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| Die «Familie Gantenbein» im Burghof Ringgenberg in Aktion. (Bild zvg) |
Ringgenberg: Rockig-bluesiges Konzert im Burghof
Zweites Sommerkonzert am Freitagabend im Burghof Ringgenberg mit «Familie Gantenbein»: Hinter diesem witzigen Bandnamen verstecken sich sechs junge Leute aus dem Berner Oberland und erweitertem Bern-Nordost.
pd/bns. Vor ihrem Auftritt im Burghof Ringgenberg wagten die Band den Sprung ins kalte Wasser, ein erfrischendes Bad im Brienzersee belebte ihren Geist und Körper und liess sie gleich zu Beginn in Hochform starten. Aus aktuellem Anlass zum angekündigten Rücktritt von Bundesrat Moritz Leuenberger eröffneten sie ihr Konzert mit «Chum mier gründe e Partei“ und schlugen als Bundesratskandidaten gleich ihren Bassisten Benjamin Meichtry vor. Beim hiesigen Publikumsvoting hätte er reelle Chancen für das Amt. Die Zuhörer, darunter viele Altachtundsechziger mochten wohl auch dessen verschrobenes Outfit mit Schlaghosen, Rüschchenhemd und Samtjacke.
«Hie i däre Stadt» erzählt die Geschichte von einem der aus dem Oberland ausreisst. Jürg Germans Gesang geht unter die Haut, mit seiner schrägen Mimik und Gestik unterstreicht er die Texte, die manchmal gewollt surreal und absurd klingen, beispielsweise bei der «Gurkeninsle».
Fussballweltmeisterschaft und brütende Sommerhitze inspirierten die Musiker im Tessiner Trainingslager zum Song «Africa Africa», der hierzulande die schönen Burgfräuleins aus ihren Mauern locken soll. Doch die jungen Leute kommen nicht nur rockig-bluesig daher, sie packen ihre „Tröim vor grosse Liebi“ in sanfte Balladen mit perlenden Klavierklängen und schluchzenden Saiten.
Bei Songs wie «Napoléon», «Clochard Sämel» oder «Gody» lassen die Gantenbeins – wie es sich in einer guten Familie gehört – die Fetzen fliegen. Während Simon Alder so richtig in die Tasten haut, duellieren sich Fabian von Allmen und Michael Baumgartner mit ihren Gitarren und Nick Graf sorgt am Schlagzeug für echten Wirbel. Welcher vagabundierende Student kennt sie nicht, die Tücken mit dem Gaspedal und einem verrosteten Sonnendach am VW-Bus? Die jungen Leute hadern mit den Widrigkeiten des Alltags, verstauen es aber gekonnt in Noten und Verse.
Langsam kriechen nun die Nachtschatten dem Gemäuer der Burgruine hoch, die Besucher rücken zusammen. Mit einem Lied zur Geisterstunde möchten sich die Musiker verabschieden, doch das Publikum ruft und klatscht nach einer Zugabe, einem Guetnachtgschichtli. Der Titel «Wahnsinn, i ha no nie so öppis gseh» könnte nicht passender gewesen sein. Familie Gantenbein, es war schön, euch kennenzulernen! |