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Montag, 14. Februar 2000

Wilderer schickt Paket mit vier abgeschnittenen Luchspfoten

Illegale Luchstötung im Kanton Bern – Strafanzeige gegen die Täterschaft

aid/S. Das Amt für Natur des Kantons Bern hat per Post ein anonymes Paket mit vier frisch abgeschnittenen Pfoten eines Luchses erhalten. Da die Begleitumstände laut einer Medienmitteilung eindeutig auf einen Fall von Wilderei hindeuten, sei umgehend eine Strafuntersuchung gegen unbekannte Täterschaft eingeleitet worden. Das Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft (Buwal) zeigt sich in einer Stellungnahme seinerseits «empört über die illegale Tötung eines Luchses und reagiert entsetzt auf die widerwärtige Art wie Teile des Kadavers des geschützten Raubtiers dem Amt für Natur des Kantons Bern zugestellt wurden».

Das Buwal hat auf seiner Website ein Fenster eingerichtet, damit die Bevölkerung Gelegenheit hat, ihre Meinung zu diesem Vorfall auszudrücken. (Foto: zvg/Buwal)

In dem per Post zugestellten Paket fanden die Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Natur vier frisch abgeschnittene Pfoten eines Luchses: «Sie waren in Haushaltpapier eingewickelt und je mit einem Namen bestimmter Personen im Amt sowie des früheren Kantonsoberförsters von Obwalden beschriftet.»  Dieser habe im Jahr 1972 mit Bewilligung des Bundes die ersten Luchse der Schweiz in seinem Kanton ausgesetzt. Auf einer Postkarte stand laut Medienmitteilung geschrieben: «aus dem Berner Jagd-Dschungel». Da die Begleitumstände eindeutig auf einen Fall von Wilderei hindeuteten, sei umgehend eine Strafuntersuchung gegen unbekannte Täterschaft eingeleitet worden.

Der Luchs gehöre zu den geschützten Tierarten, wird im weiteren ausgeführt. In den vergangenen Jahren habe er sich im Nordwestalpenraum, namentlich auch im westlichen Berner Oberland, etabliert und auf Grund des guten Nahrungsangebotes stark entwickelt: «Reaktionen aus den Reihen von Kleinviehhaltern und Jägern blieben nicht aus, als der Einfluss des Luchses auf Rehe und Gämsen sowie Schafe und Ziegen spürbar wurde.» Die teilweise hitzige Kontroverse habe im vergangenen Sommer ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, worauf das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) der Öffentlichkeit ein Konzept zum künftigen Umgang mit dem Luchs in der Schweiz vorgestellt habe: «Demnach soll der Luchs im gesamten Alpenraum sesshaft werden, damit sein Bestand langfristig gesichert ist.» Zu diesem Zweck sollen unter anderem Luchse im Nordwestalpenraum eingefangen und in geeigneten Lebensräumen östlich der Aare ausgesetzt werden. Mehrere Kantone hätten Interesse signalisiert, stellten aber noch Bedingungen. Sie forderten unter anderem mehr Kompetenzen. So soll in Zukunft der Kanton und nicht der Bund entscheiden, ob ein Luchs, der nachweislich grössere Schäden an Nutztieren anrichtete, abgeschossen werden darf. «Im vergangenen Herbst musste der Kanton Bern mehrmals intervenieren, bis er vom Bund die Bewilligung erhielt, den Luchs im Kandertalzu erlegen, der 26 Schafe gerissen hatte.» – Siehe auch Berichte «Nachhaltige Entschärfung der Luchssituation nähergerückt» – Unerwartet starke Abnahme bei den Reh- und teilweise auch bei den Gäms-Beständen»  vom 5. Januar 2000  und «Kandertaler Luchs von Wildhüter abgeschossen – Luchs Tito auch in der Nähe von Interlaken aufgetaucht» vom Mittwoch, 29. September 1999.

Das Konzept sehe zudem vor, den absoluten Schutz des Luchses zu lockern, wenn der Bestand im Alpenraum als gesichert betrachtet werden könne: «Ab diesem Zeitpunkt soll es den Kanton möglich werden, mit gezielten Eingriffen den Luchsbestand zu regulieren.» Damit dieses Konzept die Unterstützung aller betroffener Kreise und der übrigen Bevölkerung finde, werde seit einiger Zeit viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet: «Offensichtlich gibt es aber Menschen, die glauben, das Problem mit der Flinte lösen zu können.» Wer dies tue, erschwere nicht nur die ohnehin schwierige Konsensfindung ungemein, sondern füge dem Ansehen aller rechtmässig und ehrenhaft jagenden Jägern des Kantons Bern sehr grossen Schaden zu.

Die bernische Volkswirtschaftsdirektion setzt sich laut Medienmitteilung für einen überlebensfähigen Luchsbestand im Alpenraum ein und befürworte gleichzeitig gezielte Eingriffe bei schadenstiftenden Tieren: «Sie setzt dabei auf Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Verstösse gegen geschützte Tierarten wird sie konsequent verfolgen.»

Buwal empört über illegale Luchstötung

Das Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft zeigt sich in einer Stellungnahme «empört über die illegale Tötung eines Luchses und reagiert entsetzt auf die widerwärtige Art wie Teile des Kadavers des geschützten Raubtiers dem Amt für Natur des Kantons Bern zugestellt wurden».

Auch das Buwal erinnert daran, dass der Luchs ein geschütztes Tier sei: «Die Schweiz spielt in Europa eine zentrale Rolle für die Erhaltung des Luchses.» Mit rund hundert Tieren habe die Schweiz den grössten Luchsbestand in den Alpen und trage damit eine grosse Verantwortung und Verpflichtung für die Erhaltung dieser Art: «Der Luchs kann in den Alpen langfristig nur existieren, wenn die Schweiz den Luchs wirksam schützt und seine Verbreitung fördert.»

Das Buwal fahre in seiner Politik, den Luchs in Zusammenarbeit mit allen involvierten Kreisen zu schützen, fort. Es bereite deshalb zusammen mit den betroffenen Kantonen ein Projekt zur Wiederansiedlung von Luchsen in der Ostschweiz vor. Damit soll das Verbreitungsgebiet in der Schweiz vergrössert werden und die Ausbreitung in die Ostalpen in Richtung Österreich ermöglicht werden. In den Nordwestalpen (Kantone Bern, Freiburg und Wallis) gebe es zurzeit relativ hohe Luchsbestände: «Dort sollen Luchse eingefangen werden und in der Ostschweiz freigelassen werden.» Die Verhandlungen mit den Ostschweizer Kantonen stünden kurz vor dem Abschluss.

Luchse ernähren sich laut Buwal von Wildtieren. Rehe und Gämsen bildeten bis 90 Prozent der Nahrung der Raubkatze: «Wenn Luchse sich auf Schafe als Beutetiere spezialisieren, erteilt das Buwal eine ausserordentliche Abschussbewilliung.» Drei Mal habe das Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft diese Massnahme ergriffen, weil Luchse zuviele Schafe getötet hätten: «1997, 1998, und 1999 haben kantonale Wildhüter mit Bewilligung des Buwal je einen Luchs abgeschossen.»

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