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Spital STS AG: «Mit neuem Vorschlag zum Durchbruch»

Sowohl in Zweisimmen als auch in Saanen soll ein Gesundheitszentrum mit einem ambulanten und einem teilstationären Angebot eingerichtet werden. Das Zentrum in Zweisimmen werde mit einem stationären Bereich für die Grundversorgung ergänzt. In Saanen soll ergänzend ein auf die besonderen Bedürfnisse der Region zugeschnittenes stationäres Angebot in Kooperation mit einem privaten Anbieter entwickelt werden.

pd/bns. Seit drei Jahren werde im Simmental und im Saanenland zum Teil heftig um den Standort der Spital-Akutversorgung debattiert, wird in einer Medienmitteilung erinnert: «Nachdem sich der Regierungsrat mit Besuchen vor Ort im Frühjahr ein Bild von der Situation gemacht hat, hat er signalisiert, dass er aus regionalpolitischen Gründen einem Standort der stationären Akutversorgung und damit Zweisimmen den Vorzug geben würde. Der Verwaltungsrat der Spitalgruppe Simmental–Thun–Saanenland (Spital STS AG) berücksichtigt diese Meinungsäusserung des Eigentümers und hat nun den formal abschliessenden Entscheid getroffen.»

Am 23. November 2007 habe der Verwaltungsrat der Spital STS AG aufgrund des Spitalversorgungsgesetzes entschieden, die beiden Spitäler STS AG Saanen und STS AG Zweisimmen durch einen Neubau in Saanenmöser zu ersetzen. Geplant war, die stationäre Akutversorgung in der Region Obersimmental-Saanenland langfristig in einem Spital zu sichern. So wären sowohl die Ziele der Versorgungsplanung des Kantons Bern als auch die Finanzierungsvorgaben aus dem Krankenversicherungsgesetz eingehalten worden. Doch diesem Beschluss sei vor allem aus dem Obersimmental massiver politischer Widerstand entgegengebracht worden. Seit drei Jahren werde im westlichen Oberland um die Spital-Akutversorgung heftig debattiert und gestritten.

Die weitere Medienmitteilung im Wortlaut: «Auch Aussprachen brachten keine Einigung. Schliesslich wurde bei Gesundheitsökonom Willy Oggier ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, welches die Möglichkeiten der Akutversorgung der Region prüfte und beurteilte. Auf der Basis dieses Gutachtens legte der Verwaltungsrat der Spital STS AG das Versorgungskonzept fest. Dieses sah zwei Gesundheitszentren vor, in Zweisimmen komplementär zur stationären Alterspflege und -Betreuung und in Saanen ergänzt mit einem stationären Angebot für Akutpatienten.

Die Gemeinden der Bergregion Obersimmental-Saanenland und die niedergelassene Ärzteschaft verlangten daraufhin ein Überdenken dieser Planung und eine nochmalige Prüfung der Neubauvariante. In der Folge gab die Spital STS AG im Januar 2009 eine Machbarkeitsstudie für die Standortsuche eines Spitalneubaus in Saanenmöser in Auftrag. Diese Studie prüfte die bauliche, privat- und planungsrechtliche sowie politische Machbarkeit eines solchen Neubaus. Sie wurde gemeinsam von der Spital STS AG als Auftraggeber und der Bergregion Obersimmental-Saanenland durchgeführt, Mitte Oktober 2009 lagen die Ergebnisse vor. Die Studie wies die Machbarkeit nach, so dass der Verwaltungsrat der Spital STS AG auf das Konzept eines Neubauprojekts in Saanenmöser zurückkam.

Der spitalpolitische Konsens in der Region war von kurzer Dauer. Erneut wurde dem Neubauprojekt Widerstand entgegengebracht. Damit wurde klar, dass das Vorhaben aus politischer und, wegen drohender Einsprachen, auch aus rechtlicher Sicht nicht umsetzbar war. Die letzten drei Jahre und auch die kürzlich geführten Gespräche haben deutlich gezeigt, dass sich die beiden Regionen in spitalpolitischen Fragen nicht einigen können, so dass ein einheitliches Versorgungskonzept für die gesamte Region nicht realisierbar ist. Damit hat sich die Ausgangslage gegenüber den bisherigen Konzepten verändert. In der Konsequenz hat der Verwaltungsrat diese beiseite gelegt und schlägt nun ein neues Konzept vor, mit dem die Gesundheitsversorgung für die beiden Regionen getrennt entwickelt wird. Eine künftige, gemeinsame Lösung schliesst der Verwaltungsrat der Spital STS AG indes nicht aus, das Erarbeiten eines spitalpolitischen Konsens im Obersimmental und in der Region Saanen ist aber Sache der politischen Behörden und nicht die Angelegenheit der Spital STS AG.

Der Verwaltungsrat der Spital STS AG hat nach einer Aussprache mit dem Regierungspräsidenten des Kantons Bern zur Kenntnis genommen, dass er gemäss heutiger Auffassung des Regierungsrats formal und abschliessend für den Standortentscheid im Simmental/Saanenland zuständig ist. Diese Frage war bislang nicht abschliessend geklärt, entsprechend kam es immer wieder zu Entscheidblockaden. Die bernische Regierung erwartet nun vom Verwaltungsrat umgehend einen Entscheid. Bereits in einer früheren Aussprache hat der Regierungsrat signalisiert, dass er aus regionalpolitischen Gründen einem Standort der stationären Akutversorgung in Zweisimmen den Vorzug geben würde.

An seiner Sitzung vom 3. Dezember 2010 hat der Verwaltungsrat der Spital STS AG nun entschieden, sich dem regionalpolitischen Signal des Regierungsrats nicht zu widersetzen. Die Spital STS AG hat nun beschlossen, Zweisimmen zum Gesundheitszentrum zu wandeln, ergänzt mit der stationären Grundversorgung in Medizin, Chirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe. Das stationäre Angebot richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten, diese stehen in direktem Zusammenhang zum Patientenaufkommen. Der Standort Saanen wird zu einem Gesundheitszentrum mit einem bedarfsgerechten ambulanten und teilstationären Angebot gewandelt, welches der Bevölkerung rund um die Uhr offen steht. Dieses Angebot soll in Kooperation mit einem privaten Anbieter mit einem spezialisierten stationären Angebot ergänzt werden, das auf die besondere Situation des Saanenlandes Rücksicht nimmt. Die stationären Angebote in Zweisimmen und Saanen sollen keine Doppelspurigkeiten aufweisen.

Das Konzept der Gesundheitszentren orientiert sich auch daran, dass in absehbarer Zeit die ambulante ärztliche Versorgung der Bevölkerung im Versorgungsgebiet Obersimmental-Saanenland gefährdet ist. Die Spital STS AG stellt sich mit dem vorgeschlagenen integrierten Versorgungskonzept dieser Herausforderung.

Nach dem Grundsatzentscheid des Verwaltungsrats gilt es nun, die stationäre und teilstationäre Grundversorgung für die Region Simmental und Saanenland im Detail zu definieren, dies wird bis Mitte 2011 erfolgen. Der Standortentscheid und die Festlegung der Versorgungskonzepte sind dringend geworden. Diese Dringlichkeit ergibt sich durch die enger werdenden Finanzierungsperspektiven. Auch die Mitarbeiter sind auf eine Klärung angewiesen, die lange Verunsicherung ist nicht mehr länger haltbar. Schliesslich ist auch für die Region eine Beruhigung notwendig.

Die Reaktionen in den beiden Regionen fallen gemischt aus. So versteht das Saanenland nicht, dass der Verwaltungsrat der Spital STS AG nicht die betriebswirtschaftlich optimale Lösung gewählt hat. Mit einem Gesundheitszentrum ist aber eine minimale Forderung, der Bevölkerung eine permanente Anlaufstelle, auch ausserhalb der Öffnungszeiten der privaten Arztpraxen zu ermöglichen, erfüllt. Die Region überlegt sich aber auch den direkten Kontakt zu einem privaten Anbieter zu suchen. Anders sieht die Situation im Simmental aus. Man hat den Entscheid des Verwaltungsrates der Spital STS AG mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Insbesondere auch, dass politische Argumente gewürdigt wurden. Deshalb will sich das Simmental nicht als Sieger verstanden wissen und alles daran setzen, für die gesamte Region einen gesundheitspolitischen Akzent zu setzen.»

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