Berner Oberland News

Mittwoch, 4. Juni 1997

Orgeleinweihung mit Gottesdienst in der Burgkirche

Grössere Revision der Ringgenberger Orgel nach zwei Monaten abgeschlossen

pd/S. Mit einem festlichen Gottesdienst wird am kommenden Sonntag, 8. Juni, mit Beginn um 9.45 Uhr die mit Kosten von rund 45'000 Franken revidierte, teilweise 160 Jahre alte Orgel der Kirche Ringgenberg eingeweiht.

Auf der erneuerten Orgel werden am Sonntag im Gottesdienst die beiden Organistinnen Erika Cotti und Maria Wälti Werke von Albinoni, Bach, Buxtehude und Krebs darbieten. Als Solist wirkt zudem der Trompeter Sandro Häsler mit. Nach Taufe, Predigt und Gedächtnis der Goldenen Konfirmation des Jahrganges 1931 wird allen Gottesdienstbesuchern laut einer Einladung des Kirchgemeinderates ein Apéro offeriert. Darüberhinaus bestehe Gelegenheit, mit dem verantwortlichen Orgelbauer Jörg Gobeli aus Gümligen einen Blick ins Innere der Ringgenberger Orgel zu werfen sowie anhand einiger Musikbeispiele ein paar technische Aspekte dieses Instrumentes und der abgeschlossenen Revisionsarbeiten kennenzulernen.

Mit der Revision der Orgel war, wie berichtet, anfangs April begonnen worden. Die Orgel, deren Gehäuse und Prospektpfeifen noch aus dem Baujahr 1837 stammen, wurde nach Angaben des Orgelbauers Jörg Gobeli total zerlegt. Die Revision umfasste überdies unter anderem auch die Sanierung der Registersteuerung. Die Orgel war auch stark von einem Pilz befallen, eine Folge der Feuchtigkeit, die aus dem jahrhundertealten Gemäuer – die Burgruine Ringgenberg war in den Jahren 1670/71 in eine Kirche umgebaut worden – dringt. Gegen den Pilz wurde die Orgel laut Gobeli mit Javelwasser behandelt und anschliessend gut getrocknet. Revidiert und gereinigt wurde die ganze Mechanik von der Klaviatur bis zur Windlade, dem Herzstück der Orgel. Unter anderem waren Filzgarnituren zu kontrollieren und zu ersetzen, und nach dem Zusammenbau musste das Instrument reguliert werden. Die Orgel, mit deren Revision laut Gobeli drei Orgelbauer beschäftigt waren, sei mit rund 1150 Metallpfeifen und 50 Holzpfeifen – von winzigen, gerade 10 Millimeter grossen Pfeifen bis zu 2,8 Meter langen "Riesen" bestückt. Eine derartige Revision wird je nach Verschmutzungsgrad so alle 15 bis 25 Jahre fällig.

Auf der erneuerten Orgel – unser Bild zeigt an dem Instrument die Organistin Maria Wälti aus Matten – werden am Sonntag Werke von Albinoni, Bach, Buxtehude und Krebs dargeboten.

Die Orgel, auf der Felix Mendelssohn-Bartholdy auf seiner letzten Schweizerreise im Jahr 1847 gespielt hatte, soll damals, das heisst zehn Jahre zuvor, 3000 Franken gekostet haben – ein vergleichbarer Neubau würde heute nach Angaben von Jörg Gobeli schätzungsweise gegen 500'000 Franken kosten.