Donnerstag, 22. März 2001
Sperrelemente zum Infanteriebunker Fischbalmen
S. Zu dem im Juli 1999 der Öffentlichkeit zugänglich gemachten ehemaligen Infanteriebunker Fischbalmen in der Beatenbucht am oberen Thunersee hat nun auch noch ein Teil der dazugehörigen Strassenbarrikade mit verschiedenen Typen von Sperrelementen wiederbeschafft werden können. Mit total 407 zahlenden Besuchern und etlichen Zuwendungen sowie dank dem Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeitern wurde das Budgetziel der Stiftung Infanteriebunker Fischbalmen im ersten vollen Betriebsjahr erreicht.
In
einem Teil der bergseits noch vorhandenen Schächte – auf der Fahrbahn
selber wurden sie inzwischen abgebaut – sind einige der wiederbeschafften
Sperrelemente befestigt worden. Im Vordergrund links drei mächtige
Stahlelemente mit doppeltem T-Profil. (Fotos: Peter Schmid)
Der in den Jahren 1941/42 neben mehreren weiteren Sperren am rechten Thunerseeufer gebaute Infanteriebunker Fischbalmen – siehe auch Bericht «Infanteriebunker Fischbalmen vor dem Start in die zweite Saison» vom Donnerstag, 30. März 2000 – schreibt im ersten vollen Betriebsjahr nach Angaben von Stiftungsratspräsident Marco Schiltknecht bei Ausgaben von rund 3000 Franken schwarze Zahlen: Das Budgetziel von 400 Besuchern sei erreicht worden. Neben weiteren Zuwendungen materieller und finanzieller Art sei das Eintrittsgeld, wie heute Donnerstag bei einer Präsentation der wiederbeschafften Sperrelemente und der dazugehörigen Materialkaverne zu erfahren war, häufig grosszügig aufgerundet worden. Besonders interessant sei – wie bereits auch im Jahresbericht 2000 erwähnt – die Zusammensetzung der Besuchergruppen gewesen: «Erfreulich die Feststellung, dass sich viele junge Personen aus der Oberstufe der Schule oder des Gymnasiums für die Zusammenhänge aus dem Zweiten Weltkrieg besonders interessierten.» Laut dem Stiftungsratspräsidenten wurde der Bunker unter anderem durch Gruppierungen vom Tauchklub über Serviceklubs bis hin zur Männerriege oder politischen Partei besucht.
In
der Materialkaverne orientierte heute Donnerstag Adjutant-Unteroffizier
Raimund Schalbetter (rechts), Chef der Gruppe Unterhalt im Festungssektor
31 bei einer Besichtigung der Anlage über die verschiedenen eingelagerten
Sperrelemente.
Das Infanteriewerk mit seiner vollständig erhaltenen Ausrüstung – siehe auch Bericht «Ein ganz besonders eindrücklicher Zeuge der Geschichte» vom Samstag, 3. Juli 1999 – ist im Jahr 2001 an insgesamt sieben Samstagen jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet, und zwar am 21. April, 19. Mai, 16. Juni, 21. Juli, 18. August, 15. September und 20. Oktober. Der Eintritt kostet für Erwachsene unverändert fünf Franken, für Kinder bis 14 Jahre ist er gratis. Besichtigungen mit Gruppen sind das ganze Jahr hindurch auch an den übrigen Wochentagen – Termine nach Vereinbarung – rnöglich. Für Reservationen wende man sich an Telefon (033) 822'52'77. – Der Infanteriebunker liegt nur fünf Gehminuten oberhalb des Restaurants Beatenbucht und ist gut mit Bus oder Schiff erreichbar. Für Wanderlustige bieten sich von hier leichte Routen auf dem Pilgerweg nach den Beatushöhlen oder nach Merligen an.
Wie
das Infanteriewerk Fischbalmen in der Beatenbucht bildet auch die «Toblerone»-Panzersperre
in Merligen (Bild) einen Teil der Reduitlinie auf der Achse Thun–Interlaken.
Ein Zeuge des Zweiten Weltkriegs
Die Stiftung Infanteriebunker Fischbalmen hat es sich zum Ziel gemacht, den Bunker als Zeugen des Zweiten Weltkrieges für die Nachwelt zugänglich zu erhalten. Der Infanteriebunker Fischbalmen wurde nach Angaben der Stiftung in den Jahren 1941/42 durch zivile Unternehmen erstellt: «Er gehörte zu den Abwehrstellungen der Schweizer Armee und blieb bis in die neunziger Jahre im Verteidigungsdispositiv.» Der Auftrag habe darin bestanden, zusammen mit anderen, in der gleichen Zeit entstandenen Befestigungen als Teil der Reduitlinie – siehe auch Abschnitt «Reduit beruhte nicht auf Feigheit» im Bericht «Vitrine mit Zinnsoldaten in der Villa Cranz/Ausschnitte der Armee in den Kriegsjahren 1939 bis 1945» vom Montag, 22. Mai 2000 – auf der Achse Thun–Interlaken einen Gegner zu stoppen und am Vormarsch ins Alpenreduit zu hindern (Operationsbefehl Nr. 13 beziehungsweise «Reduitbefehl» von General Henri Guisan vom 14. Mai 1941). Die Bunkerbesatzung habe – vorerst mit der 4,7-Zentimeter-Infanteriekanone bis diese in den sechziger Jahren durch die Neunzentimeter-Panzerabwehrkanone ersetzt worden sei – auf die am See gelegene Strassensperre wirken können. Das Infanteriewerk sei bis Ende 1994 regelmässig mit Wiederholungskurstruppen besetzt gewesen. Mit der Reorganisation der Armee per 1. Januar 1995 seien über 13’000 Objekte der militärischen Landesverteidigung «ausgemustert» worden, darunter auch der Infanteriebunker in der Beatenbucht: «Dieser war Teil der Strassensperre, welche den Feind bei einem Angriff auf das Reduit unmittelbar vor der Bucht aufgehalten hätte.» Die entsprechenden Schächte in der Strasse sind inzwischen entfernt beziehungsweise mit einem Belag überdeckt worden: «Vom Bunker selbst, dessen Eingang rund fünf Gehminuten oberhalb der Bushaltestelle direkt am Zugang zum Pilgerweg liegt, ist dagegen wenig zu sehen.» Das Werk sei vollständig in den Fels gehauen, und die Schiessscharte Richtung Hauptstrasse sei im Normalfall durch eine aufwendige Tarnung verdeckt: «Im Innern des Werkes ist noch alles vorhanden, von der Panzerabwehrkanone über die Ventilation und die Mannschaftspritschen bis zum Trockenabort.»
Diese
undatierte Aufnahme zeigt General Henri Guisan als jüngeren Offizier.
Das seinerzeit mit Kosten von 85’140 Franken erstellte Werk wurde nach Angaben der Stiftung Infanteriebunker Fischbalmen auf Initiative der Offiziersgesellschaft Interlaken und Umgebung zum Preis von knapp tausend Franken übernommen: Zahlreiche Gönner hätten die Stiftung unterstützt. Die Stiftung soll den Museumsbetrieb und den Unterhalt der Anlage sicherstellen. Das Entgegenkommen der Armeeverantwortlichen und des Festungswachtkorps hätten es ermöglicht, die Anlage im Originalzustand zu belassen und auch die – inzwischen unbrauchbar gemachte – Bewaffnung zu zeigen.
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