| Krankenkassenprämien 2010: Erhöhung des Reformbedarfs im Spitalbereich Die Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung steigen im Kanton Bern 2010 im Durchschnitt um 11,5 Prozent; im schweizerischen Mittel steigen sie um 8,7 Prozent. Im bernischen Spitalwesen laufen zurzeit wichtige Reformvorhaben, die etappenweise zu einer Eindämmung der entsprechenden Kosten zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung führen sollen.
pd/bns. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) bedauert in einer Medienmitteilung «diese dramatische Prämienerhöhung – die höchste im Kanton Bern seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1996». Die kantonalen Behörden könnten die bestimmenden Faktoren für die Festlegung der Prämien nur zum Teil beeinflussen können.
Auf Grund von am Donnerstag publizierten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) steige die durchschnittliche monatliche Prämie für Erwachsene (ab 26 Jahren) auf 385 Franken (+11,5 Prozent), jene für Jugendliche (zwischen 19 und 25 Jahren) auf 315 Franken (+15,8 Prozent) und jene für Kinder auf 90 Franken (+12,6 Prozent). Auf der nationalen Ebene ergeben sich durchschnittliche Erhöhungen von 8,7, 13,7 und 10,0 Prozent. Bei diesen Zahlen handelt es sich laut der Medienmitteilung um theoretische Durchschnittsprämien. Die effektive Prämie könne im Kanton Bern je nach Prämienregion und gewählter Krankenkasse stark variieren – von 373 bis 490 Franken. Die Krankenkassen würden ihre Versicherten bis Ende Oktober direkt über die Prämien für das Jahr 2010 informieren: «Die Versicherten ihrerseits haben dann bis Ende November Zeit, allenfalls zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln oder eine andere Versicherungsform zu wählen.»
Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) unterstreicht in ihrer Medienmitteilung, «dass die Ursache für den sehr starken Anstieg der Prämien 2010 hauptsächlich durch die Anpassung der gesetzlichen kalkulatorischen Reserven der Krankenversicherer zu finden ist. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurden die theoretischen Reserven der Krankenkassen in den vergangenen Jahren im Kanton Bern zu tief festgelegt. Diese Unterdeckung sollte bis 2012 nachgeholt werden, um den Vorgaben des Bundes zu entsprechen und krasse Ungleichheiten unter den Kantonen zu korrigieren.» im weiteren könne festgestellt werden, dass in fünf Kantonen die Prämien für 2010 prozentual noch stärker stiegen als im Kanton Bern. Und unter den fünf Kantonen mit Universitätsspital weise Bern hinter Zürich weiterhin das zweitgünstigste Preisniveau auf.
Alles in allem liegt die durchschnittliche Prämie im Kanton Bern somit 9,8 Prozent über dem schweizerischen Mittel, verlautet im weiteren. Diese Differenz sei durch mehrere Faktoren bedingt. Zum einen gehöre Bern zu den Kantonen mit einem Universitätsspital, was höhere Spitalkosten verursache: «Zudem ist die Berner Spitalinfrastruktur relativ stark dezentralisiert, um den regionalspezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Schliesslich tragen die historisch gewachsenen Strukturen zur Mehrbelastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bei. Im Kanton Bern wird nämlich ein Drittel der Spitalleistungen durch Privatspitäler erbracht, und diese Leistungen werden vollumfänglich durch die Grundversicherung bezahlt, da der Kanton sich an den Kosten der Privatspitäler nicht beteiligt. Dieser Tatbestand wird sich erst 2012 durch die Einführung der neuen Spitalfinanzierung ändern.»
Ziel des Regierungsrates bleibt es laut der Medienmitteilung, der Bevölkerung des Kantons Bern im Gesundheitsbereich flächendeckend erstklassige Dienstleistungen mit sozialverträglichen Kosten zu garantieren: «Die dramatische Erhöhung der Krankenkassenprämien gefährdet aber die Sozialverträglichkeit. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion wird deshalb ihre Bemühungen stärken, um die eingeleiteten Reformvorhaben zur Optimierung des Bernischen Spitalwesens zu beschleunigen.»
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