefahrzeug basiere auf einem Mercedes-Benz Sprinter 515 mit Allradantrieb. Das Fahrzeug soll möglichst schnell eingesetzt werden können. Die Kosten für das an der Medienorientierung von Martin Hofer, Leiter des Rettungsdienstes der Spitäler FMI AG (Spitalgruppe Frutigen, Meiringen und Interlaken) vorgestellte Fahrzeug belaufen sich samt Material und Inhalt auf 320 000 Franken und werden nach Angaben an einer Medienorientierung vom Kanton Bern im Rahmen der Vollfinanzierung des Rettungswesens übernommen. Mit dem Material in diesem Fahrzeug könnten die Rettungskräfte im Ernstfall fünf Schwer-, zehn Mittel- und zwanzig Leichtverletzte versorgen. An Material führe das Fahrzeug unter anderem 18 Bahren, 12 000 Liter Sauerstoff, 60 Liter Infusionen, 140 Ampullen Medikamente, 370 Stück Verband- und Fixationsmaterial sowie drei Stromgeneratoren mit sich. Um Verletzte vor neugierigen Blicken zu schützen, könnten neben einem Schnelleinsatzzelt vier Behandlungsplätze mit Planen abgedeckt werden. Die Sanitätshilfsstelle mit Behandlungsplatz sei in acht bis zwölf Minuten einsatzbereit. Auf dem Dach des Fahrzeugs sorge ein Beleuchtungsballon mit 99 000 Lumen für eine blendfreie Umfeldbeleuchtung.
Das für eine Million Franken neu gebaute Garagierungsgebäude.
Urs Gehrig, Direktor und stellvertretender Vorsitzender der Gechäftsleitung der Spitäler FMI AG orientierte über das eine Million Franken teure und in knapp sechs Monaten gebaute, neue Garagierungsgebäude. Für die alte Garage sei vom Kanton im Jahr 2003 wegen Gefährdung der Einsatzfähigkeit nur noch eine provisorischen Betriebsbewilligung – mit der Auflage bis 2008 eine neue Garage zu bauen – erteilt worden. In der alten Garage, die überhaupt nicht mehr den Anforderungen entsprochen habe, seien vor allem zu wenig Platz zur Aufbewahrung von Material sowie eine schlechte Garderobe vorhanden gewesen. Auch die feuerpolizeilichen Vorschriften seien nicht mehr erfüllt worden. Überdies habe ein Teil der Fahrzeuge draussen stehen müssen. Deshalb habe auf Landreserve des Spitals die vom Kanton Bern, mit einer Million Franken finanzierte, neue Garage gebaut werden können. Heute könne man im neuen, modernen Zweckgebäude in der beheizten Garage fünf Fahrzeuge warten und retablieren, und es gebe nun Materialräume und genügend Garderoben. Das neue moderne Zweckgebäude passe gut in die Gegend.
Im weiteren wurde an der Medienorientierung erinnert, die FMI-Spitäler müssten im Rahmen des Leistungsvertrags des Kantons die notfallmedizinische Versorgung im östlichen Oberland und im Frutigland sicherstellen, das heisst ein Gebiet mit der Fläche von 1764 Quadratkilometer oder 30 Prozent des Kantons Bern abdecken und 65 000 Einwohner (6,5 Prozent der Berner Bevölkerung) versorgen: «Zur Einwohnerzahl kommt aber noch ein Mehrfaches an Touristen, Tagesausflüglern, Festivalbesuchern und Kongressteilnehmern.» Der Rettungsdienst unterhalte sechs Standorte. Davon seien drei spitalgebunde Standorte in Interlaken (Unterseen), Frutigen und Meiringen. In Grindelwald, Lauterbrunnen und Adelboden werde mit drei privaten Rettungsdiensten zusammengearbeitet. Hauptstandort sei das FMI-Spital Interlaken in Unterseen. Pro Jahr würden etwa 5000 Einsätze gefahren, davon ein Drittel Verlegungen und zwei Drittel Notfalleinsätze. Gemacht würden diese mit 13 Ambulanzen, einem Dienstleiterfahrzeug, einem «Kata»-Anhänger (Standort Frutigen neatgebunden) sowie neu mit dem Katastrophenhilfefahrzeug. Beim Rettungsdienst seien rund 40 Mitarbeiter beschäftigt.
Laut Urs Aebersold vom Kantonsarztamt, Leiter Abteilung Rettungswesen und Katastrophenvorsorge, ist die Spitäler FMI AG einer der acht Rettungsdienste im Kanton. Gesamthaft würden jährlich gegen 50 000 Rettungen von allen Rettungsdiensten zusammen geleistet davon seien ungefähr 34 000 Notfalleinsätze. Mit dem neuen Fahrzeug – bis jetzt seien dies alles «Kata»-Anhänger gewesen – habe es im ganzen Kanton nun acht Katastrophenfahrzeuge. Davon entfielen auf den Rettungsdienst der FMI-Spitäer zwei Katastrophenfahrzeuge – ein «Kata»-Anhänger in Frutigen und neu das Katastrophenhilfefahrzeug in Unterseen. Urs Aebersold: «Katastrophen kommen gottseidank nicht so häufig vor, aber man muss vorbereitet sein.» So sei beim Eisenbahnunglück bei Gsteigwiler ein «Kata»-Anhänger im Einsatz gewesen.
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