Interlaken: Zu Lebzeiten ein Denkmal erhalten
Das zu Ehren der beiden Mundartrockmusiker Hanspeter «Hanery» Amman und Urs «Polo» Hofer in «Amman-Hofer-Platz» umbenannte neugestaltete Areal des ehemaligen «Flückmätteli» im Perimeter der Überbauung Jungfraustrasse in Interlaken ist gestern Samstag 31. Oktober 2009 offiziell eingeweiht worden.
Denkmal in Form einer Klaviatur über eine Oktave. (Bilder Dora Schmid)
ds. Nach der offiziellen Einweihung mit dem Interlakner Gemeindepräsidenten und Gemeinderat Daniel Beutler standen als musikalischer Höhepunkt des Tages Hanery Amman und Polo Hofer live auf dem Programm. Gemeindepräsident Urs Graf wies an der Einweihung des Platzes vor viel Publikum in seiner Ansprache darauf hin, nach dem Tourismuspionier Peter Ober und General Henri Guisan seien Amman und Hofer erst die Nummern drei und vier, nach denen in Interlaken Strassen oder ein Platz benannt würden: «Ihr seid die ersten Schweizer Rockmusiker, die zu Lebzeiten ein Denkmal erhalten.» Auf Grund einer deutlich und überparteilich angenommenen Motion im Grossen Gemeinderat – siehe auch Interlaken: «Amman-Hofer-Platz» im Oktober vom Dienstag 11. August 2009 – habe der Gemeinderat dann diesen Platz als den künftigen Amman-Hofer Platz bestimmt. Dies mache Sinn, hätten doch die Familien «der beiden zurzeit prominentesten Interlakner» an diesem Platz gewohnt. Graf bezeichnete Interlaken als die «Wiege des Schweizer Mundartrocks»: Von hier aus hätten die beiden Künstler die Schweiz erobert und schweizerisches Liedgut geschaffen, das selbst in den Schulen gesungen werde. Auf ein Flugblatt der Vereinigung «Eltern gegen Drogen» ging der Interlakner Gemeindepräsident nicht ein: Darin war verlangt worden, «dass sich Polo Hofer an diesem Anlass offiziell vom Drogenkonsum, insbesondere vom Kiffen, distanziert und damit seine Vorbildfunktion für die Jugend wahrnimmt».
Nach der Enthüllung des Denkmals auf einer schwarzen Klaviertaste. Von links nach rechts: Polo Hofer, Hanery Amman und Gemeindepräsident Urs Graf.
Graf erinnerte im weiteren, dass fast jeder Interlakner, der mit Polo Hofer in der Schule oder bei den Pfadfindern gewesen sei, über ihn eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen wisse: «All diesen Geschichten ist gemeinsam, dass Polo ein Jugendlicher voller Fantasie, Ausstrahlung, Talenten und Rebellion mit einer beachtlichen Umsetzungskraft war. Ob es bei einem bunten Abend im Kursaal, wo er einen schwarzen Sänger imitiere indem er seinen Kopf kurzerhand mit Schuhwichse bemalte oder ob er im Pfadfinderlager in Frankreich, als er zur Strafe die improvisierte WC-Anlage desinfizieren musste, diese anzündete, was zu einem Flächenbrand ausartete – immer war er gut für eine unkonventionelle Lösung.»
Danach streift Graf kurz die Geschichte der beiden Mundartrockmusiker. Polo und Hanery seien von Interlaken in die Welt gezogen, hätten dabei aber ihre Wurzeln nie vergessen. Hanery wohne noch heute in Interlaken und kümmere sich engagiert um den Musiknachwuchs. Polo sei viel hier zu sehen. Im Jahr 1970 habe Hofer die berühmten Rumpelstilz gegründet. «Drei Bandmitglieder stammten aus Interlaken: Hanery Amman, Polo Hofer und Säm Jungen. Zusammen zogen sie aus und haben die Mundartrockszenen begründet: ‹Kiosk›, ‹Teddybär› und ‹D'Rosmarie und i› sind vielleicht die bekanntesten Stücke, die von Amman komponiert und von Hofer getextet wurden.» Einmal hätten sie sogar die deutschen Charts erreicht. Nach der Rumpelstilzzeit seien die beiden getrennte Wege gegangen. Im Jahr 1985 sei dann von Polo und seiner Schmetterband das von Hanery komponierte Lied «Alperose» sofort ein Erfolg geworden. Mit den Jahren sei das Lied zum Evergreen geworden und im Jahr 2006 zum grössten Schweizer Hit der letzten siebzig Jahre gewählt worden.
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