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Dienstag, 1. Februar 2000

Eisenbahnwagen nächtlicherweile von Sprayern verschmiert

«Rail in-Club» Interlaken: Pro Waggon 10'000 bis 20'000 Franken Schaden

S. Mehr als ein halbes Dutzend Eisenbahnwagen des «Rail in-Clubs» Interlaken – von restaurierten und für verschiedene Zwecke umgebauten Personenwaggons  bis hin zu zwei modernen, komfortablen Schlafwagen – sind in den vergangenen Tagen und Wochen von einer unbekannten Täterschaft mit Farbsprays verschmiert worden. Der nicht versicherte Schaden bewegt sich pro Waggon zwischen 10'000 und 20'000 Franken.

Die beiden Schlafwagen des «Rail in-Clubs» Interlaken sind massiv versprayt worden – Schaden pro Wagen an die 15'000 Franken. (Fotos: Peter Schmid)

Die zwei Schlafwagen sind nach Angaben von Béatrice Jesenek, Geschäftsführerin der «Rail in-Travel GmbH», welche mit insgesamt 19 klubeigenen und bei Bedarf zusätzlich gemieteten Eisenbahnwagen Erlebnis-, Vergnügungs-, Studien- und Businessreisen auf dem gesamten europäischen Normalspurnetz veranstaltet, bereits zum zweitenmal innerhalb von sechs Monaten nächtlicherweile auf dem Areal des Güterbahnhofs Interlaken West massiv verschmiert worden. Gegen die unbekannte Täterschaft sei Strafanzeige wegen Sachbeschädigung eingereicht worden.

Gehäuft Schmierereien

Schmierereien an Eisenbahnwagen des «Rail in-Clubs» Interlaken hätten bereits seit einigen Jahren festgestellt werden müssen. Bislang sei alljährlich etwa ein Waggon heimgesucht worden. Allein in den ersten Wochen des neuen Jahres seien aber bereits insgesamt sieben Waggons versprayt worden, darunter die beiden schon im vergangenen August beschädigten und danach ein erstes Mal wiederinstandgestellten Schlafwagen.

Béatrice Jesenek, Geschäftsführerin der Rail in-Travel GmbH Unterseen/Interlaken.

Die Wiederinstandstellung farbverschmierter Wagen verursache Kosten, welche nicht vorgesehen gewesen seien und von der Klubkasse kaum verkraftet werden könnten. Nur gerade die erst im kommenden Sommer für Dampfzüge im Berner Oberland vorgesehenen Wagen könnten vorerst noch stehen gelassen werden. Die beiden massiv verschmierten Schlafwagen müssten aber schon vorher wieder einsatzfähig sein, andernfalls drohten Abbestellungen. Der Besitzer der Eisenbahnwagen, der «Rail in-Club» Interlaken – eine Non-Profit-Organisation – und mit ihm die «Rail In-Travel GmbH» mit Sitz in Unterseen/Interlaken, die als «Marketinggesellschaft mit Vollservice im Bereich Bahn-Tour-Operating» auftritt, fürchteten, dass als Folge der Sprayereien die Restaurierung von weiteren Eisenbahnwagen in Frage gestellt werden könnte.

Anders als bei normalen Reinigungs- und kleineren Unterhaltsarbeiten können laut Béatrice Jesenek mit Farbsprays verschmierte Wagen nur teilweise von Klubmitgliedern wiederinstandgestellt werden. Hiefür müssten – wie bei den regelmässigen vorgeschriebenen Revisionen – die Dienste von Bahnwerkstätten  in Anspruch genommen werden. Neben den vorgeschriebenen alljährlichen Kontrollen sei gesetzlich vorgeschrieben, dass Eisenbahnwagen alle sechs bis acht Jahre total
überholt werden müssten: «Die letzte grosse Revision der Schlafwagen wurde im Jahr 1996 durchgeführt.»

Die beiden Schlafwagen stammten aus einem Wagenpool der Compagnie Internationale des Wagons-Lits ( CIWL). Die SBB kauften daraus nach Angaben von Béatrice Jesenek zehn Stück: «Von diesen hat der Rail in-Club im Jahr 1996 die zwei besten Wagen übernommen und sie aussen – samt neuem Anstrich –  in einer Bahnwerkstätte komplett aufarbeiten lassen.» Die im Jahre 1966 gebauten Schlafwagen gehörten zu den geräumigsten und komfortabelsten Schlafwagen der Zeit: «Der Rail in-Club hat bei der Übernahme die komplette Bettausrüstung neu gekauft, so dass die Kunden einen modernen und sehr guten Schlafkomfort geniessen können.» Beide Schlafwagen seien voll einsatzfähig und in Betrieb –  wie auch das andere Rollmaterial des Rail in-Clubs. «Mit Jahrgang 1966 sind die beiden Schlafwagen jünger als die grosse Mehrheit der Einheits-Personen-(Sitz)wagen der Schweizer Bahnen.»

Flotte von 19 Eisenbahnwagen

Der «Rail in-Club» Interlaken ist im Jahr 1982 von Eisenbahnfreunden gegründet worden. Der von Walter Ellenberger aus Unterseen präsidierte Verein zählt zurzeit etwa 40 aktive Mitglieder; die Marketinggesellschaft «Rail In-Travel GmbH» wurde nach Angaben von Geschäftsführerin Béatrice Jesenek im Jahr 1998 gegründet: «Die Vereinsmitglieder haben sich voll und ganz der Bahn verschrieben.» Das Team des «Rail in-Clubs» restauriere originalgetreu die eigenen nostalgischen Wagen und baue auch neue Fahrzeuge um. So werden nach Angaben von Béatrice Jesenek zurzeit zwei Speisewagen umgebaut. Jedem neuen Wagen werde ein spezielles Motto gewidmet – bisher etwa «Bauernstube», «Jungle Bar» mit Disco-Betrieb oder «Grotto Ticinese». Neben einem historischen Salonspeisewagen zähle mit der Bezeichnung «Buffet 200» auch ein moderner, für Geschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometer auf dem gesamten europäischen Normalspurnetz zugelassener Speisewagen zur Flotte. Die Beförderungskapazität reiche von einem Wagen am Regelzug bis weit über 1000 Personen bei Grossanlässen im Extrazug, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Im Einsatz sind laut Béatrice Jesenek bei diesen Fahrten zwischen 3 und 20 temporär angestellte Mitarbeitende in Küche und Service.

Auf Bestellung von Reisebüros, Bahngesellschaften, Firmen und Privatleuten werden nach Angaben der «Rail in-Travel GmbH» die Themenwagen an Regelzügen angehängt oder zu Extrazügen formiert. Die Wagen seien auf Normalspurstrecken in ganz Europa – das heisst ohne Spanien und Russland – zugelassen: «In erster Linie stehen die Wagen für Charterfahrten zur Verfügung, was nicht heissen soll, dass der Individualreisende auf dem Perron zurückgelassen wird.» Einige der Themenwagen würden regelmässig von den SBB oder von ausländischen Bahngesellschaften für spezielle Einsätze zugemietet: «Auf diese Weise bleibt auch den Individualreisenden der Genuss dieses aussergewöhnlichen Erlebnisses nicht verwehrt.» Das Dienstleistungsangebot sei damit aber längst nicht erschöpft: «Die originellen Themenwagen werden oft für Incentive-Reisen gemietet.» Im weiteren sei die Rail-n-Crew seit vielen Jahren ein Insider-Tipp in der Bahngastronomie: «Die Köche zaubern wahre Gaumenfreuden aus den Kochtöpfen hervor, egal, ob ein einfaches Frühstücksbuffett oder ein mehrgängiges Gourmetmenü.»

Seit im Jahr 1982 eine Handvoll Bahnfans angefangen habe, Eisenbahnwaggons originalgetreu zu restaurieren und diese eigenständig zu vermarkten, sei die Nachfrage nach immer ausgefeilteren und speziellen Wagen «kometenhaft» gestiegen, was dazu geführt habe, dass die Flotte heute auf beachtliche 19 Wagen inklusive zwei Schlafwagen angewachsen sei. Der Charterverkehr der Eisenbahnen erfreue sich zunehmender Beliebtheit und es bestehe ein ausgewiesener Bedarf nach speziellen Angeboten: «Das Rail-in-Team baut diese Marktlücke als Nischenanbieter seit über 17 Jahren kontinuierlich auf und aus.»

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