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Berner Oberland News – 13. Jahrgang
Donnerstag 14. Mai 2009
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Nach Mitte Oktober 2008 kann es zu zeitweiligen Unterbrüchen in der aktuellen Berichterstattung der Berner Oberland News kommen. Der Grund: Die vor zweieinhalb Jahren transplantierte Lunge von Beo-News-Herausgeber Peter Schmid zeigt Abstossreaktionen und muss im Universitätsspital Zürich entsprechend therapiert werden.



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Einzelstücke der Sonderausstellung: Geschirr, Syphonflaschen und eine alte Billettkasse. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)
Sonderausstellung 150 Jahre Casino-Kursaal Interlaken

Vom 14. Mai bis 18. Oktober 2009 zeigt das Touristikmuseum der Jungfrauregion in Unterseen eine Sonderausstellung zum Thema «150 Jahre Casino-Kursaal Interlaken – 1859 bis 2009».

An der Vernissage der Sonderausstellung vor Abstimmungsplakaten. Links Christoph Wyss, Leiter des Touristikmuseums in Unterseen, rechts Peter Honegger, Verwaltungsratspräsident der Casino Kursaal AG.

ds/pd. In einem grösseren Rahmen soll das 150- beziehungsweise 151jährige Bestehen des Casino-Kursaals erst im kommenden Frühjahr bei der Eröffnung des neuen Kongresshauses gefeiert werden, war am Mittwoch an der Vernissage der Sonderausstellung zu erfahren.

Im Jahr 1858: 33 Bürger erwerben das Grundstück Aarzelgmatte vom Kanton Bern, auf welchem heute das Casino-Kursaal liegt, zur Errichtung einer Kur- und Molkeanstalt und eines Kur- und Gesellschaftshauses. Die Käufer verpachten dem französischen Baron Azène de Plessis das Terrain, der sich verpflichtet, darauf den Kursaal zu bauen.

1859: Im Februar erhält du Plessis die Baubewilligung und bereits am 15. Juni werden in den neuen Gebäuden Molken ausgeschenkt. Die feierliche Eröffnung des neu erbauten Kursaals mit Lokalen für Lektüre, Spiel, Konversation, Restauration, Musik und Bällen findet am 20. Juli mit einem grossen Fest und Feuerwerk statt. Bereits ein Monat später wird das Verbot für «Hasard Spiele» erlassen, worauf das Kurhaus wieder geschlossen wird. Lediglich der Betrieb der Molkekuranstalt wird weitergeführt.

1862: Nachdem der französische Baron Du Plessis verschwunden ist, wird durch die Käufer der Aarzelgmatte die Aktiengesellschaft «Kurhausgesellschaft Interlaken» gegründet.

1873: In der Mittelachse des Kursaalgartens wird ein Musikpavillon errichtet. Im Jahr 1892 wird er auf die linke Seite verschoben, damit vom Hauptgebäude aus die Jungfrau sichtbar ist.

1883: Die «Casinogesellschaft» führt erneut das Rösslispiel (Jeu des petits chevaux) ein, um dem Kursaal die dringend benötigten Einnahmen zu garantieren.

1885: Das Rösslispiel bringt einen Reingewinn von rund 15 000 Franken. Doch droht die Gefahr, dass das bisher als harmlos eingestufte Glücksspiel verboten wird und dem Kursaal droht der Verlust dieser willkommenen Einnahmen.

1888: Gemäss Gesetz sind in öffentlichen Wirtschaften Hasardspiele verboten. Um die gesetzlichen Auflagen rund um das Spiel zu erfüllen, erklärt der Verwaltungsrat den Kursaal zu einem privaten Etablissement. Demzufolge wird die einheimische Bevölkerung vom Kursaal ausgeschlossen.

1889: Der Kursaalgarten wird zum ersten Mal elektrisch illuminiert.

1890: Das neue Spielgesetz des Kantons Bern erlaubt offiziell das Glücksspiel. Im Kursaal Interlaken wird neben dem bekannten «Rösslispiel» auch ein Eisenbahnspiel angeboten.

1898: Die Molkekuranstalt wird aufgrund neuster medizinischer Erkenntnisse geschlossen. Es erfolgt die Einrichtung und Verpachtung einer Bierwirtschaft und die Nutzung der Räumlichkeiten für allerlei Festlichkeiten.

1899 bis 1910: Der erste grosse Neubau wird vorgenommen, da die Räumlichkeiten bei festlichen Anlässen längst zu eng geworden sind. Der Neuenburger Architekt Paul Bouvier schuf den heute unter Denkmalschutz stehenden Kursaal mit Konzert-, Spiel- und Theatersaal wie auch dem Eingang und dem neugestalteten Kursaalgarten.

1910: Eröffnung des grossen Konzert- und Theatersaals. Veranstaltungen jeglicher Art werden im Kursaal erfolgreich abgehalten. Interlaken entwickelt sich zum Kongressort und damit wird der Kursaal auch für wichtige internationale Tagungen genutzt. Die Kurhausgesellschaft kauft das anliegende Hotel Belvédère um die Zufahrt zu verbessern und Parkplätze zu bauen. Das Hotel wird 1943 an die Gemeinde Interlaken verkauft.

1914: Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wird fast das ganze Personal eingezogen und der Kursaal geschlossen. Die Rechnung schliesst mit einem Verlust von 75 000 Franken ab. Am 13. Juli wird auf Bundesebene eine Volksinitiative für ein Spielverbot eingereicht. Wiedereröffnung mit kriegsbedingtem schlechtem Geschäftsgang und reduziertem Betrieb auf Drängen der Hotellerie. Der Verlust beträgt rekordverdächtige 181 000 Franken.

1918: Die aufgelaufenen Schulden der Kurhausgesellschaft belaufen sich auf 2,2 Millionen Franken.

1920: Langsam steigen die Gäste- und Besucherzahlen wieder und viele in- und ausländische Touristen besuchen die Konzerte und Veranstaltungen im Kursaal. Das Kurorchester wurde in der Hauptsaison von 22 auf 37 Mann verstärkt. Am 20. März wird die Volksinitiative für ein Spielverbot mit knappem Mehr angenommen. Dem Kursaal verbleiben fünf Jahre bis er den Spielbetrieb einstellen muss.

1921: Mit den Banken und Gläubigern wir ein Sanierungsvertrag ausgehandelt, der auf dem Obligationenkapital von 1,5 Millionen Franken einen variablen Zinsfuss zugesteht.

1925: Trotz Eingaben des Schweizerischen Kursaalverbandes als auch verschiedener Vorstösse im National– und Ständerat beschliesst der Bundesrat, dass das Spielverbot ab 20. März 1925 gilt.

1926: Das offizielle Kurkomitee gewährt der Kurhausgesellschaft eine jährliche Subvention von 30 000 Franken unter der Bedingung, dass die Gäste Gratiseintritt in den Kursaalgarten haben. An einer ausserordentliche Gläubigerversammlung stimmten die Obligationäre einer Zinsreduktion zu. Der Präsident der Kurhausgesellschaft initiiert als Präsident des Schweizerischen Kursaalverbandes das «Volksbegehren zur Erhaltung der Kursäle und zur Förderung des schweizerischen Fremdenverkehrs». Die sogenannte «Spielbankeninitative» kommt mit 131 017 beglaubigten Unterschriften zustande.

1928: Die Spieleinnahmen fehlen und der Kursaal kämpft ums Überleben. Die Kursaalinitiative mit beschränkten Spielmöglichkeiten wird am 2. Dezember 1928 vom Schweizervolk angenommen. Der Spieleinsatz ist auf zwei Franken limitiert und 25 Prozent der Einnahmen sind für gemeinnützige Werke abzugeben.

1929: Das wiedereingeführte Spiel erbringt einen Gewinn von 118 000 Franken. Doch dann kommt der «schwarze Freitag», der alle Hoffnungen wieder zu Nichte macht.

1930: Die Kurhausgesellschaft beteiligt sich am Bau des Strandbades und der Zufahrtsstrasse. Der Kursaal übernimmt die Restauration im Strandbad.

1932: Grosse finanzielle Probleme als Folge der Weltwirtschaftskrise führen zu einer weiteren Sanierung, dem die Banken und Obligationäre zustimmen.

1933: Da die Kurhausgesellschaft die Gemeinde– und Staatssteuern nicht bezahlen konnte, wurde am 5. Juli der Zahlungsbefehl zugestellt. Das bedeutet, dass die Gemeinde frühestens am 5. Januar 1934 ein Pfandverwertungsbegehren beantragen könnte. Die Kurhausgesellschaft konnte sich mit der Gemeinde Interlaken einigen, die einen Vorschlag des Verkehrsvereins annahm.

1937: Die weiterhin schwierige Wirtschaftslage zwingt den Verwaltungsrat zu einer weiteren Sanierung. Das Aktienkapital wird massiv heruntergesetzt, die Banken und Obligationäre verzichten auf einen Teil ihrer Einlagen und der Zins wird variabel festgelegt. So konnte der Kursaal die aufgelaufenen Schulden von 635 000 Franken abschreiben.

1940: Wieder schliessen sich die Tore des Kursaals aufgrund des Zweiten Weltkrieges. Die Räumlichkeiten werden zum Lagerhaus der Armee umfunktioniert.

1942/1943: Die Vermietung brachte nicht genug Einnahmen, was eine neue, radikale Sanierung erfordert. In den folgenden Monaten wurde der Kursaal zum Spielball zweier Aktionärsgruppen, die sich endlich am 12. Oktober 1943 zu einer gründlichen Sanierung durchringen konnten.

1945/1946: Die bis zu dem Zeitpunkt noch offene Konzerthalle wird mit Glasfenstern eingewandet, um vor Wind und Wetter Schutz zu bieten. In diesem Zusammenhang wird der ganze Garten, der Springbrunnen und die Blumenuhr umgestaltet. Im Ostflügel, dem damaligen wenig genutzten Lesesaal wird eine Bar eingerichtet (heutiger Spycher) und die Beleuchtung wird dem damaligen Stand der Bedürfnisse angepasst.

1946: Der Kursaal wird nach Abschluss der Bauarbeiten und Ende des Zweiten Weltkriegs wiedereröffnet. Geplant waren «Interlakner Festspiele» mit acht Symphoniekonzerten und 43 Opern– und Ballettaufführungen und fünf Kammermusik-Serenaden. Wegen Geldmangel konnte dieser gigantische Anlass nicht durchgeführt werden. Die Konzerte des Conzertgebouw-Orchesters aus Amsterdam legten den Grundstein für die Mozart-Wochen und den heutigen «Interlaken Classics».

1955 bis 1958: Die Bar wird in ein modernes Bar-Dancing umgebaut. In der Konzerthalle werden 16 Holzsäulen entfernt, da sie die Sicht der Zuschauer auf die Bühne behindert hatten. Sie werden durch Stahlträger, die in unter der Holzverkleidung verschwinden, ersetzt. Die Bühne der Konzerthalle wird um- und ausgebaut. Die Beleuchtung und Akustik wird verbessert, eine Heizung wird eingebaut und für die Artisten werden die Garderoben und Toilettenanlagen unter der Bühne modernisiert. Das Bar-Dancing wird erneut umgebaut und vergrössert. Ein kleiner, an die Bar angrenzender Spielsalon (heutiges «La Boule») wird angebaut.

1959: Das 100-Jahr-Jubiläum wird mit grossem Aufwand gefeiert. Dem Kursaal geht es finanziell gut.

1960 bis 1965: Die sechziger Jahre liessen sich gut an. Interlaken verzeichnete eine massive Steigerung der Gästezahlen. Man ging in den Kursaal. Höhepunkt der Saison 1960 war ein Gastspiel des Wiener Staatsopernballetts. Mitten im Winter 1962 fand zum ersten Mal eine Fernsehdirektübertragung aus dem ungenügend geheizten Konzertsaal statt.

1967: Der neue Eingangsbereich am Höheweg entsteht und das «Petit Casino» wird eingeweiht.

1969: Zum ersten Mal wird im Kursaal für den europäischen Bierbrauerkongress ein Bankette für 1200 Personen durchgeführt.

1970: Am 7. August fegt ein Sturm über das Bödeli und fällt im Kursaalgarten neun Tannen und drei weitere Bäume.

1971: Nach langen Diskussionen liegt ein erstes konkretes Projekt für einen Kongresssaal mit Kosten von 16,3 Millionen Frankenvor. Das Beitragsgesuch wird von der Kantonsregierung abgelehnt.

1973: Die «Kongresshaus Interlaken AG» wird gegründet, die als private Firma den Bau des Kongresshauses vorantreiben soll und für die Beschaffung der Finanzen zuständig ist.

1976: Der Interlakner Souverän lehnt den Beitrag von zwei Millionen Franken an der Urne ab. Die Beteiligten streuen sich Asche aufs Haupt und es werden Sündenböcke gesucht.

1978: Nachdem der Kursaal als Bauherr auftritt, kommt das Geschäft voran. Eine Aktienkapitalerhöhung zeigt grossen Erfolg und wird überzeichnet. Die Finanzierung war gesichert und es konnte mit dem Bau begonnen werden.

1980: Nach langjähriger Planung mit manchem Misserfolg wird das Kongressgebäude mit dazugehörigem Foyer und einigen kleineren Gruppenräumen im Unter- und Obergeschoss eingeweiht. Der Kostenvoranschlag von 6,3 Millionen Franken konnte von den Architekten eingehalten werden. Der Kursaal wird in die Liste der eidgenössischen Kunstaltertümer aufgenommen und unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt.

1980 bis 1984: Der Kursaal wird aussen saniert.

1983/1984: Die Restaurierungsarbeiten im Theatersaal und im ehemaligen Spielsaal (heute Ballsaal) werden vorgenommen.

Das im Jahr 1984 restaurierte Rondell. (Bild zvg)

1984:
Renovation und Restaurierung des Rondells, welches den Eingang zum ehemaligen Spielsaal (Ballsaal) und zur American Bar, heutiges Club Casino, bildet.Die American Bar wird kurzzeitig in ein Cafe umfunktioniert und dabei baut man einen Plafond unter die Kuppel, um eine «gemütlichere» Atmosphäre herzustellen und Heizkosten zu sparen. Das Cafe entpuppt sich schnell als Flop, und der Saal wird zum Vorbereitungsraum für Anlässe umfunktioniert.

1985/1986: West- und Osttrakt erhalten ein neues Gesicht. Der noch offene Westeingang erhält eine Verglasung mit zwei Türen. Die Glasfront des Osttrakts wird durch zwei Türen ersetzt, der Vorraum wird zur Garderobe umfunktioniert.

1987: Das Bar-Dancing wird einem erneuten Umbau unterzogen, es entsteht das Folklore Restaurant «Spycher»

1993: Als am 1. Juni das Spiel mit Geschicklichkeitsautomaten erlaubt wird, öffnet das Spielcasino seine Tore, in welchem der Bouletisch seinen Ehrenplatz erhält.

1997: Totalrenovation des Restaurants «Petit Casino» und Neueröffnung. Der Kursaal Interlaken wird ISO 9000 zertifiziert. Die Niedrigdecke in der ehemaligen American Bar wird wieder demontiert und der Raum restauriert. Es entsteht das heutige Club Casino. Die Kurhausgesellschaft Interlaken AG erhält einen neuen Namen: Casino Kursaal Interlaken AG (CKI). Am 24. Oktober erteilt der Bundesrat der CKI eine Spielbanken Konzession Typ B. Die CKI gründet eine Tochtergesellschaft «Casino Interlaken AG». Sie bezweckt die Führung einer Spielbank Typ B. Als erstes seiner Art in der Schweiz eröffnet das Casino Interlaken seine Türen im Sommer.

2004: Casino Kursaal Interlaken wird stolzes Mitglied von Historic Conference Centers in Europe www.hcce.com

2008: Nach über zehnjähriger, von Rückschlägen geprägten Planung ist es soweit. Die Gemeinden und der Kanton bewilligen ihre Beiträge an einen neuen Kongresssaal, der auf dem Terrain des Kursaals gebaut wird.

2009: Der Casino-Kursaal Interlaken besteht seit 150 Jahren. Im Touristikmuseum der Jungfrauregion findet vom 14. Mai bis am 18. Oktober eine Sonderausstellung über die Kurhausgesellschaft statt. Die Feierlichkeiten werden wegen dem Bau des neuen Kongresshauses auf nächstes Jahr verschoben.

2010: Eröffnung des neuen Kongresshauses und 151-Jahr-Feier am 1. Mai. Die Kosten für das Projekt werden auf rund 25 Millionen Franken geschätzt.
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