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Brienzersee: Starker Rückgang der Nährstoffe und der Fischbestände

Heute gelangen kaum noch Nährstoffe in den Brienzersee. Die Fangerträge der Berufsfischer sind auf ein Niveau gesunken, das eine wirtschaftliche Aufrechterhaltung der Berufsfischerei in Frage stellt. Eine künstliche Erhöhung des Phosphoreintrags in den See lehnt der Kanton zum jetzigen Zeitpunkt ab.

pd/bns. Der Kanton Bern hat laut einer Medienmitteilung eine Zustandsanalyse des Brienzersees erstellt und die teilweise markanten Veränderungen seit dem Jahr 1999 dokumentiert: «Im Brienzersee hat der wichtigste Algennährstoff Phosphor in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Dies als gewolltes Ergebnis der bundesrechtlichen Gewässerschutzmassnahmen im Einzugsgebiet und des seit dem Jahr 1986 geltenden Phosphatverbots in Waschmitteln. Schon immer ein karges Alpenrandgewässer, weist der Brienzersee heute die tiefste Phosphorkonzentration von allen grösseren Schweizer Seen auf. Damit nähert er sich bezüglich des Phosphateintrags wieder einem natürlicheren Zustand.»

Während sich die Menge der Algen seit dem Jahr 1999 nicht markant verändert habe, schwankt diejenige des Zooplanktons stärker. Insbesondere fehlten, wie schon im Hochwasserjahr 1999, seit dem Jahr 2008 die Blattfusskrebse (Wasserflöhe) im Brienzersee fast vollständig: «Das Ausbleiben dieser für Fische sehr wichtigen Futterorganismen hat Konsequenzen für den Fischbestand.» Namentlich die beiden Felchenarten «Felchen» und «Brienzlig» wüchsen heute viel langsamer: «Waren vierjährige Brienzlige im Jahr 1995 noch ungefähr 26 Zentimeter lang, erreichen sie heute noch eine Länge von ungefähr 18 Zentimeter.» Der Fangaufwand der Berufsfischer habe dadurch markant zugenommen. Trotzdem sei der Jahresfangertrag von Berufs- und Angelfischern mit ein bis zwei Kilogramm pro Hektare auf das mit Abstand tiefste Niveau aller grösseren Schweizer Seen gesunken. Zum Vergleich: Im deutlich nährstoffreicheren Bielersee erzielten allein die Berufsfischer einen Jahresertrag von 40 bis 50 Kilogramm pro Hektare: «Als Folge dieser Entwicklung hat seit dem Jahr 1995 die Anzahl der Berufsfischer am Brienzersee von fünf auf noch zwei abgenommen.»

Ebenfalls seit dem Jahr 2008 treten laut der Medienmitteilung bei den Felchen gehäuft Individuen ohne Geschlechtsorgane auf. In den Sommermonaten der Jahre 2009 und 2010 seien über die Hälfte der Brienzlige steril gewesen: «Inwieweit die Sterilität dieser Fische in einem Zusammenhang mit der zeitgleich aufgetretenen Futterknappheit steht, ist gegenwärtig noch unklar, ebenso die Fragen nach dem Einfluss der geringen Futtermenge auf die Biodiversität und die Erhaltung dieser nur im Brienzersee vorkommenden Felchenart.»

Der starke Rückgang der Fangerträge im Vergleich zu den ertragreichen 1970er und 1980er Jahre habe in Fischereikreisen die Frage aufkommen lassen, ob diese Entwicklung nicht mit einer reduzieren Phosphatfällung in den Kläranlagen gebremst werden könnte, verlautet im weiteren: «Da die Gewässerschutzvorschriften mehrheitlich auf bundesrechtlichen Vorgaben basieren, müsste der Bund zuerst die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen anpassen, bevor der Kanton aktiv werden könnte.» Dazu komme, dass die Wirkung der Massnahmen unter Experten umstritten sei und auch zu einer Erhöhung der jährlichen Betriebskosten der Kläranlagen im Einzugsgebiet des Brienzersees führen würde: «Das Fischereiinspektorat und das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern haben daher entschieden, keine Massnahmen zu ergreifen, welche die bisherigen Anstrengungen für den Gewässerschutz in Frage stellen. Die Entwicklung im Brienzersee soll allerdings weiterhin genau verfolgt werden.»

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