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Interlaken: Held vom Hudson River beschliesst das Swiss Economic Forum

Mit dem Auftritt von Flugkapitän Chesley Sullenberger, dem im Januar 2009 auf dem Hudson River in New York eine Notwasserung gelang, ist am Freitag in Interlaken das zweitägige 13. Swiss Economic Forum zu Ende gegangen.

pd/bns. Chesley Sullenberger, der Held vom Hudson River, schilderte laut einer Medienmitteilung am Swiss Economic Forum, wie er es in einer ausserordentlichen Situation schaffte, sein ganzes Potenzial abzurufen: Im Januar 2009 führte er auf dem Hudson River in New York eine Notwasserung durch – es war die weltweit erste mit einem Airbus A320: «Dank seiner fliegerischen Meisterleistung überlebten alle 150 Passagiere und die fünfköpfige Crew.»

1250 Teilnehmer erhielten nach Angaben der Veranstalter von den Referenten Impulse und Einsichten zum Konferenzthema «Discover Potentials». Zu den Rednern gehörten Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson, Shell-CEO Peter Voser, Branding-Spezialist Martin Lindstrom sowie die Asien-Experten Urs Schoettli und Kurt Haerri. Eröffnet wurde das Forum gestern Donnerstag von Bundesrat Johann Schneider-Ammann und vom deutschen Aussenminister Guido Westerwelle.

Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten laut der Medienmitteilung während zwei intensiven Tagen die Chancen des wirtschaftlichen Potenzials in den sich rasch wandelnden Märkten: «Dabei wurde erörtert, wie Firmen und Institutionen ihre Potenziale gewinnbringend und effektiv einsetzen und sich einen nachhaltigen Vorsprung sichern können.» Peter Stähli und Stefan Linder, Gründer und Geschäftsführer des Swiss Economic Forum: «Um Potenziale zu erkennen und zu erschliessen, braucht es Unternehmer mit einem Sensorium für Chancen, Bedürfnisse und Trends. Es braucht ausserdem den Mut, Neues zu wagen. Erfolgreiche Führungskräfte nutzen aber auch das Potenzial von Menschen und können diese zu Höchstleistungen motivieren.»

Potenziale im Energie-Grosskonzern
Peter Voser, CEO der Erdölgesellschaft Royal Dutch Shell, sprach über seine Erfahrungen mit anspruchsvollen Change Management-Prozessen: «Der Supertanker hat sich in zwei Jahren um zwei Grad gedreht. Mehr war in zwei Jahren nicht möglich. Aber zwei Grad machen enorm viel aus.». Weiter referierte er über die Bedeutung der fossilen Energieträger in der Zukunft und suchte die strategischen Eckpfeiler von Shell aufzuzeigen. Shell sei in über 90 Ländern tätig, beschäftige 93 000 Mitarbeitende und habe im Jahr 2010 einen Umsatz von 368 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das weltweit grösste Energieunternehmen betreibe 43 000 Tankstellen und produziere täglich 3,3 Millionen Barrel Öl und Gas.

Der «Brand & Marketing Futurist» Martin Lindstrom hielt ein Referat zum Thema «Sensory Branding». In der Ansprache aller Sinne sehe er einen der wichtigsten Schlüssel für die Zukunft des Marketings. Der im Jahr 1970 in Dänemark geborene Lindstrom zähle zu den angesehensten Branding-Experten der Welt, verlautet im weiteren.

Schwerpunkt China und Indien
Es bestünde keine Zweifel, dass China und Indien in den nächsten Jahrzehnten die globale Wirtschaft massgebend prägten: Die Experten Urs Schoettli und Kurt Haerri vermittelten Einblicke in die neuen Supermächte und teilten ihre Asien-Erfahrungen mit: «In Filmeinspielungen kamen dabei auch Chinesen und Inder mit ihren Zielen und Ansichten zu Wort.» Schoettli war laut der Medienmitteilung fast 20 Jahre NZZ-Korrespondent in Dehli, Hongkong, Tokio und Peking. Seit dem Jahr 2010 arbeitet er als selbständiger Asienexperte. «Der beste Zugang zu China ist über Messen. Aber ziehen Sie Schlittschuhe an, es ist Glatteis», warnte Kurt Haerri, Direktor der Top Range Division von Schindler AG. Er war von 1996 bis 2003 für das Unternehmen in China tätig. Seit 2006 ist er Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-China.

Elefantenrunde mit Parteipräsidenten
In der Elefantenrunde des Swiss Economic Forum diskutierten die Parteipräsidenten von Regierungsparteien über noch unentdeckte Potenziale in der Politik und ihre Visionen für eine erfolgreiche Schweiz. Toni Brunner (SVP), Christophe Darbellay (CVP), Christian Levrat (SP) und Fulvio Pelli (FDP) debattierten unter der Leitung von Fernsehmoderatorin Christine Maier zu den Themen Zuwanderung, Frankenstärke und Energiepolitik der Zukunft.

Gewinner des Swiss Economic Award 2011
Ein weiterer Höhepunkt am Freitagnachmittag war laut der Medienmitteilung die Verleihung des mit insgesamt 75 000 Franken dotierten Jungunternehmerpreises der Schweiz, des Swiss Economic Award. Die Jury unter der Leitung von Präsidentin Carolina Müller-Möhl hatbe aus hundert Bewerbungen aus der ganzen Schweiz die Gewinner gekürt. Die Sieger: Susanne Schanz vom Gourmet-Hauslieferservice Gourmet15box GmbH (Sparte Produktion/Gewerbe); Alexander Ilic und Michael Born vom Software-Unternehmen Dacuda AG (Sparte Hightech/Biotech); Dominic Hofer, Bruno Frieden und Thomas Kindler von Loylogic AG, einem führenden Unternehmen für Kundenbindungsprogramme für Hotels und Fluglinien (Sparte Dienstleistung).

Querdenker als Überraschungsgäste
Den zweiten Tag eröffnete der Sozialunternehmer Mel Young: «Der Schotte gründete im Jahr 1993 das Wochenmagazin ‹The Big Issue›, das von Obdachlosen in den Strassen von Schottland verkauft wird. Inzwischen führt Young mit Partnern ein globales Netzwerk von 94 Strassenmagazinen in 36 Ländern.» Um Obdachlosen nachhaltig eine neue Perspektive zu geben, habe er im Jahr 2003 den «Homeless Worldcup», die Fussballweltmeisterschaft für Obdachlose, auf die Beine gestellt. Seit dem Start des Projektes habe Young durch seine Initiative über 100 000 Obdachlose von der Strasse geholt.

«Schlagkräftige Argumente» lieferte der amtierende Boxweltmeister im Schwergewicht, Vitali Klitschko: «Der 40jährige Ukrainer ist ein Querdenker im wahrsten Sinne: Der Champion ist auch Politiker (Parteivorsitzender der Ukrainischen demokratischen Allianz für Reformen), Botschafter (unter anderem Unesco-Sonderbotschafter, Botschafter für Integration) und Unternehmer (in Hamburg betreibt er eine Marketing- und PR-Agentur und berät Firmen, die den Markteintritt in Osteuropa und der Ukraine planen).

Als unter die Haut gehend wird in der Medienmitteilung der Auftritt der blinden Sabriye Tenberken bezeichnet: «Sie gründete mit ihrem Lebenspartner in Lhasa die erste Blindenschule in Tibet und startete die Stiftung ‹Braille ohne Grenzen›. Seit April 2007 engagierten sie sich in ihrem neusten Projekt, dem Aufbau eines Berufsbildungszentrums für blinde und sehbehinderte Kinder im südindischen Kerala.

Zum Schluss der Veranstaltung wurde der langjährige Moderator Erich Gysling für seine Verdienste geehrt. Nachdem er den Anlass während zwölf Jahren moderiert und zusammen mit Co-Moderatorin Christine Maier auch mitgeprägt habe, stehe er dem Swiss Economic Forum in Zukunft als Experte zur Verfügung: «Seine Nachfolge tritt Franz Fischlin, Redaktor und Moderator der Tagesschau, an.»

Teilnehmernachfrage immer noch steigend
Das Swiss Economic Forum hat sich nach Angaben der Veranstalter als führendes Wirtschaftstreffen der Schweizer kleinen und mittleren Unternehmen mit einem grossen Nutzwert und einer hochstehenden Teilnehmerqualität einen Namen gemacht: «Die gegenüber dem Vorjahr um 3  Prozent höhere Nachfrage nach Teilnahme­plätzen überstieg das Angebot auch diesmal massiv: Über 650 Interessenten konnten nicht berücksichtigt werden. Aus diesem Grund werden die Plätze jeweils unter notarieller Aufsicht zugelost.»

Das Swiss Economic Forum in Zahlen
Das Swiss Economic Forum wurde laut der Medienmitteilung im Jahr 1998 gegründet und 1999 erstmals durchgeführt. Geschäftsführer sind Stefan Linder und Peter Stähli. Während dem Anlass stünden 22 Mitarbeiter und Bereichsleiter sowie rund 420 Helfer im Einsatz. Das Budget des Anlasses betrage zwei Millionen Franken, die jährliche Wertschöpfung in der Region belaufe sich auf rund fünf Millionen Franken. – Das 14. Swiss Economic Forum soll am 7./8. Juni 2012 wiederum in Interlaken stattfinden.

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