| Postakutpflege in Meiringen wird eingestellt Die Station für Postakutpflege im Gesundheitszentrum Meiringen stellt Ende Juni 2009 den Betrieb ein. Einerseits kann laut einer Medienmitteilung das Angebot kaum dem Konzept entsprechend genutzt werden, andererseits sei die Auslastung deutlich zu tief und für die Spitalgruppe Frutigen, Meiringen und Interlaken (Spitäler FMI AG) finanziell nicht mehr tragbar.
Das im Jahr 2007 in ein Gesundheitszentrum umstrukturierte frühere Spital Meiringen. (Archivbild Peter Schmid)
pd/bns. Gesuche zur Umwandlung der Pflegestation in Heimplätze seien vom Kanton Bern abgelehnt worden, verlautet im weiteren: «Am Primärziel, der Bevölkerung im Oberhasli eine Anlaufstelle für die erste medizinische Versorgung anzubieten, ändert sich aber nichts. Im Gegenteil: Um das Konzept ‹Gesundheitszentrum› voranzutreiben und Räume an Dritte zu vermieten, sind Mittel reserviert, Umbauarbeiten sind bereits im Gang. Zur Finanzierung weiterer Umnutzungen sind Abklärungen im Gang.»
Das Gesundheitszentrum Meiringen habe den Betrieb in seiner heutigen Form am 1. Juli 2007 aufgenommen, wird in der Medienmitteilung erinnert: «Währenddem sich die Operationszahlen in der ambulanten Tageschirurgie erfreulich positiv entwickelten und konstant blieben, war die Auslastung der Station für Postakutpflege mit Ausnahme vereinzelter Tage stets schwankend und im Durchschnitt zu tief. Die Erfahrungen zeigten leider, dass das Angebot kaum für Patienten genutzt werden kann, die dem Konzept der bernischen Gesundheits- und Fürsorgedirektion entsprechen. Bei den in Meiringen betreuten Patienten handelt es sich vielmehr um ältere, zum Teil schwer pflegebedürftige Menschen, die auf einen Pflegeheimplatz warten oder für die die Pflege in einem Kurhaus nicht gewährleistet werden kann.» Zudem akzeptierten viele im FMI-Spital Interlaken behandelte Patienten, die dem Postakutpflegeprofil an sich entsprächen oder deren Angehörige eine Verlegung ins 30 Kilometer weit entfernte Meiringen nicht. Und schliesslich habe sich abgezeichnet, dass nach den aktuellen Abgeltungssätzen mit einer massiven Unterdeckung zu rechnen sei – dies, weil die Kosten der Postakutpflege bisher nicht separat, sondern mit dem Aufenthalt im Akutspital abgegolten würden.
Gesuche vom Kanton abgelehnt
«Um die Pflegestation zu erhalten und damit Arbeitsplätze zu sichern, ersuchten die Führungsgremien der Spitäler FMI AG beim Alters- und Behindertenamt des Kantons Bern um eine Umwandlung der Postakutpflege in separat finanzierte Heimplätze», heisst es in der Medienmitteilung des Verwaltungsrates der Spitäler FMI AG. Diese Bemühungen hätten indessen nicht gefruchtet. Sie seien vom Alters- und Behindertenamt mit der Begründung abgelehnt worden, die Region Oberhasli/Brienz verfüge bereits über genügend Heimplätze. Ausserdem sei in Bezug auf die heute geltenden Pflegestufen eine Änderung vorgesehen, die zu einem Rückgang der Heimeintritte führen werde.
Eine erneute Intervention seitens der Spitäler FMI AG sei ebenso erfolglos geblieben: «Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion teilte der Spitäler FMI AG) kürzlich abschliessend mit, dass sich eine spezielle Finanzierung von Heimplätzen in Meiringen erübrige.» Laut Alters- und Behindertenamt betrage die Auslastung der Heime im Kanton Bern nur 94 Prozent. Es sei zwar möglich, dass die Patienten nicht sofort in ihr Wunschheim eintreten könnten, einen Heimplatz könnten sie aber grundsätzlich finden.
9,4 Stellen betroffen
«Vor dieser Ausgangslage und aufgrund des Umstands, dass die Postakutpflege seit der Einführung vor zwei Jahren nie kostendeckend betrieben werden konnte, sah sich der Verwaltungsrat der spitäler fmi ag dieser Tage leider gezwungen, die Schliessung der Postakutstation auf Ende Juni 2009 vorzusehen. Davon betroffen seien 9,4 Stellen, in die sich 15 Mitarbeiterinnen teilten; darunter eine Mitarbeiterin, die Ende Juni in den Ruhestand trete. Für die Mitarbeiter – bis auf zwei seien alle in Teilzeitpensen beschäftigt – werde versucht, eine gute Lösung zu finden. Damit das Gesundheitszentrum Meiringen nachts weiterhin als Anlaufstelle für Notfallpatienten zur Verfügung stehe, die sich nicht an den Haus- oder Notfallarzt wendeten, werde der Pikettdienst des Rettungsdienstes hierhin verlegt: «Statt das Nachtpersonal der Postakutpflege wird dieser den Haus- oder Notfallarzt avisieren.»
Konzept Gesundheitszentrum wird vorangetrieben
«An der primären Zielsetzung, der Bevölkerung im Oberhasli eine Anlaufstelle für die erste medizinische Versorgung anzubieten, ändert sich nichts», wird in der Medienmitteilung versichert: «Das tageschirurgische Ambulatorium mit Tagesklinik bleibt unverändert bestehen. Und an Meiringen als Standort des Rettungsdienstes wird ebenso festgehalten wie am Konzept Gesundheitszentrum. Dies mit Chirurgischem Notfall/Ambulatorium, chirurgischer Tagesklinik,
paramedizinischen Dienstleistungen (Radiologie, Praxis-Labor, eventuell private Physiotherapie), Standort des Rettungsdienstes, Sprechstunden von Fachärzten, Sprechstunden von Fachstellen (wie Diabetes-, Ernährungs-, Suchtberatung und so weiter) und Praxen von Hausärzten. Zudem bestehe die Absicht, den Spitex-Stützpunkt ebenfalls ins Gesundheitszentrum Meiringen zu integrieren.
Investitionen geplant
Für die Verlegung der Tagesklinik in einen Teil des Eingangsgeschosses und damit auf die selbe Ebene wie das chirurgische Ambulatorium habe der Verwaltungsrat der Spitäler FMI AG die nötigen Mittel bereits bewilligt, heisst es im weiteren: «Mit der Verlegung können effizientere Betriebsabläufe geschaffen und Synergien genutzt werden.»
In bezug auf die Integration von Hausarztpraxen seien die Gespräche einer Arbeitsgruppe unter der Leitung der Meiringer Gemeindepräsidentin Susanne Huber mit der bernischen Ärztegesellschaft und regionalen Wirtschaftsvertretern noch im Gang. Eine entsprechende Planung für Geschoss B werde bearbeitet.
Zur Einrichtung und späteren Vermietung einer Gemeinschaftspraxis bestehe allerdings erheblicher Investitionsbedarf, den die Spitäler FMI AG nicht allein aufbringen könne. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion signalisiere ihre Bereitschaft, ein entsprechendes Gesuch zu prüfen und nach Lösungen zur Unterstützung zu suchen: «Wie die Gesundheits- und Fürsorgedirektion der Spitäler FMI AG mitteilte, müsse – mit Blick auf den sich im Oberhasli wie anderswo abzeichnenden Mangel an Hausärzten – ein Zusammenbrechen des ärztlichen Notfalldienstes im Oberhasli vermieden werden, da sonst mit einer Überbelastung der Notfallaufnahme am fmi-Spital Interlaken zu rechnen sei.»
Könnten die Finanzierung sichergestellt und Räume zu attraktiven Mietpreisen zur Verfügung gestellt werden, stünden die Aussichten für eine Gemeinschaftspraxis gut: «Der Bezug könnte schon in ein, zwei Jahren möglich sein. Damit wäre ein grosser Schritt getan, die Vision des Gesundheitszentrums zu verwirklichen. Als Pilotbetrieb hätte das Gesundheitszentrum Meiringen Signalwirkung für den ganzen Kanton Bern.»
Zwei Wohngruppen des Heims «Sunneschyn»
Hinsichtlich der Vermietung von Räumen an Dritte bereits konkret ist laut der Medienmitteilung der bevorstehende Umzug zweier Wohngruppen des Heims «Sunneschyn». Die Heimverantwortlichen erachteten die frei stehenden Räumlichkeiten als geeignet im Hinblick auf das Altern der geistig und mehrfach behinderten Menschen. Die Modalitäten seien in einem langjährigen Mietvertrag geregelt: «Die entsprechenden Umbauarbeiten auf Geschoss D sind im Gang. Der Bezug der neu gestalteten Räume ist für 1. August 2009 vorgesehen und wird das ehemalige Spitalgebäude zusätzlich beleben.»
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