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Sonntag, 20. Juni 2004
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Ringgenberger Sommerausstellung mit Werken von Friedrich Frutschi und Ernst Huber

38. Hauptversammlung des Vereins für Dorf- und Heimat Ringgenberg-Goldswil

ds/pvr. Die im Dorfmuseum Ringgenberg gestern Samstag nach der Hauptversammlung des Vereins für Dorf- und Heimat Ringgenberg-Goldswil eröffnete Sommerausstellung 2004 zeigt bis 22. August neben 21 Skulpturen aus Gips, Bronze, Holz und Kunststein vier Schwarzweisszeichnungen von Friedrich Frutschi und fünf farbige Bilder seines Freundes Ernst Huber, der sein Atelier ebenfalls in Ringgenberg hatte.

Drei Frutschi-Skulpturen – Gips, Kunststein und Bronze – im Ringgenberger Dorfmuseum. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

Friedrich Frutschis freies künstlerisches Schaffen umfasst in erster Linie die Figuren- und Tierplastik in Gips, Holz, Bronze und Kunststein, ferner das Porträt, die Kleinplastik und das Grabmahl – wobei er sich um eine einfache, saubere und realistische Gestaltungsweise bemühte. Unter anderem schuf Friedrich Frutschi die Habichtskulptur auf dem Habker Dorfbrunnen. Wie sein Sohn Urs an der Vernissage erinnerte, musste Friedrich Frutschi im Jahr 1980 im Alter von 88 Jahren eine grosse, fast unüberwindbare Enttäuschung erleben: 70 seiner Werke seien den Flammen zum Opfer gefallen und der anscheinend durch einen defekten Ölofen verursachte Atelierbrand an der damaligen Bellevuestrasse – heute Brandstrasse 220 – habe auch Rezensionen, Bücher, Zeichnungen und Werkzeuge vernichtet: «Ein Schaffen von vielen Jahren wurde vernichtet; neun Monate später, am 14. Januar 1981 wurde er ganz unverhofft – während dem Mittagessen – in die ewige Heimat abberufen.»

Zu den Werken von Friedrich Frutschi gehört die Habichtskulptur auf dem Habker Dorfbrunnen. (Archivbild Peter Schmid)

Der am 7. Februar 1892 in Ringgenberg geborene Friedrich Frutschi hatte nach Angaben seines Sohnes Urs noch einen um 16 Jahre älteren Bruder. Friedrich Frutschis Vater habe eine Schnitzlerwerkstatt betrieben, in der jeweils zusätzlich zwei bis drei Schnitzler engagiert waren. Friedrichs Bruder Christian habe ebenfalls dieses schöne Handwerk erlernt und im väterlichen Betrieb mitgearbeitet. In der Person von Friedrich Buri, ebenfalls Holzbildhauer in Ringgenberg, sei für Friedrich Frutschi ein Lehrmeister gefunden worden. Bei ihm habe er das Handwerk eines Holzbildhauers erlernt. Kurz vor Ende der Lehrzeit habe der junge Holzbildhauer in seiner Freizeit ein Pferd geschaffen. Er habe versuchte diesem Werk einen lebendigen Ausdruck zu verleihen. Der Betrachter sollte spüren, dass das Tier nach einem strengen Ritt eine Verschnaufpause brauche: «Man soll sozusagen das Schnaufen wahrnehmen und das wohltuende Innehalten miterleben.»

Zu den Exponaten der Sommerausstellung im Dorfmuseum Ringgenberg gehört auch die «Ringergruppe» – das letzte, unvollendete Werk von Friedrich Frutschi.

Diesem Werk verdankt Friedrich Frutschi laut den Ausführungen seines Sohnes Urs seine künstlerische Laufbahn. Weder sein Vater noch sein Lehrmeister hätten etwas Gutes an diesem Schnitzwerk gelassen. Es habe nicht der damals traditionellen Schnitzerei entsprochen. Enttäuscht über diese Beurteilung habe der junge Holzbildhauer seine Arbeit in ein Tuch gewickelt und sei zu seinem Onkel nach Bern gereist um sein Schaffen dort einem Fachmann zur Beurteilung vorzulegen. Auf seiner Reise nach Bern wollte es das Schicksal, dass in Spiez ein Fremder mit einem Bild unter dem Arm seinem Abteil zustieg. Der Mann habe sich sofort für das Paket interessiert, dem wohl zu entnehmen gewesen sei, was sich darunter verberge. Nachdem er das Anliegen des Jünglings verstanden und im Werk das Suchen nach Lebendigkeit gefunden habe, habe er sich als der Kunstmaler Ernst Linck vorgestellt. Am folgenden Tag sei Friedrich Frutschi im Café Rudolf dem Bildhauer Hermann Hubacher vorgestellt worden. Es sei bei Linck und Hubacher nicht bei der Ermunterung geblieben, so weiterzumachen: «Bei Hermann Hubacher erhielt er Unterricht in Modellieren und bei Ernst Linck Aktzeichnen; an der Universität Bern studierte er Anatomie, Psychologie und Kunstgeschichte.» Anschliessend habe Friedrich Frutschi die Kunstakademie in München besucht und sei Schüler von Peter Hahn und Balthasar Schmidt geworden. Weitere drei Jahre habe er im Bildhaueratelier von August Suter in Zürich gearbeitet. In dieser Zeit seien diverse Figuren am Amtshaus in Zürich und Kapitale in der Kirche Fluntern in Zürich von August Suter und Friedrich Frutschi geschaffen wurden.

Die Gebrüder Hansulrich und Urs Frutschi (Riniken AG/Ringgenberg) – von links nach rechts – mit ihren Frauen Lydia und Catherine. Vereinspräsident Martin Steiner (rechts) bedankte sich für die zur Verfügung gestellten Exponate für die Ausstellung.

Im Jahre 1920 kehrte Friedrich Frutschi nach Angaben seines Sohnes nach Ringgenberg zurück und arbeitete da als selbständiger Bildhauer. Er habe Studienreisen nach Deutschland, Belgien, Algerien, in die Bretagne und häufig nach Paris mit Aufenthalten an einschlägigen Akademien unternommen. Im Jahr 1928 habe er die Leitung der Schnitzlerschule in Brienz (Staatliche Fachschule für Holzbildhauerei) übernommen und dort selber auch als Fachlehrer bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1958 gearbeitet: «Das Hauptanliegen in seiner dreissigjährigen Lehrtätigkeit war immer das Fördern der Schüler nach ihren Kräften und Gaben; der Mensch hatte in jedem Fall erste Priorität.» In Verbänden und Kommissionen habe er stets für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und für die Beschaffung von Aufträgen gekämpft. So habe er während seiner Zeit in Brienz dagegen gekämpft, dass Souvenirhändler von der Schnitzlerschule billige Arbeitskräfte hätten holen können. Deshalb habe er grossen Wert auf eine gute Ausbildung gelegt, die es erlauben sollte, mit dem Bildhauerberuf eine Familie ernähren zu können. Dies habe zu grosse Spannungen mit den Berufsverbänden geführt.

Vereinsvorstand wiedergewählt

An der 38. Hauptversammlung des 149 Mitglieder zählenden Vereins für Dorf- und Heimat Ringgenberg-Goldswil wurde der gesamte Vorstand in globo bestätigt und setzt sich damit für weitere zwei Jahre wie folgt zusammen: Vereinspräsident Martin Steiner, Vizepräsidentin Julia Frutiger, Sekretärin und Kassierin Regula Müller sowie die Beisitzer Edith Abegglen, Rita Sterchi, Erna Michel, Hansueli Schmocker und Stefan Scheller. Nach der Demission von Rechnungsrevisor Willi Scheller wurde Bernhard Abegglen einstimmig für dieses Amt gewählt.

Schlüsselübergabe für die Schlossweid: Hans Imboden (rechts) übergibt den Schlüssel an Willi und Barbara Reber.

Die Aufgaben des als Abwart der Liegenschaft Dorf und Heimat – Dorfmuseum, Brotbackhüsli und Stöckli – zurückgetreten Hans Imboden übernimmt Willi Reber, der auch in der Schlossweid wohnt. Imboden, der seit der Gründung des Vereins im Jahr 1966 dabei ist, wurde mit einem Malkasten geehrt. Er habe mit seinen Nachforschungen viel dazu beigetragen dass man soviel über Ringgenberg-Goldwil wisse. Vereinspräsident Martin Steiner würdigte den grossen Einsatz von Hans Imboden – dieser hatte 35 Jahre lang in der Schlossweid gewohnt, gelebt und dazu geschaut – für den guten Erhalt der Liegenschaft.

Wie an der anschliessenden Vernissage erinnert wurde, war Friedrich Frutschi der erste Präsident von Dorf und Heimat: «Er hatte viel Fronarbeit geleistet und hätte wohl eine riesengrosse Freude, dass diese Ausstellung nach 38 Jahren hier im Dorfmuseum stattfindet, denn er hatte viele Jahre um diese Räume gekämpft.» Sein Freund Ernst Huber habe Friedrich Frutschi dabei mit Ideen unterstützt, um zu verhindern, dass die Häusergruppe Schlossweid in die Hände von Spekulanten gerate. Untergebracht ist das Dorfmuseum im liebevoll restaurierten Stöckli. Der Verein für Dorf und Heimat Ringgenberg-Goldswil habe sich zum Ziel gesetzt, das einheimische Kulturgut den heutigen Einwohnern und Gästen näherzubringen: «Vor allem wollen wir auch die kulturellen Schätze und Traditionen unserer Vorfahren wieder neu aufleben lassen und den späteren Generation bewahren.» Auch der Erhaltung einer natürlichen Umgebung werde grosse Bedeutung beigemessen. So sei die Schlossweid durch grossen persönlichen Einsatz der Vereinsmitglieder restauriert worden und könne heute als Zentrum der Dorfkultur betrachtet werden: «Jährlich im Sommer, wird ein Thema aus dem Gedankengut unseres Vereins anlässlich einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.» Auch wieder ins Leben gerufen worden sei die althergebrachte Art des gemeinsamen Brotbackens im Holzofenhüsi.

Sommerausstellung im Dorfmuseum Schlossweid Ringgenberg. Werke des Bildhauers Friedrich Frutschi. 19. Juni bis 22. August 2004, Dienstag und Donnerstag von 19.30 bis 21.30 Uhr und Samstag von 14 bis 17 Uhr.

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