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Samstag, 3. Juli 1999

«Ein ganz besonders eindrücklicher Zeuge der Geschichte»

Weltkrieg-II-Infanteriebunker in der Beatenbucht am Thunersee öffentlich zugänglich gemacht

pd/S. Der in den Jahren 1941/42 gebaute ehemalige Infanteriebunker Fischbalmen in der Beatenbucht am oberen Thunersee ist öffentlich zugänglich gemacht worden und soll als Zeuge des Zweiten Weltkrieges der Nachwelt erhalten bleiben. Das kleine, heute Samstagvormittag im Sinne eines Denkmals offiziell eröffnete Felswerk war durch die Offiziersgesellschaft Interlaken und Umgebung samt seiner inzwischen unbrauchbar gemachten Bewaffnung und Ausstattung vom Bund übernommen werden. Eine seither gegründete Stiftung sorgt laut einer Medienmitteilung für die Mittelbeschaffung und den Unterhalt des Werkes.

Ehemalige Kommandanten bei der Eröffnung des Infanteriebunkers am Samstagvormittag. Von links nach rechts: Brigadier Heinz Schmid aus Biel-Benken (Baselland), Kommandant der Reduitbrigade 21 in den Jahren 1987 bis 1991, Brigadier Emil Hollenweger aus Thun, ebenfalls ehemaliger Kommandant der Reduitbrigade 21, Oberstleutnant Hermann Fuhrer aus Interlaken, Kommandant der Festungswachtkorpsregion 3, und Hauptmann Klaus Lampart aus Gunzwil (Luzern), der letzte Kommandant der Werkkompanie 9. (Fotos: Peter Schmid)

Zweck der Stiftung sei es, den Bunker als Zeugen des Zweiten Weltkrieges für die Nachwelt zugänglich zu erhalten. Der Infanteriebunker Fischbalmen wurde nach Angaben der Offiziersgesellschaft Interlaken und Umgebung in den Jahren 1941/42 durch zivile Unternehmen erstellt: «Er gehörte zu den Abwehrstellungen der Schweizer Armee und blieb bis in die neunziger Jahre im Verteidigungsdispositiv.» Der Auftrag habe darin bestanden – zusammen mit anderen, in der gleichen Zeit entstandenen Befestigungen – als Teil der Reduitlinie auf der Achse Thun–Interlaken einen Gegner zu stoppen und am Vormarsch ins Alpenreduit zu hindern (Operationsbefehl Nr. 13 beziehungsweise «Reduitbefehl» des Generals vom 14. Mai 1941). Die Bunkerbesatzung habe – vorerst mit der 4,7-Zentimeter-Infanteriekanone bis diese in den sechziger Jahren durch die Neunzentimeter-Panzerabwehrkanone ersetzt worden sei – auf die am See gelegene Strassensperre wirken können. Das Infanteriewerk sei bis Ende 1994 regelmässig mit Wiederholungskurstruppen besetzt gewesen.

Die Frischluftzufuhr – links im Bild ist die Kollektivfilteranalge zu erkennen – hätte auch bei einem Stromausfall mit einer veloänlichen Tretmaschinerie aufrechterhalten werden können.

Das seinerzeit mit Kosten von 85’140 Franken erstellte Werk sei auf Initiative der Offiziersgesellschaft Interlaken und Umgebung von der Stiftung Infanteriebunker Fischbalmen zum Preis von knapp tausend Franken übernommen worden: «Zahlreiche Gönner haben die Stiftung unterstützt.» Die Stiftung soll den Museumsbetrieb und den Unterhalt der Anlage – hiefür seien rund tausend Franken im Jahr budgetiert – sicherstellen. Das Entgegenkommen der Armeeverantwortlichen und des Festungswachtkorps hätten es ermöglicht, die Anlage im Originalzustand zu belassen und auch die – inzwischen unbrauchbar gemachte – Bewaffnung zu zeigen.

Vor der Schiessscharte der Panzerabwehrkanone des Infanteriewerks Fischbalmen: Oberstleutnant Silvio Keller, Sekretär (links), und Oberst im Generalstab Marco Schiltknecht, Präsident des Stiftungsrates.

Mit der Reorganisation der Armee per 1. Januar 1995 seien über 13’000 Objekte der militärischen Landesverteidigung «ausgemustert» worden, darunter auch der Infanteriebunker in der Beatenbucht, wurde anlässlich der Eröffnung am Samstag im weiteren erinnert: «Dieser war Teil der Strassensperre, welche den Feind bei einem Angriff auf das Reduit unmittelbar vor der Bucht aufgehalten hätte.» Noch seien die entsprechenden Schächte in der Strasse gut zu erkennen: «Vom Bunker selbst, dessen Eingang rund fünf Gehminuten oberhalb der Bushaltestelle direkt am Zugang zum Pilgerweg liegt, ist dagegen wenig zu sehen.» Das Werk sei vollständig in den Fels gehauen, und die Schiessscharte Richtung Hauptstrasse sei im Normalfall durch eine aufwendige Tarnung verdeckt: «Im Innern des Werkes ist noch alles vorhanden, von der Panzerabwehrkanone über die Ventilation und die Mannschaftspritschen bis zum Trockenabort.»

Der Militärspezialist der Tageszeitung «Berner Oberländer», Hans Rudolf Schneider (links) im Gespräch mit Silvio Keller.

Als die Offiziersgesellschaft Interlaken und Umgebung von den Liquidationsabsichten des Militärdepartementes hörte, habe man zuerst an die Übernahme irgendeines Werkes auf dem Bödeli gedacht: «Da die dortigen Bunker jedoch bereits früher ausgeräumt worden waren, kam man schliesslich dank eines Hinweises aus dem Festungswachtkorps auf das Werk in der Beatenbucht.» Man sei sich rasch einig gewesen, «dass es sich hier um einen ganz besonders eindrücklichen Zeugen der Geschichte handle, und so kam es schliesslich zur Übernahme». Man hoffe, «damit eine Erinnerung an die schwere Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht nur für unsere Generation, sondern auch für spätere Zeiten im Sinne eines Denkmals zu erhalten.» Obwohl es sich beim Bunker Fischbalmen um ein relativ kleines Werk handle, ist dessen Betrieb und Unterhalt laut Medienmitteilung mit einigen Kosten verbunden: «Die Offiziergesellschaft Interlaken und Umgebung wie auch der Stiftungsrat danken darum für die vielen Beiträge und Spenden, die bereits für diesen Zweck eingegangen sind.» Einen weiteren, wenn auch bescheidenen Zustupf in die Kasse sollen die öffentlichen Führungen bringen, die ab Juli 1999 jeden dritten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr angeboten würden. Aber auch für Gruppen und Schulklassen sollen solche Führungen nach Bedarf und besonderer Vereinbarung stattfinden. Prospekte seien in allen Verkehrsbüros sowie im Restaurant Beatenbucht erhältlich.

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