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Thun: Kunsteisbahn bleibt im Grabengut und wird saniert

Die Kunsteisbahn Thun soll im Grabengut bleiben. Der Gemeinderat will die bestehende Anlage an der Peripherie der Innenstadt sanieren und optimieren.

pd/bns. Nach heutigem Zeitplan soll laut einer Medienmitteilung im Jahr 2013 ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden, danach werde der Stadtrat über einen Projektierungskredit entscheiden. Ein Baukredit oder ein Beitrag an die Bauherrschaft – je nach künftigen Besitzverhältnissen – soll den Stimmberechtigten im Jahr 2015 vorgelegt werden: «Falls alles nach Plan läuft, ist ein Realisierungsbeginn im Jahr 2016 möglich.» Es werde mit Bruttobaukosten von 14 bis 17 Millionen Franken gerechnet: «Wie weit sich Dritte daran beteiligen, ist noch offen.»

Vertiefte Abklärungen hätten ergeben, dass die vor einem Jahr beschlossene Verlegung der Kunsteisbahn nach Thun-Süd nur unter schwierigen Rahmenbedingungen zu finanzieren und daher auch der Zeitpunkt der Realisierung kaum zu bestimmen wäre. Daher soll jetzt die Sanierung der heutigen Anlage im Grabengut rasch an die Hand genommen werden. Vorgesehen sei neben der Erneuerung der veralteten Anlagen und Einrichtungen eine Einwandung und Isolierung des bereits überdachten Hauptfeldes. Noch offen sei eine mögliche Überdachung und Einwandung des zweiten Eisfeldes. Wenn möglich werde der Eissportbetrieb ohne Unterbruch weitergeführt.

Der Thuner Gemeinderat habe sich im November 2010 im Grundsatz für eine Verlegung der Kunsteisbahn Thun vom Grabengut in Innenstadtnähe nach Thun-Süd oder in die Glättimühle in Steffisburg ausgesprochen, wird in der Medienmitteilung erinnert: «Er erteilte der Projektgruppe, die sich mit der Zukunft der Kunsteisbahn Grabengut beschäftigt, den Auftrag, die Finanzierung einer Verlegung vertieft zu prüfen, die Verfügbarkeit der Standorte Thun Süd und Glättimühle abzuklären sowie Fragen zur Trägerschaft und zum Betrieb einer neuen Eissportanlage zu beantworten.» Nun, da alle wichtigen Fragen beantwortet seien, habe sich der Gemeinderat in Abwägung aller Zusammenhänge für die damalige Rückfalloption entschieden: «Die Kunsteisbahn bleibt im Grabengut, wird aber saniert und optimiert.»

Die konkrete Prüfung der Verlegung der Kunsteisbahn an einen neuen Standort habe sich vollständig auf Thun-Süd konzentrierte, weil der Gemeinderat von Steffisburg für den Standort Glättimühle eine Absage erteilt habe. Steffisburg verfolge dort andere Ziele. «Für Thun-Süd gab die Burgergemeinde Thun zwar keine explizite Zusage. Sie unterstützt aber grundsätzlich die Entwicklung eines Sport- und Freizeitclusters – einer konzentrierten Realisierung verschiedener Sportanlagen – an diesem Ort.

Finanzierungslücke von rund 30  Millionen Franken
Für eine neue Kunsteisbahn sei die Projektgruppe aufgrund von Vergleichen mit anderen Anlagen und Grobschätzungen von Gesamtkosten ohne Grundstückkosten von etwa 36 bis 44 Millionen Franken ausgegangen. Für vier Curling-Rinks wären zusätzlich rund fünf Millionen Franken angefallen. Darin eingerechnet seien auch 2,85 Millionen Franken für Sanierungsmassnahmen an der Eiserzeugungsanlage im Grabengut. Diese Arbeiten hätten bis zu einer Verlegung der Anlage in fünf bis zehn Jahren ohnehin ausgeführt werden müssen.

Der Thuner Gemeinderat stellte laut der Medienmitteilung vor einem Jahr einen Beitrag von rund zwölf Millionen Franken für die Sanierung oder den Bau einer Eissportanlage an einem neuen Standort in Aussicht: «Für eine Verlegung der Anlage müssten daher rund 30 Millionen Franken aus anderen Quellen beschafft werden. Die Projektgruppe habe drei Varianten geprüft: Veräusserung des Areals Grabengut, das der Stadt Thun gehört und im Baurecht genutzt wird; Mantelnutzung zu einer neuen Kunsteisbahn; Redimensionierung einer neuen Kunsteisbahn.

Nur eine einschneidende Redimensionierung des Projekts einer neuen Eissportanlage würde die Realisierungskosten substantiell senken und damit die Finanzierbarkeit verbessern, verlautet im weiteren: «Damit wäre dem Eissport aber nicht gedient, weil eine sanierte Anlage im Grabengut dann mehr bieten würde. Somit müssten die rund 30 Millionen Franken mit der Veräusserung des Areals Grabengut und einer Mantelnutzung an einem neuen Standort finanziert werden.»

Städtebaulich fragwürdige Nutzungsdichte
Der Wert des Areals Grabengut hänge stark von der dort zugelassenen Nutzung ab, insbesondere von der Ausnützungsziffer: «Berechnungen ergaben, dass nur eine hohe Ausnutzung der Fläche einen für die Finanzierung einer neuen Anlage genügend hohen Erlös aus der Veräusserung des Areals bringen würde. Mit einer derart hohen Nutzungsdichte – drei bis vier Wohntürme analog dem Hochhaus im Selve-Areal – sinkt aber die Wohnattraktivität.» Zudem dürfte ein solches Projekt auch städtebaulich kaum bewilligungsfähig sein: «Allein mit der Veräusserung des Areals im Grabengut lässt sich somit die Verlegung der Kunsteisbahn nicht finanzieren.»

Sport- und Freizeitcluster oder weitere Mantelnutzung?
Am Standort Thun Süd plane die Stadt bei der Arena Thun die Realisierung eines Sport- und Freizeitclusters. Dazu würde die Eissportanlage grundsätzlich gut passen, nicht aber eine weitere Mantelnutzung mit Verkaufsflächen. Die für die Finanzierung einer neuen Eissportanlage erforderliche Mantelnutzungsfläche würde zusammen mit dem Landbedarf für die Kunsteisbahn einen grossen Teil der noch bestehenden Freifläche beanspruchen. Zudem seien in Thun die durch die Luftreinhalteverordnung vorgegebenen Fahrtenkontingente mit der Realisierung des Panoramacenters und der Thun Arena aufgebraucht, was die Realisierung weiterer verkehrsintensiver Nutzungen verunmögliche. Dazu komme, dass auf dem Areal Weststrasse-Süd ein Arbeitsschwerpunkt mit lagegerechten Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen geplant sei – die entsprechende öffentliche Mitwirkung sei vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Daher wolle der Gemeinderat in Thun Süd auf weitere Mantelnutzungen verzichten.

Sanierung der Kunsteisbahn Grabengut vorantreiben
Die Analysen zur Finanzierbarkeit einer Verlegung der Kunsteisbahn liessen laut der Medienmitteilung auch den ursprünglich beabsichtigten Investorenwettbewerb als nicht sinnvoll erscheinen – die Projektgruppe habe diesen Auftrag nicht umsetzen können. «Nach dem Entscheid des Gemeinderates für die Rückfalloption soll nun die Sanierung und Optimierung der Anlage im Grabengut rasch vorangetrieben werden.» Dazu gehörten die Sanierung der Eiserzeugungsanlage, der Ersatz der heutigen Holztribüne durch eine Tribüne mit neuen Garderoben, ein neuer Restaurationsbereich, die Einwandung und Isolierung der Halle und weitere kleinere Verbesserungen. Zur Sicherung der städtebaulichen sowie architektonischen Qualität werde ein Wettbewerb durchgeführt. Dieser Architekturwettbewerb soll aufzeigen, wie die bestehende Anlage sowie die Aussenflächen samt einer allfälligen Überdachung des zweiten Eisfeldes oder weiterer Ergänzungsbauten gestaltet werden sollen. Bereits bestehende Plangrundlagen würden dabei berücksichtigt.

Curlinghalle bleibt ebenfalls im Grabengut
Mit dem Entscheid zur Sanierung und Optimierung der Kunsteisbahn Thun im Grabengut bleibe auch die Curlinghalle am heutigen Standort auf dem Parkhaus City-Nord: «Der Gemeinderat schliesst eine Kostenbeteiligung bei der notwendigen Sanierung der Eiserzeugungsanlage an die Curlinghalle AG nicht aus.»

Abklärungen zu Eigentum und künftiger Trägerschaft
Heute betrieben die Genossenschaft Stadion Lachen und Kunsteisbahn Thun, die Parkhaus Thun AG, die Curlinghalle Grabengut und ein privater Verein ihre Angebote im Baurecht der Stadt Thun. Der Baurechtsvertrag mit der Genossenschaft Stadion Lachen und Kunsteisbahn Thun laufe bis ins Jahr 2070. «Im Hinblick auf die Sanierung hat der Gemeinderat nun das Amt für Stadtliegenschaften, das neu anstelle der Ende 2011 von einem externen Experten geleiteten Projektgruppe die Gesamtprojektleitung übernimmt, mit der Klärung der Bauherrschaft und der künftigen Eigentumsverhältnisse beauftragt.» Dies werde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Bildung und Sport und der Genossenschaft Stadion Lachen und Kunsteisbahn Thun geschehen. Ebenso soll das Amt für Stadtliegenschaften die erforderlichen Kreditanträge ausarbeiten, über die dann der Gemeinderat und der Stadtrat befinden hätten. Zu klären seien im weiteren planerische beziehungsweise zonenrechtliche Fragen sowie Fragen der künftigen Betriebsorganisation und Trägerschaft, mit denen sich das Planungsamt beziehungsweise das Amt für Bildung und Sport befassen würden. Mit dem Kanton soll angesichts der neuen Voraussetzungen möglichst bald eine abschliessende Vereinbarung zu Umfang und Zeitpunkt der Sanierung der Eiserzeugungsanlage getroffen werden. «Das Projekt zur konkreten Umsetzung, die nicht zwingend dem selben Zeitplan wie die Sanierung der Gebäude folgen wird, liegt vor. In bezug auf bauliche Synergien könnte eine Koppelung aber Sinn machen.»

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Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Obdorfstrasse 23, 3852 Ringgenberg / Redaktionsstube Ringgenberg Telefon +41(0)33 821 10 60 / Mobiles +41(0)79 427 45 78 und Dora Schmid +41(0)79 645 27 11 / Postcheckkonto 40-71882-7
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