Interlaken und der Kriminaltourismus
Die Gemeinde Interlaken erscheint in der Kriminalstatistik mit 1104 Straftaten im Jahr 2009. Diese Zahl sei im Vergleich zur ständigen Wohnbevölkerung Interlakens von 5400 Personen hoch, würde aber die Statistik um eine «Tourismusquote» bereinigt werden, wären nach Auffassung des Interlakner Gemeinderates die Zahlen in Interlaken nicht schlechter als andernorts.
pd/bns. Der Gemeinderat von Interlaken will laut einer Medienmitteilung die neuste Statistik mit der Kantonspolizei im Detail beurteilen «und die nötigen Massnahmen zusammen mit der Polizei in die Wege leiten». Der Gemeinderat zeigt sich überzeugt, das Interlaken nicht weniger sicher sei als andere Gemeinden. Die Kantonspolizei Bern – siehe auch Straftaten im Jahr 2009 deutlich angestiegen vom Montag 22. März 2010 – habe im vergangenen Jahr einen Anstieg der Straftaten auf insgesamt 84 823 oder rund 8500 mehr als im Vorjahr verzeichnen müssen: «Die Gemeinde Interlaken wird jährlich von der Kantonspolizei über die Entwicklung der Straftaten informiert.» Die Zahlen seien für den Gemeinderat von Interlaken deshalb keine Überraschung: «Mit Erleichterung stellt der Gemeinderat fest, dass 2009 im Vergleich zum Vorjahr drei Prozent weniger Straftaten in der Gemeinde registriert worden sind. Andere bernische Gemeinden haben Zunahmen von über zwanzig Prozent zu verzeichnen.»
Ein Vergleich mit anderen Orten sei aber aber schwierig, heisst es in der Stellungnahme des Gemeinderates von Interlaken: Die drei Bödeligemeinden Interlaken, Unterseen und Matten seien eine Tourismusdestination mit guten Verkehrsanbindungen, mit Hunderttausenden von Gästen und einer Million Übernachtungen pro Jahr. Dabei hätten die drei Gemeinden zusammen nur 15 000 Einwohner: «Straftaten wie Trickdiebstahl oder Körperverletzung betreffen in der Mehrzahl Gäste. Die Erfahrungen zeigen besonders in der Saison und während Grossveranstaltungen mehr Straftaten.» Grosse Anlässe auf dem Flugplatz brächten eine Vielzahl von Meldungen, häufig einfacher Diebstahl, die in der Statistik Interlaken zugezählt würden, obwohl sie nicht auf Interlakner Gemeindegebiet erfolgten. Ebenso erhöhe das vom Gemeinderat unterstützte aktive Eingreifen der Kantonspolizei in Interlaken auch bei Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz die Anzahl der Anzeigen: «Könnte die Statistik um die ‹Tourismusquote› bereinigt werden, wären die Zahlen in Interlaken nicht schlechter als andernorts.» |