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Freitag 1. Mai 2009
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TGV-Angebot zwischen Bern und Paris wird reduziert

Mangels genügender Nachfrage hebt die Betreibergesellschaft Lyria eines der beiden Zugspaare Bern–Paris–Bern ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 auf. Der Kanton Bern wehrt sich gegen den geplanten Abbau der TGV-Verbindungen Bern–Paris.


pd/bns. Seit der Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsverbindung Basel–Paris habe die Passagierzahl auf dieser TGV-Strecke «erfreulich stark» zugenommen, heisst es in einer Medienmitteilung: «Demgegenüber reisen immer weniger Passagiere auf der Verbindung Bern via Neuenburg nach Paris.» Seit der Eröffnung der neuen Strecke im Jahr 2007 benützten immer mehr internationale Passagiere die Verbindung (Zürich–)Basel–Paris. Letztes Jahr hätten insgesamt 3,8 Millionen Fahrgäste die TGV-Züge zwischen der Schweiz und Frankreich benützt, was einem Plus von zehn Prozent entspreche. Demgegenüber nehme die Zahl der Passagiere auf den beiden täglichen Verbindungen Bern–Neuenburg–Paris und retour laufend ab.

«Diese Tendenz war bei der Inbetriebnahme des TGV Est ab Basel erwartet worden», verlautet im weiteren: «Im Jahr 2008 nutzten fünf Prozent weniger Reisende die Strecke ab Bern nach Paris. Die Auslastung der Züge erreicht mit 29 bis 32 Prozent nur noch ungenügende Werte.» Demgegenüber erfreuten sich die vier schnellen Zugspaare ab Basel nach Paris und zurück einer hohen Auslastung von 75 Prozent: «Dabei stellt die Betreibergesellschaft Lyria fest, dass gut elf Prozent der Reisenden, welche die TGV-Züge von und nach Basel benützen, aus dem Kanton Bern stammen. Diese Tendenz, dass Fahrgäste aus der Region Bern vermehrt in Basel auf die TGV umsteigen, dürfte sich künftig noch verstärken.» Ab Dezember 2009 verkehre ein zusätzliches fünftes Zugspaar Basel–Paris, was diese Linie noch attraktiver mache. Im Dezember 2011 verkürze sich die Fahrzeit mit der Inbetriebnahme des TGV «Rhin-Rhône» nochmals um 25 bis 30 Minuten, so dass Basel und Paris künftig nur noch drei Stunden auseinanderlägen: «Die Reisezeit über Basel wird dann deutlich kürzer sein als mit der Direktverbindung ab Bern.»

Die Betreibergesellschaft Lyria habe versucht, die rückläufige Nachfrage auf der Verbindung Bern–Paris via Neuenburg mit Marketingmassnahmen zu stoppen und das Angebot zu fördern, heisst es in der Medienmitteilung: «Die Konkurrenz durch zwei tägliche Flugverbindungen zwischen Paris und Bern-Belp dürfte zusätzlich zu einem Passagierrückgang geführt haben.» Lyria komme deshalb nicht darum herum, mit dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2009 die Abendverbindung ab Bern (17.23 Uhr) und morgens ab Paris (7.58 Uhr) aufzuheben. Im Gegenzug setze sich Lyria dafür ein, die andere Verbindung – morgens ab Bern und abends ab Paris – aufrecht zu erhalten.

Bern wehrt sich gegen den geplanten Abbau
Der Kanton Bern wehrt sich gegen den geplanten Abbau der TGV-Verbindungen Bern–Paris. Regierungspräsidentin Barbara Egger-Jenzer wird in dieser Angelegenheit mit dem SBB-CEO Andreas Meyer Kontakt aufnehmen. Sie fordert ihn auf, dass die Bahnen den Entscheid zurücknehmen und das heutige Angebot von täglich zwei Zügen pro Richtung beibehalten.

Der Kanton Bern wurde am Donnerstag von der TGV-Betreiberin Lyria (gemeinsames Unternehmen von SBB und SNCF) darüber informiert, dass auf der TGV-Linie Bern–Paris ein Zug pro Richtung gestrichen wird. Die Nachfrage auf dieser Verbindung ist im letzten Jahr zwar leicht zurück gegangen, allerdings etwa im gleichen Umfang wie das Angebot, welches Ende 2007 um 15 Prozent reduziert wurde. Die Züge zwischen Bern/Lausanne und Paris sind etwa gleich gut ausgelastet wie zwischen Zürich/Basel und Paris. Die von den SBB genannte tiefe Auslastung von 29 bis 32 Prozent betrifft nicht die Gesamtstrecke, sondern lediglich die Teilstrecke Neuenburg–Bern. Auch die Teilstrecken Vallorbe–Lausanne und Mulhouse–Basel weisen unterdurchschnittliche Auslastungen auf.

Erfreut ist der Kanton darüber, dass die TGV-Verbindung Bern–Neuenburg–Paris nicht grundsätzlich in Frage gestellt ist. Die direkten Züge Bern–Neuenburg–Paris sind für den Kanton Bern von grosser Bedeutung und die Verbesserung der internationalen Anbindung des Kantons ist ein Ziel der kantonalen Wachstumsstrategie.

Mit seiner Intervention will der Kanton Bern erreichen, dass vor einer Angebotsreduktion alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Attraktivität ausgeschöpft werden. Gemäss Absprachen der Kantone Bern und Neuenburg mit den Transportunternehmungen ist eine Beschleunigung der TGV Bern–Paris ab dem nächsten Fahrplanwechsel möglich. Regierungspräsidentin Barbara Egger-Jenzer wird in dieser Sache mit SBB-CEO Andreas Meyer Kontakt aufnehmen.
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