Berner Oberland News

Donnerstag, 20. März 1997

"Eine schweizerische Lösung gesucht"

Interlakner Victoria-Jungfrau übernimmt das Luzerner Luxushotel Palace

S. Die Grand Hotel Victoria-Jungfrau AG in Interlaken will auf 1. Oktober 1997 das Luzerner Fünfsternhotel Palace übernehmen: Der Zusammenschluss über die Höhe des Übernahmepreises wurde keine Auskunft gegeben soll laut einem gestern verbreiteten Communiqué ein beträchtliches Synergiepotential auslösen. Ein Stellenabbau sei nicht geplant.

Die Grand Hotel Victoria-Jungfrau AG hat sich mit den Palace-Eigentümern auf die Übernahme der Aktien und des Betriebs per 1. Oktober 1997 geeinigt. Der ordentlichen Generalversammlung am 9. Mai will die Victoria-Jungfrau AG eine Erhöhung des Aktienkapitals um acht Millionen Franken beantragen. Zum Übernahmepreis wollte Palace-Generaldirektor Jürg Reinshagen auf Anfrage keine Angaben machen. Zu den Aktionären gehören nach Angaben von Victoria-Jungfrau-Generaldirektor Emanuel Berger in der Presse die Schweizerische Bankgesellschaft, der Schweizerische Bankverein, Schmidheiny, Roche, Danzas, die Zürcher Versicherungen und in kleinem Rahmen die Kuwait-Investment-Gesellschaft in London.

Die auf den 1. Oktober dieses Jahres geplante Übernahme soll die Kontinuität im "Palace" sicherstellen und dank Synergien einen wirtschaftlichen Nutzen bringen. Ein Stellenabbau sei nicht vorgesehen. Die Verantwortlichen erhoffen sich laut einem Bericht der Schweizerischen Depeschenagentur gar eine Steigerung der Auslastung. Die operative Leitung des Hotels gehe an die Direktion des Grand Hotels Victoria-Jungfrau über, die für das Palace eine Leitungsstruktur ernennen werde. Die an der Börse kotierte Grand Hotel Victoria-Jungfrau AG will an ihrer Generalversammlung am 9. Mai eine Aktienkapitalerhöhung von 20 auf 28 Millionen Franken beantragen. Es sei vorgesehen, 80'000 Aktien mit einem Nominalwert von 100 Franken zum Preis von 200 Franken auszugeben.

An einer Presseorientierung orientierten gestern Nachmittag Victoria-Jungfrau-Verwaltungsratspräsident Peter Bratschi, der Generaldirektor des Interlakner Grand Hotels, Emanuel Berger, sowie vom Palace Luzern Verwaltungsratspräsident Walter Ernst und Generaldirektor Jürg Reinshagen über die Gründe, welche zu der Übernahme geführt hätten: "Nachdem seit längerem feststand, dass die Geschäftsführung im Hotel Palace Luzern auf absehbare Zeit hinaus nicht aus dem Kreise der Besitzerfamilien wird sichergestellt werden können", hätten Ernst und Reinshagen nach anderen Lösungen Ausschau gehalten: "Es lag ihnen daran, eine schweizerische Lösung zu finden, welche Gewähr dafür bietet, dass das Hotel Palace als führendes Haus in Luzern auch in Zukunft seinem Ruf und seiner Rolle gerecht werden kann." Mit dem Victoria-Jungfrau in Interlaken bestehe seit vielen Jahren eine enge Kooperation auf verschiedenen Gebieten. Der Verwaltungsrat des Hotels Palace soll auf den Zeitpunkt der Übernahme durch die Zuwahl von Peter Bratschi (Verwaltungsratspräsident) und Emanuel Berger (Delegierter) ergänzt werden. Die beiden bisherigen Mitglieder Ernst und Reinshagen gehörten weiterhin dem Verwaltungsrat an und böten auf diese Weise Gewähr, dass die Übernahme friktionslos erfolgen könne. Die Transaktion sehe vor, dass Ernst und Reinshagen eine "massgebliche" Beteiligung am Victoria-Jungfrau über deren Höhe wurde ebenfalls Stillschweigen bewahrt erwerben "und auf diese Weise mit beiden Hotels weiterhin verbunden sein werden". Diese Beteiligung mache einen wesentlichen Teil des Kaufpreises aus und werde an diesen angerechnet, erklärten laut Agenturbericht die Verantwortlichen der Grand Hotel Victoria-Jungfrau AG. Der Versicherungswert des Hotels Palace sei mit rund 60 Millionen Franken angegeben worden (Gebäude). Über die genauen Modalitäten der Aktienkapitalerhöhung soll an der Bilanzpressekonferenz der Grand Hotel Victoria-Jungfrau AG am 17. April orientiert werden.

Das in den Jahren 1904 bis 1906 erbaute Hotel Palace Luzern mit 174 Zimmern und durchschnittlich 112 Mitarbeitern hat im vergangenen Jahr 41'789 Logiernächte verzeichnet und bei einem Betriebsergebnis I von 25,4 Prozent einen Erlös von 12,25 Millionen Franken erzielt. Zum Vergleich: Das Interlakner Grand Hotel Victoria-Jungfrau 216 Zimmer, 70'912 Logiernächte, 205 Mitarbeiter erzielte 1996 einen Erlös von 30,02 Millionen Franken mit einem Betriebsergebnis I von 31,5 Prozent. Im vorangegangenen Jahr beschäftigt waren 229 Mitarbeiter war ein Umsatzrückgang um 13,3 Prozent auf 30,7 Millionen Franken zu verzeichnen gewesen. Der Beherbergungserlös pro Zimmer betrug in Luzern 247 Franken, in Interlaken 313 Franken.