| Freitag, 20. Juni 2003 |
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aid/S. Die Qualität zahlreicher bernischer Flüsse, Bäche und Seen entspreche trotz der grossen Anstrengungen im Gewässerschutz noch nicht den gesetzlichen Zielvorgaben und die Wasserqualität der meisten Mittellandgewässer ist laut einer Medienmitteilung ungenügend: «Viele Bäche und Flüsse sind in einem naturfremden Zustand.» Zu Sorge Anlass gebe der vor allem in Mittellandgewässern festgestellte schlechte Gesundheitszustand der Bachforellen. Der Bielersee und viele Kleinseen erhielten nach wie vor zu viel Phosphat.
Brienzerseefelchen
gab es im Jahr 1999 genug sie waren jedoch zu mager, weil ihre wichtigste
Nahrungsquelle, die Wasserflöhe oder Daphnien damals im See fast vollständig
gefehlt hatten. Die Frage drängt sich da auf, ob der Brienzersee
unser Bild zeigt eine föhnige Spätherbststimmung im November
vergangenen Jahres ganz einfach zu sauber und deshalb zu nährstoffarm
sei ... (Archivbilder Peter Schmid)
In der Zeit von 1997 bis 2000 hat das kantonale Gewässer- und Bodenschutzlabor laut Medienmitteilung umfassende Untersuchungen an Fliessgewässern, an den grossen Seen und an Kleinseen durchgeführt und im Gewässerbericht 1997 bis 2000 veröffentlicht. Dieser Bericht diene der Standortbestimmung und der Erfolgskontrolle: «Er stellt die langfristige Entwicklung der Gewässerbelastungen und den heutigen Zustand der chemisch-physikalischen, der biologischen und siehe auch Projekt «Ökomorphologie der Fliessgewässer» abgeschlossen: Wie natürlich sind die Bäche und Flüsse im Kanton Bern? vom Sonntag, 1. Juni 2003 ökomorphologischen Gewässerqualität dar.»
Spezielle Probleme der Oberländer Seen
Untersuchungen an gefangenen Felchen des Thunersees siehe auch Thunerseefelchen mit veränderten Geschlechtsorganen vom Montag, 23. Juli 2001 und Brienzerseetrübung und Thunerseefelchen vom Samstag, 8. März 2003 file:///H|/BEONEWS/ geben laut Medienmitteilung zu Sorge Anlass: Rund 50 Prozent der Felchen wiesen Veränderungen der Geschlechtsorgane auf. Dabei seien Weibchen und Männchen gleichermassen betroffen: «Die Ursachen für diese Missbildungen sind noch nicht geklärt; zurzeit laufen Abklärungen in verschiedenen Bereichen.» Im Brienzersee seien im Jahr 1999 die Felchenfangerträge der Berufsfischer drastisch eingebrochen. Die Überwachung des Seezustandes habe gezeigt, dass gleichzeitig auch die Wasserflohpopulation (Daphnien) im See vollständig zusammengebrochen sei. Daphnien bildeten die wichtigste Nahrungsgrundlage für die Felchen. Um die Ursachen dieser Entwicklung zu ergründen, habe der Kanton Bern eine Systemanalyse sowie einen Expertenbericht in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Studien siehe auch Brienzerseefelchen gab es genug sie waren jedoch zu mager vom Montag, 5. Mai 2003 lägen nun vor und zeigten die wichtigsten Wissenslücken auf: «Sie sind Basis für zielgerichtete weitere Abklärungen.»
Kleinseen vor allem im Mittelland überdüngt
Im Kanton Bern gibt es laut Medienmitteilung insgesamt 112 Kleinseen mit einer Oberfläche von mindestens einer halben Hektare. Die Kleinseen seien bisher nur unzureichend untersucht und beschrieben worden: «Eine einmalige Bestandesaufnahme und Untersuchung gibt nun ein umfassendes Bild über Entstehung und Zustand dieser Kleingewässer.» Im Rahmen dieses Projektes seien historische und neuere Unterlagen aus Archiven und Bibliotheken zusammengetragen, aber auch aktuelle Messwerte in den Seen gesammelt worden. Die Ergebnisse seien in einem umfangreichen separaten Bericht dokumentiert worden: «Insbesondere im Mittelland sind viele Kleinseen durch Überdüngung stark beeinträchtigt.» Die Folgen davon seien massives Algen- und Wasserpflanzenwachstum, schlechte Sauerstoffverhältnisse für Fische und eine erhöhte Verlandungsgeschwindigkeit. Der «Gewässerbericht 1997 2000» ist laut Medienmitteilung beim Gewässer- und Bodenschutzlabor Schermenweg 11, 3014 Bern erhältlich oder im Internet unter www.gsa.bve.be.ch/Aktuell abrufbar.
Wasserqualität der Fliessgewässer im Mittelland ist noch ungenügend
Die Wasserqualität der grossen Flüsse werde regelmässig kontrolliert, verlautet im weiteren: «Diese Messungen zeigen, dass die Phosphatbelastung seit den siebziger Jahren erfreulicherweise deutlich abgenommen hat.» Zurückzuführen sei dies auf den Bau der Kläranlagen und das im Jahr 1986 eingeführte Phosphatverbot in Waschmitteln. Trotz dieser positiven Entwicklung seit die Wasserqualität der meisten Fliessgewässer im Mittelland ungenügend: «Die nach wie vor zu hohe Belastung aus Kläranlagen und der Landwirtschaft hat zur Folge, dass die gesetzlichen Zielvorgaben häufig nicht eingehalten werden.» Betroffen seien nicht nur viele kleine Fliessgewässer. Auch in grossen Flüssen wie der Aare und der Emme müsse die Wasserqualität noch verbessert werden. So seien in der Aare unterhalb von Bern die Anforderungen an die Wasserqualität noch nicht vollumfänglich erfüllt: «Massnahmen sind vielerorts bereits im Gang, so dass sich die Situation in den nächsten Jahren deutlich verbessern wird.»
Auch
im Oberland ist in Sachen Fliessgewässer nicht alles Natur pur ...
Zu viele Gewässer sind nicht mehr natürlich
Im Mittelland sind laut Medienmitteilung die Gewässer häufig kanalisiert und verbaut: «Die strukturellen Defizite sind hier besonders ausgeprägt:» Gut ein Viertel der Bäche und Flüsse sei stark beeinträchtigt, naturfremd oder gelte als künstlich. Ein weiteres Viertel der Mittellandgewässer sei heute nicht mehr sichtbar, weil diese in der Vergangenheit unter die Erde verlegt, das heisst eingedolt worden seien: «Würde man alle eingedolten Gewässer des Kantons Bern aneinander reihen, ergäbe sich eine Röhre mit der Streckenlänge von Bern bis Sizilien.» Mehr als die Hälfte der Mittellandgewässer sei demnach als unnatürlich einzustufen. In den Voralpen und im Jura liege dieser Anteil etwas tiefer, bei 35 bis 40 Prozent. Das bedeute für Fische und andere Gewässerorganismen, dass in unnatürlichen Gewässerabschnitten die Lebensraumqualität für Gewässerorganismen allgemein als schlecht einzustufen sei. Das Fischvorkommen sei in diesen Abschnitten geringer und die Fische könnten sich weniger gut fortpflanzen: «Unnatürliche Gewässer weisen ferner eine verminderte Selbstreinigungskraft auf, das heisst der Abbau von eingeleiteten Schmutzstoffen ist gegenüber natürlichen Flüssen verlangsamt oder verunmöglicht der Handlungsbedarf für strukturelle Gewässeraufwertungen ist im Kanton Bern immens.»
Die Gesundheit von Bachforellen ist besonders in Mittelland schlecht
In den Flüssen und Bächen des Mittellandes wird die Gesundheit der Bachforellen deutlich schlechter als in Oberland- oder Juragewässern bezeichnet. Dies zeige eine Untersuchung, bei der in 17 Gewässerabschnitten des Kantons Bern Forellen entnommen und anschliessend untersucht worden seien: «Die Forellen, die aus Mittellandgewässern stammen, weisen stärkere Veränderungen der Organe Leber und Niere auf als Fische aus alpinen oder jurassischen Gewässern.» In alpinen Gewässern seien die Forellen recht gesund. Der Bestand und die Gesundheit von Fischen seien ein wichtiger Indikator der Gewässergüte: «Eine schlechte Fischgesundheit weist darauf hin, dass in diesen Gewässern die Lebensbedingungen ungenügend sind.» Dabei könnten Stoffe aus Kläranlagen eine Rolle spielen, besonders bei geringer Verdünnung des eingeleiteten Abwassers. Nicht auszuschliessen sei, dass auch die durch die Klimaveränderung eingetretene Temperaturerhöhung der Gewässer der kälteliebenden Forelle Probleme bereite. Die Lebensbedingungen der Bachforellen und anderer Gewässerorganismen können unter anderem durch eine Verbesserung der Wasserqualität und eine Aufwertung der Gewässerstrukturen verbessert werden.
Nach wie vor zu viel Phosphat im Bielersee
Die Wasserqualität des Bielersees ist laut Medienmitteilung infolge des Kläranlagenbaus in den vergangenen Jahrzehnten deutlich besser geworden. Dies spiegle sich auch im Fischbestand und in den Fischfängen. Der Fangertrag sei heute im Bielersee im Vergleich mit anderen Schweizer Seen sehr hoch. Trotz dieser positiven Entwicklung weise der Bielersee jedes Jahr zwischen Sommer und anfangs Winter Sauerstoffdefizite im Tiefenwasser auf. Die Sauerstoffkonzentrationen seien so tief, dass die Anforderungen der Gewässerschutzverordnung nicht eingehalten würden: «Die immer noch zu hohe Phosphatbelastung des Sees führt zu übermässigem Algenwachstum und zu einer massiven Sauerstoffzehrung in den tieferen Wasserschichten.» Zur längerfristigen Erreichung der Gewässerschutzziele im Bielersee müsse die Phosphatbelastung weiter reduziert werden. Im Vordergrund stünden dabei Massnahmen bei den Kläranlagen sowie eine Reduktion des diffusen Nährstoffeintrags aus der Landwirtschaft.
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist,
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