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Freitag, 28. Mai 1999

Kürzere Reisezeiten und mehr Fahrplanstabilität

Ausbau und Begradigung der BOB-Strecke zwischen Wilderswil und Zweilütschinen abgeschlossen

S. Mit dem Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag, 30. Mai 1999, ist der Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Wilderswil und Zweilütschinen der Berner Oberland-Bahnen (BOB) – er erlaubt neben kürzeren Reisezeiten namentlich mehr Fahrplanstabilität sowie einen rationelleren Einsatz von Personal und Rollmaterial – offiziell abgeschlossen. In den vergangenen vier Jahren wurde im Rahmen des Projektes Bahn 2000 mit Gesamtkosten von rund 32 Millionen Franken die Meterspur-Adhäsionsstrecke zwischen Kilometer 4,7 und 8,1 von der Strassenunterführung bei Gsteigwiler bis zur Stationseinfahrt Zweilütschinen begradigt und teilweise auf Doppelspur ausgebaut.

Künftig bis zu 70 Stundenkilometer schnell: Eine Komposition der BOB auf der Doppelspurstrecke kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Zweilütschinen. (Fotos: Peter Schmid)

Dank höheren Geschwindigkeiten auf den Ausbaustrecken und Kreuzungsmöglichkeiten im neuen Doppelspurabschnitt verkürzen sich die Fahrzeiten zwischen Interlaken Ost und Zweilütschinen weiter um zwei auf elf Minuten. Bereits nach einer ersten Ausbauetappe hatten die Fahrzeiten nach Angaben von Betriebschef Christian Balmer um eine Minute verkürzt werden können: Mit dem neuen Fahrplan reduzieren sich die Reisezeiten von Interlaken Ost nach Grindelwald um weitere zwei Minuten auf 34 Minuten und nach Lauterbrunnen ebenfalls um zwei auf 20 Minuten. Mit der Begradigung und dem Ausbau auf Doppelspur auf 2,5 der 3,4 Kilometer langen Adhäsionsstrecke sollen die Züge nun bis 70 Stundenkilometer schnell fahren können – gegenüber vorher 40 bis 60 Stundenkilometer. Dank dem Streckenausbau sei ein neues Fahrplankonzept möglich geworden, das einen rationelleren Einsatz von Bahnpersonal und Rollmaterial erlaube: «Ohne einen Abbau im Fahrplanangebot müssen in der Hauptsaison nur noch fünf statt sieben und in der Zwischensaison nur noch drei statt fünf Zugskompositionen eingesetzt werden.» In der Hauptsaison sollen die Züge wie bisher alle 30 Minuten, in der übrigen Zeit stündlich verkehren. Nicht nur könnten kleinere Verspätungen bis zu zwei, drei Minuten aufgeholt werden – dank «fliegendem» Kreuzen auf der neuen Doppelspur lässt sich laut Balmer auch vermeiden, dass Verspätungen auf die Gegenzüge übertragen werden.

Letzte Gleisanpassungsarbeiten Mitte Mai 1999 vor der Inbetriebnahme der neuen Doppelspur im Bahnhof Zweilütschinen.

Fahrplanänderungen

Mit dem neuen Fahrplan sind Anpassungen bei einzelenen Früh- und Spätzügen verbunden. So verkehren am Morgen die bisherigen Züge Grindelwald ab um 6.43 Uhr und Lauterbrunnen ab um 6.58 Uhr je um drei Minuten früher, das heisst um 6.40 beziehungsweise um 6.55 Uhr. Die Spätverbindungen nach Grindelwald ab Interlaken Ost um 21.30 und 22.30 Uhr werden  separat «ausser Takt» geführt. Alle übrigen Züge verkehren ab Interlaken Ost um  xx.35 Uhr (halbstündlich um xx.05 Uhr). Der erste Buskurs ab Gsteigwiler nach Interlaken West fährt nach dem neuen Fahrplan fünf Minuten früher, um 7.02 statt bisher um 7.07 Uhr.

Radius vergrössert

Als die Trassen der Berner Oberland-Bahnen vor über hundert Jahren gebaut wurden – im Jahr 1990 feierte die Bahn das 100-Jahr-Jubiläum – «krümmte» man die Kurven so, dass mit möglichst wenig Erdbewegungen die Steigung klein gehalten werden konnte. Mit einem 100-Meter-Radius eng gebogen, boten sie aber auch den damals «unheimlich schnellen» Dampflokomotiven keine Probleme, wenn diese mit 25 Kilometern pro Stunde taleinwärts dampften. Auch für die ersten, 40 Stundenkilometer schnellen Elektrolokomotiven reichte das: «40 Kilometer pro Stunde sind heute aber auch für eine Schmalspurbahn zu langsam», meint Christian Balmer, Betriebschef der BOB. Die Höchstgeschwindigkeit der heutigen Triebwagen betrage 70 Stundenkilometer: Um aber mit 65, kurz vor Zweilütschinen sogar mit 70 Stundenkilometer taleinwärts zu fahren, müssten die Kurven einen Radius von mindestens 200 Meter aufweisen.

Vor 109 Jahren dauerte eine Fahrt von Interlaken Zollhaus (Interlaken Ost, Bahnkilometer 0,000) sowohl nach Zweilütschinen (Kilometer 8,198) wie auch nach Lauterbrunnen (Kilometer 12,299) und Grindelwald (Kilometer 19,361) gegenüber heute etwa doppelt so lang: Laut einem «Fahrtenplan provisorisch vom 1. Juli 1890 an» benötigte die damals noch dampfbetriebene Bahn für die Fahrt nach Grindelwald 70 Minuten oder mehr, nach Lauterbrunnen über 40 Minuten und nach Zweilütschinen gut 20 Minuten. Im Jahr 1914 wurde der elektrifizierte Betrieb aufgenommen.

Eine der entlang der Ausbaustrecke aufgestellten «Natur-und-Bahn»-Orientierungstafeln: Bei der neuen Doppeltrogbrücke über die Schwarze Lütschine in der Nähe des Bahnhofs Zweilütschinen erfahren Wanderer und Velofahrer, dass «Blasiegg» ein bezeichnender Name sei, «bläst doch hier, wo sich das Tal teilt, meistens der Tal- oder der Bergwind».

125 Mannjahre Arbeit für das Baugewerbe

Mit der Streckenberadigung und dem Ausbau auf Doppelspur waren nach Angaben von Walter Steuri, Direktor der Jungfraubahnen, in den vergangenen vier Jahren – Baubeginn war am 24. Juni 1995 – 30 Mann beschäftigt. Wie Steuri bereits an einem Besuchstag bei «Halbzeit» des Streckenausbaus hingewiesen hatte, sei nicht in neues Rollmaterial, sondern in die Infrastruktur investiert worden, was für das gedrückte Baugewerbe 125 Mannjahre Arbeit bedeute. Investitionen für Rollmaterial wären demgegenüber in andere Landesteile oder ins Ausland geflossen. Jürg Lauper, Chef der Bauabteilung bei den Jungfraubahnen (JB) und den BOB, nannte einige Zahlen zu dem Ausbau: Der neue Geleiseoberbau der Sanierungsstrecke wiege drei Millionen Tonnen. Erstmals seien bei den BOB Betonschwellen velegt worden, insgesamt 7800 Stück in Abständen von 60 Zentimeter. Nach Angaben von Jürg Lauper wurden viele ökologische Auflagen gemacht: Lauper sprach von einer Symbiose zwischen Bahnbetrieb und Natur und wies darauf hin, dass durch die Bahn entlang der Lütschine ein vor dem Zugang durch Menschen abgeschirmter Gürtel entstehe. An interessanten Punkten wurden Orientierungstafeln für Wanderer und Velofahrer aufgestellt. Schon im vergangenen Herbst waren nach Angaben von Bauchef Jürg Lauper alle grösseren Kunstbauten bis auf einige Feinarbeiten vollendet. Inzwischen seien noch sowohl umfangreiche Sicherungsanlagen und eine von Zweilütschinen aus bedienbare Fernsteuerung für die Weichen und Signale installiert als auch Umgebungsarbeiten wie Wiederaufforstungen ausgeführt worden.

Bereits im Jahr 1991 war in einer ersten Etappe mit Kosten von 5,5 Millionen Franken ein 900 Meter langer Abschnitt von Kilometer 3,8 in Wilderswil bis Kilometer 4,7 in der Fliesau – immer vom Bahnhof Interlaken Ost aus gemessen – begradigt worden.

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