Int. Dampfschiffregister

International Steamboat Register

Häsler Foto Video
Interlaken


Zentrum Artos – Ihr Ferien- und Seminarhotel
in Interlaken
Berner Oberland News – 16. Jahrgang
Freitag 1. April 2011
Ihr Internet-Provider im
Berner Oberland
Aktuelle Frontseite
Ringgenberg-Goldswil am Brienzersee
mit seinem idyllischen Burgseeli ein idealer Ferienort. 

Netz gegen Kinderporno

Seitenanfang

Vor 300 Jahren Kanderdurchstich im Jahr 2014

Im Jahr 2014 sind es genau 300 Jahre her sein, seit die Kander oberhalb von Thun in den Thunersee umgeleitet wurde. Mit einer Reihe von Anlässen soll das Jubiläum «300 Jahre Kanderdurchstich» gefeiert werden. Eine Kerngruppe aus den Gemeinden Reutigen, Spiez, Thierachern, Thun und Uetendorf hat bereits mit den Vorbereitungen begonnen.

Darstellung der damaligen Arbeiten am Kanderdurchstich im Jahr 1714. (Bernisches Historisches Museum)

pd/bns. Ohne Kanderdurchstich gäbe es in Thun keinen zweiten Aarelauf, keinen Waffenplatz – und auch der Hochwasserstollen wäre nicht nötig geworden, wird in einer Medienmitteilung erinnert. 300 Jahre nach dem 1714 erfolgten Kanderdurchstich am Strättlighügel bei Thun, der mit dem Einsturz des damaligen Stollens endete, gedenkt man der damaligen turbulenten Vorgänge. Das Jubiläum soll im Jahr 2014 gefeiert werden. Auf Initiative der Gemeinde Reutigen bildete sich eine Kerngruppe aus Vertretern von Reutigen, Spiez, Thierachern, Thun und Uetendorf. Sie koordiniert die Jubiläumsfeierlichkeiten und wird periodisch darüber orientieren. Die aktuellen Angaben werden zu einem späteren Zeitpunkt auf der Homepage der Gemeinde Reutigen publiziert werden.

War die Ableitung der Kander in den Thunersee eine mutige, zukunftsweisende Tat, oder war sie ein leichtsinniges Unterfangen, das mehr Probleme schuf als löste? Kaum jemand ist sich heute noch bewusst, was sich vor gut 300 Jahren im Raume Thun abspielte. Wenn Kander und Zulg viel Wasser führten, stauten sie die Aare. Dann schien diese still zu stehen und «schwebte». Der Name Schwäbis soll sich davon herleiten lassen. Immer wieder stieg damals der Wasserspiegel so stark an, dass der Rückstau die Stadt Thun überschwemmte. Aber nicht nur Thun musste immer wieder leiden. Die Kander überflutete auch weite Teile der damaligen Gemeinde Strättligen. Landwirtschaftsland versumpfte. Die Malaria wurde zu einer Plage.

Viele Köpfe suchten nach einer Lösung. Samuel Bodmer, gelernter Bäcker aus Amsoldingen, überzeugte mit seiner Idee, die Kander im Hani in den Thunersee abzuleiten, indem der Strättlighügel durchbohrt wurde. Am 1. April 1711 wurde mit den Arbeiten begonnen. Während des zweiten Villmergerkrieges wurden die Arbeiten eingestellt. Erst im Frühjahr 1713 wurden sie wieder aufgenommen. Diesmal nach dem Projekt von alt Spitalmeister Samuel Jenner, der neu einen Stollen vorsah. Am 12. Dezember 1713 wurde erstmals Kanderwasser direkt in den Thunersee eingeleitet. Im Juli 1714 stürzte der Stollen teilweise, am 18  August 1714 vollständig ein. Doch die Kander frass sich in kurzer Zeit tief in den nun angebohrten Strättlighügel ein und schüttet seither mit ihrem Geschiebe ein Delta auf.

Doch damit war die Hochwassergefahr für Thun nicht gebannt. Im Gegenteil. Zuerst verschlimmerte sich die Lage. Die Wassermenge im Thunersee nahm auf einen Schlag um 40 Prozent zu. Nun mangelte es an der Abflusskapazität. Die Stadt stand mehrmals tagelang unter Wasser. Dafür fehlte an anderen Orten das kostbare Nass. Mühlen, Sägen und Schleifen fielen trocken, Trinkbrunnen versiegten. Nach und nach konnten die negativen Folgen beseitigt oder gemildert werden. Um den Abfluss zu verbessern wurde 1717 der oberhalb des heutigen Mühleplatzes gelegene Mühledamm abgebrochen, womit die Aare zu einem reissenden Strom wurde. Die Sinnebrücke wurde unterspült und musste teilweise neu gebaut werden. Im Jahr 1721 wurden Traversierschwellen eingebaut. Der Stadtgraben wurde geflutet. In den Jahren 1723 bis 1726 entstanden die beiden Schleusen zur Regulierung des Seespiegels.

Die Allmenden zu beiden Seiten des ehemaligen Kanderlaufs wurden unter den Pflug genommen oder dienten militärischen Manövern. Im Jahr 1841 verkaufte Thun die Allmend an die Eidgenossenschaft. Seither ist Thun Garnisonsstadt mit einem der grössten Waffenplätze der Schweiz.

Der Kanderdurchstich veränderte Land und Leben in den betroffenen Gemeinden nachhaltig. Er hat historische Bedeutung, denn er war die erste Gewässerkorrektur in einem solchen Umfang. Die Erfahrungen aus dem Kanderdurchstich dienten später den Projekten für die Korrektion der Linth und die Einleitung der Aare in den Bielersee.

Einen ersten Jubiläumsanlass, eine Begehung des Kanderdeltas, führt laut der Medienmitteilung der Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee am Samstag 14. Mai 2011 durch. Voraussichtlich gegen Ende Jahr wird die Wanderausstellung zum Projekt Kanderdurchstich in der Gemeinde Reutigen eröffnet.

Berner Oberland News
Leserbriefe an die Berner Oberland News sowie Anfragen für Werbebanner, Inserate und Bilder in druckfähiger Auflösung
Aktuelle Frontseite
Seitenanfang
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Obdorfstrasse 279 A, 3852 Ringgenberg / Redaktionsstube Ringgenberg Telefon +41(0)33 821 10 60 / Mobiles +41(0)79 427 45 78 und Dora Schmid +41(0)79 645 27 11 / Postcheckkonto 40-71882-7
Für den Inhalt von verknüpften externen Websites (Links) beziehungsweise für die darauf von Dritten angebotenen Informationen, Produkte und Dienstleistungen übernehmen die «Berner Oberland News» keine Verantwortung.

 
'