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Montag 16. August 2010
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Disteln im Botanischen Alpengarten Schynige Platte

Zu den auffälligsten Blüten des Spätsommers im Alpengarten Schynige Platte gehören die der Disteln. Bei Schmetterlingen und anderen Insekten sind die grossen Korbblüten äusserst beliebt. Das Verhältnis von Menschen zu Disteln ist eher zwiespältig.

Wie alle Disteln wird die Silberdistel (Carlina acaulis) häufig von Schmetterlingen besucht. (Bilder zvg)

pd/bns. «Disteln sind doch ‹Gjät›», hört die leitende Gärtnerin Anita Bandi bisweilen, wenn sie mit Besuchern im Alpengarten Schynige Platte über Blumen spricht, die im Spätsommer und Herbst blühen. «Anderseits wird häufig nach der Silberdistel gefragt; diese Art ist sehr beliebt.» Alle Disteln sind sehr gute Nektarpflanzen für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. «In der Landwirtschaft ist der Umgang mit Disteln aber eine Frage der jeweiligen Art und des Masses, in der sie auf einer Fläche vorkommt», erklärt Tobias Furrer, Pflanzenbauberater am Inforama in Hondrich. Das reiche von der «Nulltoleranz» bei der Ackerkratzdistel, die sich auf nährstoffreichen Böden schnell mit Ausläufern vermehrt, bis zur Kohldistel, die als Futterpflanze gilt. «In höher gelegenen Weiden hat die Kohldistel durchaus ihren Platzund sie nimmt bei normaler Bewirtschaftung auch nicht überhand.» Auf Berner Oberländer Alpen verbreitet ist die Sumpfkratzdistel, die oft mit der Ackerkratzdistel verwechselt wird, sich aber mit Samen vermehrt: «Normalerweise blüht sie mit zwei Jahren und stirbt dann ab. Einige wenige Sumpfkratzdisteln verträgt eine Alpweide, das ist gut für die Schmetterlinge und schadet wenig. Und gegen zu starke Ausbreitung kann man im ersten Jahr die Blattrosetten ausstechen.»

Die Blaudistel (Eryngium alpinum) ist zwar botanisch gesehen keine Distel, aber doch distelähnlich «gebaut» und für die Insekten ein ebenso guter Nektarspender.

Eleganz auf Kuhfladen

Im Alpengarten Schynige Platte hat die Sumpfkratzdistel dieses Jahr nicht gekeimt, und die Ackerkratzdistel kommt als Pflanze tieferer Lagen gar nicht vor. Die unscheinbare Kohldistel blüht derzeit, wird aber zwischen Eisenhut und anderen farbenprächtigen Hochstauden leicht übersehen. Das passiert den mächtigen Alpenkratzdisteln nicht. Wie silberne Feuer leuchten ihre fiederteiligen Hochblätter im Sonnenlicht. «Wenn die Alpenkratzdistel selten wäre und nur irgendwo auf dem Faulhorn blühen würde, kämen die Leute von weither, um ihre Eleganz zu bewundern», meint der Berner Biologe Adrian Möhl.

Aber Alpenkratzdisteln sind nicht selten. Sie wachsen gerne an ebenen Stellen, wo sich die Kühe von den steilen Alpweiden ausruhen und wo sich deshalb meist zu viel Dünger ansammelt. In diesen Viehlägern ist die Alpenkratzdistel eine der wenigen Pflanzen, die sich zwischen den breiten Blättern des Alpenampfers («Blacke») genug Licht ergattern und so auch selber vom Nährstoffüberfluss profitieren können.

Landwirtschaftsberater Furrer hat allerdings keine Freude an der Lägervegetation, die schnell zäh und deshalb nicht abgeweidet wird. «Aber auf grösseren Alpen lassen sich Läger kaum vermeiden. Und bei kleineren Flächen reicht es, wenn man ihre Ausbreitung verhindert» – gleich wie im Alpengarten, wo Fruchtstände der Lägervegetation vor der Samenreife entfernt werden.

Silbernes Gütesiegel
Im Gegensatz zu den konkurrenzstarken Kratzdisteln fühlt sich die Silberdistel nur in artenreichen Magerrasen zwischen feinen Gräsern und kleinen Kräutern wohl. «Die Silberdistel ist ein eigentliches Gütesiegel für ökologische Qualität», sagt Adrian Möhl. Daneben ist die Silberdistel als Wetterfee bekannt: Steigt die Luftfeuchtigkeit, beugen sich die silbernen Hüllblätter schützend über das Körbchen voller Röhrenblüten in ihrer Mitte – ein einfacher physikalischer Vorgang, weil die Unterseite der Hüllblätter mehr Wasser aufnimmt als die Oberseite.

Eine Distel, die keine ist
Neben den Disteln und anderen Hochstauden wie Schwalbenwurz-Enzian, Eisenhut und Fingerhut blüht im Spätsommer auch die besonders auffällige Blaudistel (oder Alpen-Mannstreu). Sie heisst zwar «Distel» und sieht mit den tief eingeschnittenen, borstigen Hüllblättern auch so aus. Tatsächlich ist sie aber kein Korbblütler, sondern gehört zur Familie der Doldenblütler. Die sind mit ihrem Nektar sogar noch freigiebiger als Disteln, da er nicht nur für Schmetterlinge und andere Insekten mit langen Rüsseln zugänglich ist, sondern auch für Fliegen und Käfer.

Blütenstaubtransport in zwei Etappen
Ein Mechanismus, mit dem die meisten Korbblütler Inzucht durch Selbstbestäubung vermeiden, ist bei Disteln besonders ausgeprägt: Ihre Staubbeutel sitzen nicht auf langen Staubfäden, sondern innen an den Blütenblättern. Öffnet sich die Blüte, wächst von unten der Griffel – die Verbindung zwischen der Narbe und dem Fruchtknoten – aus der von den Blütenblättern gebildeten Röhre hinaus; dabei streift die vorerst noch geschlossene Narbe die Staubbeutel ab und hebt sie aus der Blütenröhre. Erst, wenn dieser eigene Blütenstaub von Insekten weitergetragen wurde oder abgefallen ist, öffnet sich die Narbe für die Befruchtung – mit Blütenstaub, der dann zwangsläufig nur von einer anderen Blüte stammen kann.

Ranken, Legenden, Gemüse
Im Mittelalter wurde aus Disteldarstellungen in Passionsbildern mit der Zeit die «Distelranke» als selbständiges dekoratives Motiv entwickelt. «Schon damals sahen die Leute neben den Stacheln auch die Schönheit der Disteln», sagt der Biologe Adrian Möhl. Ganz besonders gefällt ihm ein Distelranken-Ornament, das im Jahr 1543 auf die Holzwand eines Bauernhauses in Sachseln gemalt wurde und deutlich eine nickende Distel zeigt; gleich wie ihre nahe Verwandte im Alpengarten, die Bergdistel, trägt die nickende Distel mit ihren leuchtend purpurfarbenen Blütenköpfe zur Farbenpracht in mässig gedüngten Blumenwiesen bei. Die Blockwandmalerei mit der Nickenden Distel von 1543 gehört zur ständigen Ausstellung des Museums Bruder Klaus in Sachseln, ist aber dieses Jahr wegen der laufenden Sonderausstellung im Original nicht zu sehen.Auch in der Medizin wurden Disteln gerne genutzt. Wie viel die Menschen etwa der Silberdistel zutrauten, belegt die Legende zu ihrem lateinischen Namen «Carlina»: Danach hat ein Engel Karl dem Grossen die Silberdistel im Traum als Mittel gegen die Pest gezeigt. Und schliesslich waren Blätter oder Blütenböden mancher Disteln als Gemüse beliebt – so wie heute noch die Gemüse-Artischocke, ebenfalls eine Distelart, als Delikatesse gezogen wird.

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